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Mobilplayer HiFiMan HM-901 im Test

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Es ist nicht das erste Gerät dieser Art, aber dafür das ungewöhnlichste. Beim Mobilplayer HiFiMan HM-901 lassen sich Verstärkermodule austauschen und Kopfhörern anpassen.

Es ist nicht das erste Gerät dieser Art, aber dafür das ungewöhnlichste. Der „High-Resolution Digital Music Player“ von HiFiMan sieht aus wie die eigenwillige und düstere Interpretation eines allerersten iPod. Die Lederoptik am oberen Rand, das anachronistische Scrollrad, die mattschwarze Oberfläche, das fehlende Touchdisplay und die üppigen Maße haben nichts mit dem Design moderner Gadgets zu tun. Doch gerade deshalb fällt der HiFiMan HM-901 auf.

Unter seiner gewöhnungsbedürftigen Oberfläche steckt allerdings modernste, hochwertigste Technik. Die Verstärkermodule lassen sich bei Bedarf sogar austauschen und somit den Ansprüchen des Kopfhörers anpassen. Dies ist das Alleinstellungsmerkmal des HiFiMan HM-901, das ihn von seinen Konkurrenten wie dem Astell&amp-Kern AK240, Fiio X5, iBasso DX50 und Sony NWZ-ZX1 unterscheidet. Mitgeliefert wird ein Standardmodul, das sich für Kopfhörer mit 32 Ohm Impedanz eignet. Diese sieht man an mobilen Playern am häufigsten. Hinzukaufen kann man weitere Steckkarten: die „Balance“, um entsprechende Kopfhörer symmetrisch zu betreiben- die „Mini-Box“, um anspruchsvolle hochohmige Modelle zu bespielen, und die „IEM“ für In-Ear-Hörer.

Auch beim wichtigsten Bauteil solcher mobilen Spieler, dem Wandlerchip, hat HiFiMan in die Vollen gegriffen. Zwei Sabre ESS 9018 sorgen dafür, dass die digitalen in analoge Signale bis zu einer Abtastfrequenz von 192 Kilohertz und 24 Bit Worttiefe bestmöglichst gewandelt werden. Solche Wandlerchips findet man normalerweise auf Platinen von teuren stationären Digital-Analog-Wandlern (DAC). Sie gelten momentan als die besten Chips auf dem Markt. Da gleich zwei Sabre ESS 9018 eingesetzt werden, lassen sich mit dem HiFiMan auch Kopfhörer perfekt symmetrisch betreiben. Der HM-901 kann nahezu jedes Format abspielen, darunter sind etwa Aiff, AAC, MP3, Wav, Flac, Alac oder DST. Die für unseren Test mit verschiedenen Formaten vollgepackte Micro-SD-Karte spielte der HiFiMan problemlos ab. Die Karten können bis zu zwei Terabyte groß sein, der Hersteller empfiehlt 256 Gigabyte im schnellen SDXC-Format. Befüllen lässt sich die SD-Karte mit dem Rechner, indem man Spieler und Computer per USB verbindet.

Der Potentiometer ist stabil und hinreichend genau Bilderstrecke

Die Software übernimmt die Verwaltung der überspielten Dateien. Sie sortiert nach Favoriten, Künstler, Album, Genre und Titel. Ebenso wird die Auflösung der Lieder angezeigt. In den Einstellungen finden sich die üblichen Punkte wie Wiederholfunktion, Zufallswiedergabe, Hintergrundbeleuchtung und Schlafmodus. Das Display selbst wirkt bezüglich Auflösung, Farbgebung, Schrift- und Symbolgestaltung etwas zu einfach. Hier sollte HiFiMan dringend nachbessern, bei der Konkurrenz sieht es wesentlich schicker aus. Wer die Reaktionszeiten von modernen Smartphones kennt, braucht etwas Geduld. Das Hochfahren beim Starten, der Wechsel zwischen den Menüpunkten oder das Abspielen eines Songs braucht alles etwas länger, als man es von ähnlichen mobilen Geräten gewohnt ist.

Das Zusammenspiel von Software und Scrollrad ist etwas hakelig. Dreht man es, rastet es erst immer nach 15 Grad ein. Diese mechanischen Schritte sind nicht immer kongruent mit den Sprüngen auf dem Display, so dass etwas die Feinabstimmung fehlt. Dreht man es zu schnell, bleibt es auf der Stelle stehen. Auch ist es ungewöhnlich, dass man wieder an den Anfang einer Liste springt, wenn man an ihrem Ende angelangt ist. Dafür hat HiFiMan beim Lautstärkeregler alles richtig gemacht. Es ist ein wuchtiger Potentiometer mit genügend Stufen, um den richtigen Pegel einstellen zu können. Er wirkt sehr stabil, es macht Spaß, ihn zu bedienen.

Nun zum Wichtigsten, dem Klang: Wir haben das Mini-Box-Modul an einem T90 von Beyerdynamic ausprobiert. Um den Effekt zu verstärken, haben wir zunächst die Lieder mit dem iPhone und dann zum Vergleich mit dem HM-901 angehört. Der Unterschied war gewaltig. In allen Bereichen gewann die Musik deutlich an Qualität: ob Bühne, Dynamik, Bass-Staffelung oder Auflösung. Die Lieder klingen trotz aller Genauigkeit in der Abbildung dennoch als Komposition. Das Klangniveau befindet sich auf einer Höhe mit digitalen Kopfhörerverstärkern.

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Der Preis von 999 Euro klingt erst einmal hoch für ein solches Gerät. Prinzipiell ist er das nicht, weil es mit dem Astell&amp-Kern AK240 weitaus teurere Mobilspieler für hochauflösende Musik gibt. Auch Sonys NWZ-ZX1 kostet immerhin schon 700 Euro. Des weiteren ist zu beachten, dass Geräte wie der HM-901 auch als Digital-Analog-Wandler in bestehende HiFi-Ketten integriert werden können. Mit dem beiliegenden Coax-Cinch-Kabel kann man etwa die Signale eines CD-Player abgreifen, um sie vom HiFiMan wandeln zu lassen. Diesen Einsatz übernimmt demnächst eine Docking-Station.

Dennoch wirkt der MH-901 in seiner Bedienbarkeit etwas zu behäbig. Es geht nicht immer so flink, wie es bei einem Gerät dieser Klasse gehen könnte. Das würde man für den Preis erwarten. Dafür entschädigt der Klang. Der ist faszinierend gut.