
Rooibos war nicht gleich Rooibos. Jetzt schon. Rooibos-Tee darf nur noch so genant werden wenn auch Blättchen der Pflanze enthalten sind.
Rooibos-Tee wird eigentlich eine beruhigende Wirkung nachgesagt. Doch ein Handelsstreit um den Kräutertee hat die Teepflanzer an der Südspitze Afrikas in den vergangenen zehn Jahren viel Geld und Nerven gekostet. Jetzt kam für sie die gute Nachricht: Rooibos gehört neuerdings zu den in der Europäischen Union geschützten Ursprungsbezeichnungen wie Champagner, Feta oder Sherry. Sie dürfen nur für Produkte aus einer bestimmten Region verwendet werden. Die Regelung gehört zu einem Abkommen zur wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen der EU und den Staaten im südlichen Afrika, das in der vergangenen Woche geschlossen wurde.
Rooibos – der Name bedeutet „Rotbusch“ auf Afrikaans – ist in Südafrika ein Traditionsgetränk. Als Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu beispielsweise seinen Rückzug aus dem öffentlichen Leben bekanntgab, sagte er, künftig in Ruhe seinen Rooibos-Tee genießen zu wollen. Afrikanische Medizinmänner nutzen die dünnen Blättchen der Pflanze schon seit Generationen gegen alle möglichen Beschwerden. Selbst Babys schmeckt das rotgoldene süßliche Getränk.
Rooibos, das Produkt der südafrikanischen Cederbergen
Dank der Tatsache, dass es sich gut mit anderen Geschmacksstoffen mischen lässt, wandelte sich das Nischenprodukt zu einem Exportschlager. Heute brühen auch Großkunden wie Starbucks den Tee auf. Die jährliche Produktion hat sich gegenüber dem Niveau vor zehn Jahren auf 15.000 Tonnen mehr als verdreifacht. Etwa die Hälfte davon landet im Ausland, vor allem in Deutschland. Aber auch aus den Supermarktregalen in Großbritannien, Japan und den Vereinigten Staaten ist der Tee kaum wegzudenken.
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Viele haben sich daran versucht, die Pflanzen auch anderswo anzubauen, aber das Gewächs ziert sich. Nur in Südafrika und nur in den Cederbergen nördlich von Kapstadt findet es die richtigen Bedingungen: 200 Meter über dem Meeresspiegel, in metertiefen Sandböden mit reichlich Regen im Winter. Der Inhalt sämtlicher Rooibos-Teebeutel auf der Welt stammt daher von den Plantagen einiger hundert Bauern in der Nähe des Kaps der Guten Hoffnung.
Rooibos, Rooi-Bush und Redbush sind internationale Szenegetränke
Diese fühlten sich bis 2004 relativ sicher vor internationaler Konkurrenz. Umso größer war das Entsetzen, als sie feststellten, dass sich ein Unternehmen in den Vereinigten Staaten die Rechte an der Marke Rooibos gesichert hatte, angeblich ohne von der Existenz der Pflanze im fernen Afrika zu wissen. Zähneknirschend mussten die Südafrikaner ihr Erzeugnis in Rooi-Bush oder Redbush umbenennen, um den amerikanischen Zoll zu passieren. Ein teurer Gerichtsprozess in New York folgte, in dem sich die beiden Parteien letztlich einigten.
Doch einige Jahre später kam eine französische Gesellschaft auf eine ähnliche Idee. Diesmal ging der Streit so weit, dass sich auch der südafrikanische Handelsminister einschaltete. Nach der EU-Regelung seien solche Streitigkeiten jetzt passé, sagt Gerda de Wet, Sprecherin des Marktführers Rooibos Limited, der 90 Prozent des lokalen und 70 Prozent des internationalen Geschäfts abwickelt. „Es hat lange gedauert, aber wir sind sehr erleichtert.“
In den Cederbergen kann man sich jetzt wieder mehr um das Geschäft kümmern. Nach Europa und den Vereinigten Staaten wittern die Produzenten in Russland und China Wachstum, wo Rooibos-Tee ähnlich wie südafrikanischer Wein noch als exotisch gilt. Gleichzeitig versuchen Unternehmen in Südafrika zunehmend, mit der Weiterverarbeitung Geld zu verdienen. Bisher wird der Großteil der Blättchen als Massenware im Container verschifft und anderswo vermischt und verrührt. Einer der Vorreiter ist das Kapstädter Unternehmen Bos, das Rooibos-Eistees mit schrillen Werbeaktionen zu einem Szenegetränk gemacht hat. Sein Rezept scheint auch woanders zu funktionieren. Mittlerweile exportiert es nach Belgien, in die Niederlande und in die Schweiz.
