
Am amerikanischen Immobilienmarkt zeichnen sich kritische Entwicklungen ab. Auch der Investor Warren Buffett hat mit einem kräftigeren Aufschwung gerechnet.
Die Erholung im amerikanischen Häusermarkt hat sich abgekühlt. Zwar steigen die Häuserpreise in den großen Ballungszentren weiter, aber nicht mehr so stark wie im vergangenen Jahr. Gemessen am vielbeachteten S&-P/Case-Shiller-Häuserpreisindex sind die Preise für Einfamilienhäuser in den 20 größten Ballungsräumen der Vereinigten Staaten im März gegenüber dem Vorjahr um 12,4 Prozent geklettert. Gegenüber dem Vormonat legten die Preise um insgesamt 0,9 Prozent zu. Nur in New York schwächten sich die Preise gegenüber dem Februar leicht ab.
„Die Veränderungen im Jahresvergleich deuten darauf hin, dass die Preise langsamer steigen“, sagte David Blitzer, der Vorsitzende des Indexausschusses von S&-P Dow Jones Indices am Dienstag. Der Preisanstieg habe sich in den vergangenen vier Monaten verlangsamt. Das gilt nach seinen Angaben besonders für Regionen, in denen der Preisverfall während der jüngsten Finanzkrise und die darauf folgende Erholung besonders stark ausgeprägt waren. Als Beispiele führte Blitzer die Regionen Las Vegas, Los Angeles, Phoenix und San Francisco im Westen der Vereinigten Staaten an.
Zentrale Bedeutung für die amerikanische Konjunktur
Der Häusermarkt, der im Zentrum der Finanzkrise gestanden hatte, spielt eine wichtige Rolle für die amerikanische Konjunktur. Da traditionell viele Amerikaner in den eigenen vier Wänden wohnen, trägt die Entwicklung der Häuserpreise stark zum Vermögensaufbau bei und bestimmt das Konsumverhalten. Die Vorsitzende der amerikanischen Notenbank, Janet Yellen, hatte sich kürzlich vor dem Kongress zwar allgemein zuversichtlich zum Wirtschaftswachstum geäußert, aber mit Blick auf den Häusermarkt zur Vorsicht gemahnt. Sie bezeichnete die bisherigen Daten in diesem Jahr als „enttäuschend“.
Auch der einflussreiche Investor Warren Buffett macht sich Sorgen um die Stabilität des Häusermarktes. „Der Häusermarkt ist noch nicht sehr stark. Das überrascht mich“, sagte Buffett Anfang Mai am Rande der Hauptversammlung seines Konglomerats Berkshire Hathaway. Die Erholung gehe langsamer voran, als er erwartet habe. Einige der mehr als 80 Tochtergesellschaften von Berkshire wie der Baumaterialhersteller Acme Brick hängen direkt vom Häusermarkt ab.
Nach den jüngsten Konjunkturdaten schien die Lage aber nicht ganz so prekär zu sein, wie es noch Anfang Mai aussah. Am vergangenen Freitag gab das amerikanische Wirtschaftsministerium bekannt, dass die Verkäufe neuer Einfamilienhäuser im April überraschend stark um 6,4 Prozent auf eine Jahresrate von 433000 Einheiten gestiegen waren. Im Februar und März waren die Verkäufe noch zurückgegangen, was wahrscheinlich auch mit dem extrem langen und harten Winter zu tun hatte. Auch die Verkaufszahlen bereits existierender Häuser waren im April leicht gestiegen – der erste Monat mit einem Plus in diesem Jahr. Als weiterer Hoffnungsschimmer gelten die zuletzt wieder etwas gefallenen Hypothekenzinsen. Mit einem Zinssatz von 4,14 Prozent für ein traditionelles Darlehen mit einer Laufzeit von 30 Jahren befinden sich die Hypotheken auf dem niedrigsten Niveau seit sieben Monaten. Notenbanker haben allerdings darauf hingewiesen, dass es für Kaufinteressenten immer noch schwierig ist, eine Hypothek von einer Bank zu bekommen. Indexfachmann Blitzer will daher noch keine Entwarnung gegen. Sein Fazit: „Die Indikatoren für den Häusermarkt bleiben gemischt.“
