
Wer seinen Kopfhörer liebt, versorgt ihn mit angemessener Lebensenergie. So sehen es jedenfalls Hersteller wie Beyerdynamic. A2 heißt ihr neuer High-End-Kopfhörerverstärker.
Wer seinen Kopfhörer liebt, versorgt ihn mit angemessener Lebensenergie. So sehen es jedenfalls Hersteller wie Beyerdynamic: Die Heilbronner Manufaktur baut seit Jahr und Tag Spezialverstärker, die nichts anderes tun sollen, als dem Kopfhörer feinste elektrische Nahrung zuzuführen. Jetzt legen die Schwaben ein neues Modell auf: Es heißt A2, soll alle bisherige Konfektion in den Schatten stellen und signalisiert dies auch mit seinem Preis: Unbescheidene 1490 Euro verlangt der Händler. Das lässt aufhorchen – und vergleichen: Andere Anbieter halten in diesen Preishöhen Kopfhörer-Verstärker bereit, die obendrein noch einen Digital-Analog-Wandler an Bord haben. Beyerdynamic verzichtet darauf bewusst: Ein kompromissloser Analogbaustein war zunächst das Ziel der Entwicklung.
Die Anmutung des Geräts hält mit dem hehren Anspruch Schritt. Die Elektronik steckt in einem soliden Aluminiumgehäuse mit einer gläsernen, von innen gegen Einstrahlungen metallbedampften Deckplatte. Sie lässt einen Durchblick in Form des Markensignets offen, und was man durch das Guckfenster von der Platine sieht, überzeugt: Die gesamte Schaltung besteht aus separaten, sorgsam auf einer weißen Platine angeordneten Bauteilen, integrierte Operationsverstärker sucht man vergebens. Ein visueller Gag: Leuchtdioden, die funktionelle Aufgaben in den Regelkreisen des Verstärkers haben, senden nach dem Einschalten allmählich anschwellendes rötliches Licht durch das Glasfenster, ganz so, als würden im Inneren Verstärkerröhren zu ihrem glimmenden Werk hochfahren.
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Der A2 kann zwei Kopfhörer über Klinkenbuchsen auf der Vorderseite speisen. Auf der Rückseite gibt es zwei Paar Cinchbuchsen für die Eingangssignale, ein weiteres Cinch-Paar dient als Hochpegelausgang, zum Beispiel für Aktivboxen. Das Umschalten zwischen den Eingängen erledigt die elegante Aluminium-Fernbedienung. Sie kann auch die Lautstärke regeln – nicht etwa über integrierte Schaltungen, sondern über einen Elektromotor am analogen Potentiometer. Unscheinbar, aber wichtig: An der Unterseite des Geräts gibt es noch zwei Schalter. Einer davon passt den Verstärkungsfaktor an die Empfindlichkeit des Hörers an, der andere wählt zwischen null und 100 Ohm Ausgangsimpedanz, um der Impedanz des Hörers möglichst gerecht zu werden.
Wir haben dem anspruchsvollen Konstrukt mit zwei erstklassigen Hörern des Hauses gelauscht – dem halboffenen Marken-Flaggschiff T1 und dem offenen T 90. Noch nie haben wir die feinen Unterschiede der beiden Modelle deutlicher gehört: den eher auf Präzision gezüchteten, ungemein analytischen Klang des T1 auf der einen und das luftigere, gelegentlich fast lässigere Klangbild des T 90 auf der anderen Seite. Noch nie haben wir aber auch so deutlich gehört, was ein überragender Kopfhörer-Verstärker den Ausgängen von Konfektionsgeräten voraushat: die wesentlich detailliertere Abbildung, die genauere Definition des Raums, die lebendigere Spielfreude, die größere Klarheit der Bässe. Kurzum: Der A2 wird seinem Anspruch wirklich gerecht. Ob seine Anschaffung vernünftig ist, muss natürlich auch die kritische Würdigung des Kontostands entscheiden.
