
Lautsprecher, Verstärker, Plattenspieler oder Digitalwandler versetzen jeden Mann in schöne Schwingungen. Warum nur Frauen nicht? Ein Erfahrungsbericht.
Meine Frau lässt das kalt. Dabei steht gerade die Ovation ML8 von AVM vor ihr, die CDs abspielen, konvertieren und die Dateien verwalten kann, um sie als Server in mehrere Zimmer zu streamen. Und das alles für gerade mal 12.000 Euro! Obwohl ich meiner Frau wöchentlich meine neuen Lustobjekte zeige, antwortet sie einfach nur emotionslos: „Gefällt mir nicht.“
Bei der Ardora von Audiograde, die trotz ihres Gewichts wegen der sanften Wellenform des Lautsprechergehäuses leichtfüßig wirkt, dürfte meine Frau sogar aus mehr als 200 Farben wählen. Auf Verstärker, Plattenspieler oder Digitalwandler muss sie nicht mal eifersüchtig sein. Aber warum bekommen Frauen so selten strahlende Augen beim Anblick dieser Geräte? Beginnt High-End immer erst in den Tiefen der Männerwelt?
Ich freue mich jedes Mal aufs neue, wenn ich mit den frisch gelieferten Testprodukten lange in meinem Büro verschwinden kann. Immer das gleiche Ritual: auspacken, anschauen, anfassen, streicheln, drücken. Was gibt es Schöneres als einen glatten Kippschalter, den man zart mit Daumen und Zeigefinger bewegt, bis das betörende Klack ertönt? Als mit dem Handrücken an halbmatten Aluminiumfronten entlangzufahren, die anziehende Kälte des Materials zu spüren, die sich angenehm paart mit der rauhen Glätte des gebürsteten Metalls? Und gibt es Reizenderes, als wenn sich zarte Ledermuscheln eines magnetostatischen Kopfhörers um das Ohr schmiegen oder analoge Pegelzeiger eines Verstärkers synchron im Takt tanzen?
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Zugegeben: Auch viele Dilettanten legen an Audio-Geräte Hand an. Die Techniker machen bei kleinen Firmen das Design oft nebenbei mit. Ein missratener Schriftzug kann die ganze Erscheinung zerstören. Häufig stimmen die Proportionen von Schaltern, Anzeigen, Knöpfen, und Materialflächen nicht. Mitunter verbauen die Hersteller winzige LED-Lämpchen, die dennoch das gesamte Wohnzimmer mit Licht fluten. Oder würfeln sie so bunt zusammen, dass mein kleiner Sohn glaubt, es seien Smarties. Ein ganz schlimmer Trend entwickelt sich gerade bei den Netzwerkspielern. Weil diese Geräte viel Musik speichern und streamen, zeigt ein buntes Display die Titel und die Cover an. Der Bildschirm erinnert an frühe Handys und steht in hässlichem Kontrast zum Äußeren. Solche Produkte zeige ich meiner Frau besser erst gar nicht.
Design ist mehr als Sein
Doch die Produkte auf dieser Seite bewerben sich um einen Platz im Wohnzimmer. Design ist hier mehr als Sein: Die äußere Gestalt schenkt den akustischen Elektrogeräten eine Zweit-Existenz als Designobjekt. Wie in allen anderen ästhetischen Gattungen gibt es dabei mehrere Qualitätsstufen. Einige Produkte befolgen ganz einfach ästhetische Grundregeln.
Wer audiophil ist, CDs sammelt und dennoch modern sein will, sollte sich die Ovation ML8.2 von AVM (etwa 12.000 Euro) anhören. Die „Music Library“ spielt CDs ab, konvertiert sie in Dateien und streamt diese injedes Zimmer.
Minimalistisches Design ist, wie die Ovation ML8 von AVM zeigt, nie verkehrt. Die homogene Oberfläche der quaderförmigen „Music Library“, letztlich eines CD-Netzwerkspielers mit Serverfunktionalität, wird nur an der Front aufgegeben. Die Reduktion ist radikal. Es gibt nur einen Knopf, um das Gerät einzuschalten, und einen, um die CD wieder auszuwerfen, dazwischen einen Schlitz, in den sie eingeführt wird. Die Wörter „Power“, „Eject“ und „AVM“ könnten eigentlich auch noch weg. Die Funktionen übernimmt eine App auf dem iPhone, mit der man das Gerät steuert. AVM-Geschäftsführer Udo Besser hat den ML8 selbst entworfen. Die Entwicklungsphase sei ein „heißer Ritt“ gewesen, sagt er, weil man nicht wusste, wie das minimalistische Design bei den Kunden ankommt. Es kommt gut an.
Der Wadia Intuition 01 verbindet das Digitale mit der Passivbox. Fast alleQuellgeräte lassen sich an den Verstärker (7800 Euro) anschließen. Lautsprecher freuen sich auf die aufwendig aufbereiteten Signale.
Ähnlich konsequent geht Wadia bei seinem digitalen Verstärker Intuition 01 vor. Verantwortlich für die Form ist der italienische Designer Livio Cucuzza, der auch die Lautsprecher von Sonus Faber formt. Der Intuition hat noch stärkeren skulpturalen Charakter als der ML8, allein die LED-Anzeige gibt einen Hinweis auf die Funktion. Cucuzza sieht ihn als Kunstwerk: „Vorbild waren die Dünen. Ich stellte mir vor, dass das Gehäuse entsteht, wie wenn Wind Wüstensand formt.“ Kein Wunder, dass viele, denen ich das Gerät begeistert zeige, fragen: Was ist das denn?
