
Der Dax hat zwei neue Zugpferde: Die hochverschuldeten Energieunternehmen Eon und RWE treiben den Index in die Nähe seines Allzeithochs. Was steckt hinter dem positiven Schwung der Versorgeraktien?
Plötzlich hat der Dax zwei neue Zugpferde. Die beiden Energieversorger Eon und RWE, deren Kurse arg gebeutelt sind von der Energiewende, geben dem Dax gerade ungewöhnlichen Antrieb. Ihre Aktienkurse legten in dieser Woche um 7 und 9 Prozent zu, trieben den Dax damit auf mehr als 9.750 Punkte und in die Nähe seines Allzeithochs von 9.810 Punkten. Was steckt hinter dem neuen positiven Schwung der Versorgeraktien?
Eon und RWE sind hochverschuldet, haben sich in den vergangenen zehn Jahren mit dem Bau von Kohle- und Gaskraftwerken übernommen. Jetzt können sie ihre Schulden kaum tilgen, auch weil seit der Energiewende Strom aus regenerativen Quellen vorgezogen wird. Nicht zufällig legte die Aktie des Windkraftanlagenherstellers Nordex in dieser Woche ähnlich kräftig zu wie Eon und RWE. Letztere wirken wie Dinosaurier.
Quasi systemrelevant
Im längerfristigen Kursvergleich trennen Eon und RWE auf der einen und Nordex auf der anderen Seite Welten. Seit Mai 2011 freuen sich die Aktionäre von Nordex über 130 Prozent Kursgewinn, die von Eon und RWE dagegen beklagen 30 Prozent Kursverlust. Eon und RWE haben für ihre Atomkraftwerke 36 Milliarden Euro zurück gestellt. Angesichts ihres starken Gewinnverfalls besteht die Gefahr, dass ihre Atom-Rückstellungen für andere Zwecke angegriffen werden. Deshalb kursieren Vorschläge, die Rückstellungen mit den Kraftwerken in eine Stiftung auszulagern. Börsianer sprechen von einer Bad Bank der Versorger.
Gewinner und Verlierer der Börsenwoche
Tatsächlich gibt es Parallelen zwischen Banken und Energieversorgern. Große und miteinander verwobene Banken gelten als systemrelevant. „Too big to fail“, sagen Amerikaner dazu und meinen: Zu groß, als dass man diese Banken untergehen lassen dürfe. Notfalls müsse sie der Staat retten, weil sie beim Sturz in den Abgrund zu viel mit reißen. Spätestens seit die SPD nicht nur in Düsseldorf, sondern auch in Berlin wieder (mit-)regiert, gelten auch die Versorger Eon und RWE mit ihren vielen Beschäftigten im Ruhrgebiet als quasi systemrelevant.
„Too big to jail“ gilt immer weniger
Zumal nordrhein-westfälischen Kommunen 25 Prozent von RWE gehört. Damit ähnelt RWE etwas der Westdeutschen Landesbank, die nach vielen Schieflagen erst im Jahr 2011 von der EU-Kommission in Brüssel in die Knie gezwungen wurde. Heute werden Banken fast überall hart angegangen. „Too big to fail“ gilt weiterhin, aber „too big to jail“ („zu groß, um inhaftiert oder strafrechtlich verfolgt zu werden“) immer weniger. Vor allem die Amerikaner greifen durch.
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Die zweitgrößte Schweizer Bank Credit Suisse musste jetzt 2,8 Milliarden Dollar Strafe zahlen und eingestehen, Kunden bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Ohne dieses Schuldeingeständnis wäre ihr die Lizenz entzogen worden. Die Deutsche Bank ist, wie der Vorstand auf der Hauptversammlung zugeben musste, in „etwa 1.000“ juristische Auseinandersetzungen mit einem Streitwert von jeweils mehr als 100.000 Euro verwickelt. Hinzu kämen 180 aufsichtsrechtliche Untersuchungen.
Auch wegen dieser Verfehlungen meist von Investmentbankern hat die Deutsche Bank eine Kapitalerhöhung um 8 Milliarden Euro angekündigt. Erstmals seit April 2013 rutschte der Kurs ihrer Aktie auf weniger als 30 Euro und war damit ein Bremsklotz für den Dax. Dabei ist unter den neuen Geldgebern auch ein Scheich aus Qatar ist. Staatshilfe für die Deutsche Bank? Eher bekommen RWE und Eon einen staatlichen Zuschuss für ihre Atom-Bad-Bank, hofft die Börse.
