Eurokrise

Merkel lobt „Aufbruchstimmung“ in Griechenland

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Die Kanzlerin spricht in Athen mit jungen Unternehmern und dem griechischen Ministerpräsidenten. Und erklärt, dass die Förderbank für kleine Unternehmen voran kommt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich zuversichtlich über die weitere Entwicklung Griechenlands geäußert. „Ich glaube, dass nach dem, was zu leisten war an Strukturveränderungen in Griechenland, mehr Möglichkeiten offenstehen als sich Schwierigkeiten ergeben“, sagte Merkel am Freitag in Athen.

Die Kanzlerin sprach von einer Aufbruchstimmung in dem von der Finanzkrise besonders stark betroffenen Land. Sie sicherte weitere Unterstützung aus Deutschland zu: „Wir wollen jetzt eine Förderbank gerade für kleinere Unternehmen aufgelegen“, sagte Merkel bei einem Besuch griechischer Start-up-Unternehmen.

Griechenland hatte am Donnerstag vier Jahre nach der mit internationalen Hilfen verhinderten Staatspleite erstmals eine Anleihe am Finanzmarkt plaziert und damit einen Erfolg bei Investoren verbucht. Die Bundesregierung feierte das Comeback, die Bundesbank äußerte sich indes skeptisch, dass das Land rasch wieder auf die Beine kommen wird.

Fortschritte im Tourismus

In Athen wollte sich Merkel nach Gesprächen mit Unternehmensvertretern mit Ministerpräsident Antonis Samaras treffen, der derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat. Samaras sprach vor den Start-up-Firmen von einem „neuen Griechenland“, das nicht mehr nur konsumiere, sondern auch produziere. Fortschritte bescheinigte Merkel dem Land vor allem in der Landwirtschaft und dem Tourismus. In Griechenland steckten „unglaublich viele Möglichkeiten“.

Der Aufbau einer Förderbank zur Unterstützung kleinerer Unternehmen in Griechenland war bereits 2013 vereinbart worden, die laut griechischen Haushaltsplanungen rund 500 Millionen Euro Kapital haben sollte. Deutschland steuert ebenso wie Griechenland 100 Millionen Euro bei. 200 Millionen Euro sollen aus EU-Strukturfonds und über die Europäische Investitionsbank (EIB) fließen, auch Frankreich will sich beteiligen.

Der deutsche Beitrag soll über die Förderbank KfW fließen, die zugleich das Vorbild für die angestrebte griechische „Institution for Growth“ ist. Das Förderinstitut soll günstige Kredite an kleine und mittelgroße Unternehmen vergeben und so die Wirtschaft ankurbeln.

EU-Taskforce optimistisch

Der Chef der EU-Taskforce für Griechenland, Horst Reichenbach, bezeichnete die Rückkehr des Landes an den Kapitalmarkt als „potenziellen Wendepunkt“. „Die Märkte sehen, dass es in Griechenland politische Unterstützung und Zustimmung für Reformen gibt“, sagte er „Spiegel-Online“. Die Geldgeber hätten Vertrauen gefasst und die „erheblichen Fortschritte“ Griechenlands honoriert. So habe die Regierung „die Wettbewerbsfähigkeit wieder auf das Niveau vor dem Euro-Eintritt gebracht“. Zudem sei die Konsolidierung privater Banken „so gut wie abgeschlossen“.

Der Reformeifer in Athen habe vor allem wegen des Drucks der Troika nicht nachgelassen, betonte Reichenbach. Das Team des Deutschen unterstützt die griechischen Behörden beim Wandel, während Vertreter der EU-Kommission, des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) die Fortschritte überwachen. Am Tropf dieser internationalen Geldgeber hängt Griechenland.

Vor Merkel waren in den vergangenen Monaten bereits eine Reihe von Ministern und auch Bundespräsident Joachim Gauck in Griechenland. Merkel hatte unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen zuletzt im Oktober 2012 Athen besucht. Sie wird etwa von den oppositionellen linken Parteien in Griechenland für den harten Sparkurs und die hohe Arbeitslosigkeit verantwortlich gemacht. Die Linkspartei in Deutschland sprach mit Hinweis auf die Europawahlen am 25. Mai von einem „Showbesuch im Troika-Protektorat“.