
Der Haarreif hat ein schlechtes Image, obwohl er Haare schön in Form bringt. Der mädchenhafte Kopfschmuck wird in diesem Frühling rehabilitiert. Wir zeigen die schönsten Exemplare.
Die Spritze Botox in die Stirn hat keinen besonders guten Ruf, obwohl man sich damit sofort jünger fühlen soll. Dieses Schicksal teilt sich Botox interessanterweise mit dem Haarreif: Auch er hat ein schlechtes Image, obwohl er Haare schön in Form bringt. Auch mit einem Haarreif fühlt man sich gleich um ein paar Jahrzehnte jünger, schließlich ist er vor allem ein Accessoire kleiner Mädchen, die ihn entweder tief in der Stirn tragen oder, die Haare straff nach hinten gekämmt, mitten auf dem Kopf.
Die Mode scheint sich in diesem Frühling vorgenommen zu haben, den Haarreif zu rehabilitieren. Dazu muss man sich nur mal das schwere Band von Valentino aus dunkelrotem Leder mit dicken goldenen Münzen anschauen. Bei der Schau des römischen Hauses in Paris bändigte es den Schopf jedes einzelnen Models. 72 Mal konnte man den gleichen Haarreif sehen, als wollten die Chefdesigner Maria Grazia Chiuri und Pierpaolo Picciolo sichergehen, dass ihre Botschaft auch wirklich bei den Zuschauern in den Rängen ankommt. Diese Botschaft könnte zum Beispiel lauten: „Der Haarreif ist besser als sein Ruf.“
Mit einem Accessoire zum Showgirl
Apropos Paris: Auch Marc Jacobs hielt es, nach 16 Jahren als Louis-Vuitton-Chefdesigner, in seiner letzten Schau für die Marke für angemessen, mit übergroßen Teilen im Haar Adieu zu sagen: „Für das Showmädchen in jedem von uns“, schrieb er dazu im Kollektionstext und schickte Models in Jeans und mit schwarzen Straußenfeder-Haarteilen des Londoner Hutmachers Stephen Jones raus. Und das soll man zu Jeans auf der Straße tragen?
Selbst in Paris würden sich die Leute umgucken. Für den Verkauf wurden die Federn also gestutzt- so könnte man schon auf eine Party gehen und trotzdem noch Showgirl sein. Mit der Federkrone von Prada wäre man hingegen eher eine Indianerin. Nein, nicht allen Köpfen widerstrebt der Gedanke, kostümiert loszuziehen: Die Street-Style-Stars, die zwischen New York und Paris vor den Modenschauen herumlungern, warten nur darauf, mit Krone im Haar fotografiert zu werden.
Ein Blumenkranz, der niemals welkt
Und was noch? Blumen! Anders als Federn versteht die auch das Mädchen von nebenan, das einmal im Jahr mit dem Gänseblümchenkranz vom Festival heimkehrt und davon träumt, einmal im Leben mit pompösem Blumenkranz im Haar zu heiraten. Da wären die Haarreife von Dolce &- Gabbana oder von der New Yorker Designerin Eugenia Kim ein schönes Angebot, das niemals welkt. Wer sie zur eigenen Hochzeit getragen hat, kann sie anschließend zwischen ein paar Lagen Seidenpapier verwahren und in 30 Jahren der eigenen Tochter zur Hochzeit vererben.
Es sei denn, die ist dann eher an Glitzersteinen im Haar interessiert, so wie die Schauspielerin Lupita Nyong’o, die so bei der Oscar-Verleihung im März ihre Auszeichnung als beste Nebendarstellerin entgegennahm. Sie ist 31 Jahre alt und somit das beste Beispiel dafür, dass ein Glitzerreif im Haar eben doch nicht nur etwas für kleine Mädchen ist. Andererseits: Wer sich schon zwischen Botox und dem Haarreif entscheiden muss, sollte bedenken, dass ein Reif eine faltige Stirn erst so richtig hervorhebt.
