
Erst warnt Apple vor Überhitzungsgefahr in iPhone-Ladegeräten, dann werden sie angeblich im Laden nicht zurückgenommen. Doch man kann die Mitarbeiter im Apple-Store überlisten.
Brandgefährlich sollen die Netzteile sein: Der iPhone-Hersteller Apple spricht von einem „Sicherheitsrisiko“ und bietet unentgeltlichen Austausch der Brandbombe im Format eines schwangeren Eurosteckers an. Im Internet haben sich jedoch Kunden beschwert, von der Warnung betroffene Geräte seien nicht zurückgenommen worden. „Im Apple-Store Dresden war man unfreundlich und wollte ohne Termin gar nichts machen“, twittert jemand. In Diskussionsforen und Kommentaren sorgt die Bedingung für Unverständnis, beim Umtausch müsse die Seriennummer des iPhones angegeben werden.
Der Hintergrund: Der kalifornische Hersteller warnt auf seiner Website vor Überhitzungsgefahr bei Ladegeräten, die zwischen Oktober 2009 und September 2012 mit den Modellen iPhone 3GS, 4 und 4s ausgeliefert, aber auch separat verkauft wurden. Das 5-Watt-USB-Netzteil könne „in seltenen Fällen überhitzen und ein Sicherheitsrisiko darstellen“. Man soll den Aufdruck beachten: Er trage bei potentiell gefährlichen Netzteilen die Modellnummer A 1300. Getauscht werde in Apple-Stores, bei autorisierten Händlern und den Mobilfunk-Partnern. Man kann sein Netzteil auch einsenden, allerdings nur nach Angabe der iPhone-Seriennummer am Telefon.
„Ich brauche aber diese Nummer“
Also schnappen wir uns aus dem Fundus der Redaktion ein weißes A-1300-Netzteil und marschieren zum Frankfurter Apple-Store. Überaus freundlich lassen einen die Mitarbeiter in den blauen Shirts nicht einen Moment aus den Augen. Nach der Anmeldung an der „Genius Bar“ macht sich einer der Tempeldiener sofort auf den Weg: Anscheinend ein völlig unproblematischer Netzteil-Tausch. Jetzt muss der Kunde seinen Namen und die E-Mail-Adresse in ein iPad eintippen. Schon liegt das Ersatzgerät auf dem Holztresen bereit.
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„Jetzt brauche ich noch die Seriennummer Ihres iPhones“, meint der junge Mann. Gut vorbereiteter Konter: Der Umtausch sei für die Freundin, die Identifikationsnummer nicht zur Hand und die alternativ anzugebende Apple-ID erst recht nicht. Damit hat das Blauhemd nicht gerechnet. Nun wird es kompliziert: „Können wir Ihre Freundin vielleicht anrufen und nach der Nummer fragen?“ Können wir natürlich: Ausdauernd tutet die eigene Büronummer. Wie zu erwarten, hebt niemand ab. Und nun?
Sichtlich irritiert klammert sich der Mitarbeiter an sein iPad: „Ich brauche aber diese Nummer.“ Unsicherheit macht sich breit, und schon ist er im Nebenraum verschwunden. Wenig später kehrt er zurück, alles ist gut: Wir müssen ein Formular unterschreiben und erhalten den neuen Steckdosenstecker. Zehn Minuten dauerte das Hin und Her, doch ohne jemals ein Apfel-Gerät besessen zu haben, ist das gefährdete USB-Netzteil ausgetauscht. Warum der Telefonsupport sich querstellt und der Mitarbeiter erst überlistet werden muss, mag allein Apple wissen. Das Unternehmen will dazu aber keine Stellungnahme abgeben.
