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Terrormiliz: Islamischer Staat erobert Ostsyrien

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Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat in Syrien eine weitere Militärbasis erobert und kontrolliert offenbar fast den gesamten Osten des Landes. Im Nordirak spitzt sich die Lage zu. Kurdische Truppen kämpfen gegen die Extremisten.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine strategisch wichtige syrische Militärbasis in der Provinz Al-Rakka erobert. Damit kontrollieren die Extremisten nach Angaben der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte fast den kompletten Osten des Landes. Der Flughafen von Tabka, rund 40 Kilometer westlich von Al-Rakka, ist der letzte militärische Posten der syrischen Armee in der Region.

Die IS-Kämpfer hätten die Militärbasis der Brigade 93 in der Nacht zum Freitag überrannt, sagte der Leiter der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, der Nachrichtenagentur dpa. Mindestens 36 Soldaten seien bei dem Angriff gestorben. Die Brigade sei zum Flughafen von Tabka geflüchtet.

In Syrien beherrscht der Islamische Staat fast ein Drittel des Landes. Hinzu kommen im Irak die Provinz Anbar an der Grenze zu Syrien sowie große Teile des Nordirak, in denen IS-Kämpfer seit den letzten Tagen massiv Jagd auf religiöse Minderheiten machen. Ende Juni hatte die Terrormiliz ein Kalifat im Irak und in Syrien ausgerufen.

Zum Schutz amerikanischer Militärs und bedrohter Minderheiten im Nordirak genehmigte der amerikanische Präsident, Barack Obama, Luftangriffe auf die Terrormiliz. Zugleich kündigte Obama in der Nacht zum Freitag in Washington an, die Vereinigten Staaten hätten mit dem Abwurf von Hilfsgütern begonnen, um die in der Region vor den sunnitischen Extremisten geflüchteten Menschen zu unterstützen.

30509503 Christliche Flüchtlinge in der kurdischen Stadt Arbil

Luftangriffe habe er insbesondere für den Fall autorisiert, dass IS-Kämpfer gegen die Stadt Arbil vorrücken sollten, in der sich auch amerikanische Militärberater befänden, sagte Obama. Luftangriffe seien auch möglich, wenn die Kämpfer gegen die ins Sindschar-Gebirge geflüchteten Yeziden vorgingen. Es werde sich aber um „gezielte Operationen“ handeln. Er nannte keine Einzelheiten, fügte aber ausdrücklich hinzu: „Als Oberkommandierender der Streitkräfte werde ich es nicht zulassen, dass die Vereinigten Staaten in einen weiteren Krieg im Irak gezogen werden.“

Die Lage im Nordirak spitzte sich am Freitag weiter zu. Kurdische Peschmerga-Truppen und Extremisten der IS kämpften nach Angaben lokaler Medien an mehreren Fronten westlich des Sindschar-Gebirges. Die Peschmerga versuchten demnach, einen Fluchtkorridor für die in dem Gebirgsmassiv eingeschlossene religiöse Minderheit der Jesiden zu erkämpfen.

Nach Angaben der kurdischen Nachrichtenseite Rudaw sind rund 50.000 Yeziden seit mehreren Tagen in dem Gebirge eingeschlossen. Mindestens 70 Menschen seien bereits an Unterversorgung gestorben. Viele würden sich inzwischen von Blättern ernähren, berichten Augenzeugen auf Rudaw. Hilfsgüter hätten die Flüchtlinge bis zum Donnerstag nicht erreicht.

Die kurdische Minderheit der Yeziden war Anfang der Woche aus der Ninive-Ebene rund um Mossul geflohen, nachdem IS-Milizen Angriffe auf ihre Dörfer gestartet hatten. Viele hatten sich die Berge gerettet. Nach UN-Angaben sind rund 200.000 Yeziden auf der Flucht. Die sunnitischen Extremisten betrachten die Jesiden als „Teufelsanbeter“.

Auch christliche Orte im Nordirak wurden in den vergangenen Tagen von IS-Milizen bedroht. Hunderttausend Menschen flohen nach Angaben des Patriarchen der chaldäisch-katholischen Kirche, Louis Raphael I. Sako, am Donnerstag zum Teil zu Fuß aus ihren Heimatdörfern.

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Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sagte in Berlin: „Die Ermordung, systematische Vertreibung oder Zwangskonversion von Christen, Yeziden und Angehörigen anderer Minderheiten durch die ISIS-Terroristen im Irak sind eine neue Dimension des Schreckens.“ Diese „abscheulichen Verbrechen“ verurteile er auf das Schärfste.

Rudaw berichtete, die Stadt Sindschar südlich des Gebirgsmassivs sei in den Händen der IS-Extremisten. Vor Ort habe es mehrere Exekutionen von Jesiden gegeben. Anhänger des Islamischen Staates verbreiten im Internet Bilder geköpfter Menschen. Die irakischen Nachrichtenseite Sumaria News bestätigte, dass die IS-Truppen Sindschar sowie die irakisch-syrische Grenzstadt Rabia im Norden unter Kontrolle hätten.

Widersprüchliche Angaben gibt es über den Widerstand kurdischer Truppen. So meldet Sumaria News, die Peschmerga hätten sich kampflos zurückgezogen. Das kurdische Portal Rudaw gibt an, Peschmerga-Truppen hätten westlich des Sindschar-Gebirges einen Fluchtkorridor in Richtung syrischer Grenze für die Jesiden eingerichtet.

In der Hauptstadt Bagdad dauerte indes der Streit um das Amt des Regierungschefs an. Wie Sumaria News meldete, soll das Parlament erst am Sonntag wieder zusammenkommen, um über die Wahl des Ministerpräsidenten zu beraten. Die Frist, binnen derer Präsident Fuad Massum einen Regierungschef hätte küren müssen, endete eigentlich Donnerstag.