Klima

Klimaticker Juli: Champagnerlaune und Rinderfürze

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Was macht eigentlich die Apokalypse? Unser Glossenticker mit ernsten Nachrichten zum Klimawandel und ihren (weniger ernsten) Pointen. Ein Update zum neuen Hitzerekord auf Grönland, dem Zwei-Grad-Ziel der Klimapolitik und unterschätzten Methan-Emissionen

+++ 11. Juli. Auf Grönland sind in den vergangenen Tagen Temperaturhöchstwerte um 20 Grad gemessen worden. Die Wetterstation in Narssarssuaq im Süden Grönlands habe am 7. Juli sogar den neuen Tagesrekord von 22 Grad vermeldet, teilte das Institut für Wetter- und Klimakommunikation in Hamburg mit. Im Süden Deutschlands sei es zeitgleich nur zwölf Grad warm gewesen. Die ungewöhnlich hohen Temperaturen, die Forscher auf den Klimawandel zurückführen, beschleunigen das Schmelzen der grönländischen Gletscher vor allem in Höhen bis 2000 Metern. Schon im Juni sorgten hohe Temperaturen in Grönland für eine deutlich überdurchschnittliche Schmelze der Schnee- und Gletschermassen. Auch in den kommenden Tagen würden die Temperaturen vor allem an den südlichen und westlichen Küstenabschnitten Grönlands immer wieder auf Werte um 15 Grad, teilweise bis 20 Grad steigen, hieß es. Sogar auf Spitzbergen, nur tausend Kilometer vom Nordpol entfernt, wurden in dieser Woche Temperaturen von 12 Grad gemessen. Das ist lebensgefährlich. Die Leute trauen sich nur noch Oberkörper frei ins Freie, nichts fürchtet man mehr als den Hitzetod. Kinder dürfen keine Strickpullover mehr tragen, das Frischwasser wird rationiert. In den Fjorden herrscht Badeverbot, weil man Quallenplagen und noch in diesem Sommer mit der Einwanderung der Portugiesischen Galeere in rauen Mengen rechnet. +++

rueckblick pol 1112 Cancun Klimagipfel-Kunst, hier in Cancun.

+++ 9. Juli. Das offizielle Zwei-Grad-Ziel der Klimapolitik ist unter realistischen Annahmen nicht mehr zu erreichen. Jedenfalls nicht, wenn die Berechnungen des Weltklimarates IPCC stimmen. Das hat die Expertengruppe „Point Carbon“ von Thomson Reuters ermittelt. Ausgangspunkt waren die Vorgaben das IPCC, dass, um eine Erwärmung von zwei Grad nicht zu überschreiten, maximal noch 1650 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in die Erdatmosphäre gelangen dürfen. Selbst wenn alle großen Emittenten Nordamerikas und China sich auf eine Verringerung der Emissionen um 40 Grad bis zum Jahr 2030 (verglichen mit den Emissionen von 1990) verständigten – womit das ambitionierte EU-Ziel quasi Weltstandard würde – wäre das Budget von 1650 Milliarden spätestens im Jahr 2048 ausgeschöpft. Ohne Zusagen Chinas schon zwei Jahre vorher, im Jahr 2046. Und wenn alle so weiter machen wie bisher, ist das Zwei-Grad-Ziel bereits 2037 passé. Frank Melum, Kohlenstoff-Marktanalyst von Point Carbon hält das Ziel nur für erreichbar, wenn die EU-Ziele – die heute das Maximum an Klimaschutzambitionen darstellen – um 50 Prozent erweitert und von allen emissionsstarken Vertragsstaaten mitgetragen würden. Melum: „Solche freiwilligen Verpflichtungserklärungen liegen für den entscheidenden Klimagipfel in Paris 2015 aber nicht einmal annähernd auf dem Tisch.“ Damit ist der Weg frei für die von der Mehrheit der Klimadiplomaten gewünschte mehrtägige Kreuzfahrt auf der Seine. Statt in stickigen Konferenzräumen zu überdauern, sollen die Klimaschützer jetzt endlich einmal Paris bei Nacht unter freiem Himmel erleben dürfen. Nach 20 drögen Vertragsstaatenkonferenzen in der Provinz könnten auf der Cop21 zum ersten Mal die Korken knallen lassen. Champagner für alle, vive la Cenvention climatique. +++

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Industrielle Tierhaltung, Rinder Rindvieh macht Mist und bläst Methan in die Luft.

+++ 7. Juli. Amerikas Rindviecher pusten offenbar mehr Methan in die Luft als die gesamte heimische Öl- und Gasindustrie. Das Spurengas, das zwar deutlich kurzlebiger ist als Kohlendioxid, dafür aber zwanzig Mal so effektiv die Wärme in der Atmosphäre absorbiert, wird einer neuen Studie zufolge als Treibhausgas unterschätzt. Die offiziellen, mit Industriedaten gefütterten Register geben das wahre Ausmaß der Methan-Emissionen nicht wieder. Das glauben jedenfalls Kevin Wecht von der Harvard University und seine Kollegen von der University of Colorado in Boulder, die Satellitendaten mit Werten aus der flugzeuggestützten Erderkundung und den Angaben in den nationalen Emissionsregistern verglichen haben. Das entsprechende Satellitenmessgerät „Sciamachy“ hat bis zum Jahr 2004 die Gasgehalte in unterschiedlichen Lufthöhen spektrometrisch ermittelt. Es gibt nach Überzeugung der Wissenschaftler die zuverlässigsten Emissionsdaten mit einer räumlichen Auflösung von unter 100 Kilometern wieder. Die nationalen Methan-Emissionen waren im Jahr 2004 demnach rund 40 Prozent höher als in den Industrieregistern veranschlagt. Für die Landwirtschaft hat man eine jährliche Emission von 13 Millionen Tonnen ermittelt, knapp neun Millionen Tonnen kommen allein von den großen Rinderfarmen. Für die Ausgasungen der Öl- und Gasindustrie hat man rund sieben Millionen Tonnen jährlich errechnet. Wie die Forscher im „Journal of Geophysical Research: Atmosphere“ schreiben, dürfte das Verhältnis auch zehn Jahre nach diesen Messungen ähnlich geblieben sein. „Lediglich das Fracking dürfte heute einen größeren Anteil an den Methan-Emissionen haben“, kommentiert das Team in einer studienbegleitenden Pressmitteilung. Ungeklärt ist, wie viele Rindviecher es heute in den Vereinigten Staaten tatsächlich gibt, und welche Auswirkungen die Rinderrasse auf die Methan-Ausgasungen hat. Deshalb werden jetzt landesweit ausgewählte Rinder rund um die Uhr per Satellit überwacht, als Kontrollgruppe dienen übergewichtige Politiker und Straftäter, von denen man annimmt, dass sie kein Methan emittieren, von denen man aber sicher sein kann, dass sie lückenlos überwacht werden. +++