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WM begeistert Tausende: Klinsmanns Fußball-Fieber steckt Amerika an

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Die Vereinigten Staaten schütteln ihren Ruf als Fußball-Entwicklungsland ab – das zeigen nicht nur die Traumquoten bei der WM. Auch außerhalb von Weltmeisterschaften wird das Interesse an Fußball immer größer.

Die Vereinigten Staaten gelten als Land der Fußball-Verschmäher und -Ignoranten. Diesen Ruf abzuschütteln, ist nicht leicht für ein Volk, das darauf besteht, Fußball „Soccer“ zu nennen – und dafür den Begriff „Football“ für eine Sportart reserviert, in der der Ball vor allem mit Händen statt mit Füßen fortbewegt wird. Die „Großen Drei“ unter den amerikanischen Sportarten sind nach landläufiger Meinung Football, Baseball und Basketball, und dahinter kommt erst einmal ganz lange nichts. Oft wurde schon der bevorstehende Durchbruch von Fußball beschworen, etwa als die Weltmeisterschaft 1994 in den Vereinigten Staaten stattfand. Trotzdem blieb Fußball weiter im Schatten der etablierten anderen Sportarten.

Die laufende WM aber gibt Anlass zur Hoffnung, dass Fußball im Land des nächsten Gegners der deutschen Nationalmannschaft nun doch einen größeren Schub erleben könnte. Spiele des amerikanischen Teams erreichten Traum-Einschaltquoten, die sich mit Großereignissen der vermeintlich populäreren Sportarten messen konnten, und immer mehr Menschen versammeln sich zum „Public Viewing“.

Soccer Fans Gather To Watch US&#39-s First World Cup Match Against Ghana Auch die amerikanischen Fans wissen: Der Ball ist rund.

In New York scheint es diesmal kaum noch eine Kneipe zu geben, die keine WM-Spiele zeigt, in Chicago kamen am Sonntag 20.000 Menschen in den Grant Park, um das Spiel der Vereinigten Staaten gegen Portugal anzusehen. Der Sportsender ESPN meldete, dass die Partie das meistgesehene Fußballspiel aller Zeiten in Amerika war. Das Spiel hatte auf ESPN und dem spanischsprachigen Sender Univision zusammen fast 25 Millionen Zuschauer. Es zog damit ein größeres Publikum an als die jüngsten Finalspiele der amerikanischen Baseball- und Basketball-Ligen, die jeweils bei deutlich unter 20 Millionen Zuschauern lagen. Es ist freilich noch immer kein Vergleich zum Football-Finale Super Bowl, dem Sportereignis des Jahres in den Vereinigten Staaten, das im Februar auf mehr als 110 Millionen Zuschauer kam.

Immer mehr Interesse an ausländischem Fußball

Abgesehen vom unerreichbar erscheinenden Nationalsport Football kann Fußball mittlerweile auch außerhalb von Weltmeisterschaften Punkte gegen andere Sportarten machen. Die Fußball-Liga „Major League Soccer“ (MLS) bringt es heute auf solide Besucherzahlen in den Stadien. In der jüngsten Saison kamen im Schnitt knapp 19.000 Zuschauer zu den Spielen, mehr als etwa zu den Spielen der Basketball-Liga NBA. Die Begeisterung für die lokalen Fußball-Teams übersetzt sich aber noch nicht in ein großes landesweites Interesse an der Liga. So hatte das MLS-Finale im vergangenen Dezember klägliche 500.000 Fernsehzuschauer. Fernsehsender zahlen außerdem bis heute für die Übertragungsrechte an MLS-Spielen nicht annähernd so viel Geld wie für Partien in den Basketball-, Baseball- und Football-Ligen.

Dafür haben die Fernsehsender immer mehr Interesse an ausländischem Fußball. Spiele der Champions League werden in den Vereinigten Staaten schon seit einiger Zeit live ausgestrahlt. Der Fernsehsender NBC zeigt seit kurzem auf seinem Sportkanal Spiele der englischen Premier League. Die Sendergruppe Fox wird von 2015 an Spiele der Bundesliga übertragen, die bislang nur auf dem in wenigen Haushalten verfügbaren Sender GolTV zu sehen sind.

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Der deutsche Fußballmeister Bayern München sieht jedenfalls viel Potential in den Vereinigten Staaten. Vor wenigen Monaten hat der Verein in New York ein eigenes Büro eröffnet, es ist seine erste Niederlassung im Ausland, eine zweite soll im kommenden Jahr in China folgen. Die Bayern hoffen, damit ihre Vermarktung in Amerika voranzutreiben und neue Sponsoren zu finden. Im Juli kommt das Team sogar selbst für zwei Fußballspiele nach Amerika, davon eines in der Nähe von New York und eines in Portland. Offenbar ist die Amerika-Offensive den Münchnern also wichtig genug, um dafür einen Teil ihrer Sommerpause zu opfern.