Finanzen

Ratingprognose: 500 Milliarden Dollar für Infrastruktur-Investitionen gesucht

• Bookmarks: 19


Laut der Prognose von Standard & Poor’s sind weltweit astronomische Summen für Infrastrukturprojekte notwendig – der Investitionsbedarf sei enorm. In Deutschland könnte die Energiewende noch zum Hindernis werden.

Die Summe ist astronomisch hoch: Bis zum Jahr 2030 schätzt die Ratingagentur Standard &amp- Poor’s (S&amp-P) einen Betrag von 57 Billionen Dollar, der global zur Erneuerung von Straßen, Gleisen, Häfen bis hin zur Strom- und Wasserversorgung benötigt wird. Auf das Jahr heruntergerechnet, müssen in Infrastrukturprojekte 3,4 Billionen Dollar investiert werden. Die beiden S&amp-P-Analysten Michael Wilkins und Robin Burnett ließen in ihrem Pressegespräch am Donnerstag in Frankfurt keinen Zweifel daran, dass die Staaten diese Summen allein nicht stemmen können.

In den Vereinigten Staaten und in Europa sind die staatlichen Ausgaben für Infrastrukturprojekte seit dem Jahr 2009 von 3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) auf 2 Prozent gesunken. Die S&amp-P-Prognose einer jährlichen Finanzierungslücke von 500 Milliarden Dollar beruht auf der Annahme staatlicher Investitionen in Höhe von 3 Prozent. Diese Lücke entspreche der Marktkapitalisierung von Apple, dem derzeit wertvollsten Unternehmen der Welt, fügte Burnett hinzu. Sollte der staatliche Beitrag aber auf 2 Prozent sinken, dann klafft eine jährliche Finanzierungslücke, die größer ausfällt als der Börsenwert von Apple, Microsoft, Google, Berkshire Hathaway, General Electric und Wal-Mart zusammengenommen. Dann fehlen laut Wilkins 1,5 Billionen Dollar im Jahr.

Das Interesse von Versicherern und Investoren steigt

Die S&amp-P-Analysten sind sich bewusst, dass ihre Prognosen mit Unsicherheiten behaftet sind. Es geht ihnen aber darum, auf den enormen Investitionsbedarf hinzuweisen. Der stehe fest, und dafür müssten private Investoren gewonnen werden. Dazu seien Versicherer, Pensionsfonds und andere Vermögensverwalter auch gewillt, sagte Wilkins. Im vergangenen Jahr hätten diese über Projektanleihen 55 Milliarden Dollar und damit 16 Prozent zu den Infrastrukturfinanzierungen beigetragen. Das sei eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahr gewesen.

Doch dieser Betrag muss deutlich steigen. Sollte die jährliche Finanzierungslücke 500 Milliarden Dollar betragen, dann müssten Versicherer und andere institutionelle Investoren laut S&amp-P jährlich 200 Milliarden Dollar aufbringen. Das setzt voraus, dass die Banken weiterhin im Jahr 300 Milliarden Dollar an Krediten bereitstellen. Die S&amp-P-Analysten gehen nicht davon aus, dass die Banken durch die strengeren Kapitalanforderungen nach Basel III ihre Infrastrukturkredite einschränken werden. Deutsche Banken hätten diese nur kurzzeitig zurückgefahren. Inzwischen seien sie wieder auf dem alten Niveau, sagte Burnett.

Mehr zum Thema

Dass Versicherer die Anleihen zeichnen, dazu müssten die regulatorischen Voraussetzungen in dem neuen Regelwerk Solvency II stimmen. Ein weiteres Hindernis seien politische Risiken wie die Energiewende in Deutschland. Jedoch steigt in Deutschland das Interesse von Versicherern und anderen Investoren. So hat die Allianz schon mehr als 2 Milliarden Euro an Infrastrukturprojekten finanziert wie etwa kürzlich für eine Schnellstraße zur Verbindung der belgischen Küstenstadt Zeebrügge. Die Munich Re will über ihren Vermögensverwalter Meag in Infrastruktur 1,5 Milliarden Euro und in Erneuerbare Energie 2,5 Milliarden Euro investieren. Es gibt mit Generali Deutschland, Universal Investment oder Bayerischer Versorgungskammer weitere Beispiele.