
Ist das nun das Ende des sechsjährigen Börsenaufschwungs? 800 Punkte oder acht Prozent hat der Dax seit seinem Höchststand Anfang Juli verloren. Die Sorgen wachsen.
Wirklich überraschend kam der Rücksetzer vergangene Woche nicht. Angesichts des hohen Kursniveaus werden die Anleger aber schnell nervös, wenn sich negative Nachrichten häufen. Und die gab es zuletzt reichlich:
Ukraine-, Gaza- und Irak-Konflikt belasten schon länger. Jetzt kamen auch noch die Argentinien-Pleite, Wirtschaftssanktionen gegen Russland und schlechte Quartalszahlen einzelner Unternehmen hinzu. Positives gab es hingegen kaum. Selbst das hohe Wirtschaftswachstum in den Vereinigten Staaten im zweiten Quartal wurde negativ gedeutet. Denn nun steigt die Gefahr, dass die amerikanische Notenbank Fed schneller als gedacht die Zinsen erhöht.
Sind nun weitere Kursverluste in den kommenden Wochen wahrscheinlich? Das kann durchaus sein. Aber entscheidender ist der Blick über die Woche hinaus. Verschlechtern sich gerade die Rahmenbedingungen grundlegend? Hier sollte man nicht zu pessimistisch sein:
Argentinien und Gaza treffen deutsche Unternehmen nicht, der Krieg im Irak wird erst dann problematisch, wenn alle Ölquellen ausfallen, was derzeit nicht absehbar ist. Selbst steigende Zinsen in Amerika haben ihren Schrecken verloren. Die Fed reduziert seit Monaten die Anleihekäufe, der Markt hat das akzeptiert. Auch die erste Zinserhöhung auf dann vielleicht mickrige 0,5 Prozent wird ihn nicht hart treffen, wenn die gute Wirtschaftslage sich weiter bestätigt.
Gravierender zumindest für einzelne Unternehmen sind schon die Sanktionen gegen Russland, etwa für Adidas oder Metro. Sie haben im Osten einen großen Markt. Aber dafür entwickeln sich andere wichtigere Exportmärkte wie die Vereinigten Staaten oder China wieder besser. Das sollte vielen Dax-Firmen helfen. Nur muss sich das im zweiten Halbjahr auch in den Unternehmenszahlen zeigen. Das heißt: Es gibt derzeit mehr Grund, die gefallenen Kurse zum Einstieg zu nutzen, als jetzt massiv Aktien zu verkaufen. Aber auf ein großartiges Börsenjahr 2014 sollte man auch nicht hoffen.
