Europäische Union

Frankreichs Sozialisten: Cambadélis wird zum großen Wolf

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Im dritten Anlauf schafft Jean-Christophe Cambadélis den Sprung an die Spitze der französischen Sozialisten. Er soll die Partei erneuern und vom Protestkurs abbringen.

Politiker in Frankreich träumen meist vom Elysée-Palast. Der Sozialist Jean-Christophe Cambadélis aber hat sich stets gewünscht, in die Chefetage des sozialistischen Parteigebäudes in der Rue de Solférino einzuziehen. Jetzt geht sein Traum in Erfüllung: Am Dienstagabend ernannte der erweiterte Parteivorstand den 62 Jahre alten Abgeordneten Ersten Sekretär. Für den früheren Trotzkisten Cambadélis, der im Alter von 35 Jahren zur Parti Socialiste (PS) kam, ist das die Krönung einer Karriere, die meist im Schatten gewichtiger Mentoren verlief. Lange Zeit hatte sich Cambadélis dem Aufstieg Dominique Strauss-Kahns verschrieben. Im Juni 2006 wurde er als dessen Adlatus in der Korruptionsaffäre um die Versicherung MNEF zu einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einer Geldbuße von 20.000 Euro verurteilt. Das war ein Rückschlag für die „kleinen Wölfe“, wie Strauss-Kahn sein Unterstützertrio aus Cambadélis, Pierre Moscovici und Jean-Marie Le Guen nannte.

Schon 1997 musste Cambadélis zu seiner Verärgerung hinnehmen, dass der sozialistische Premierminister Lionel Jospin für den Parteivorsitz François Hollande vorzog, der als „berechenbarer“ als der Heißsporn Cambadélis galt. 2010 versprach ihm Strauss-Kahn das Amt des Parteichefs nach der Präsidentenwahl 2012. Doch „Camba“, wie ihn die Genossen nennen, hatte wieder Pech, denn Strauss-Kahn schied nach einer Anklage wegen versuchter Vergewaltigung in einem New Yorker Hotelzimmer aus dem Rennen um die Präsidentschaftskandidatur aus. In den Vorwahlen unterstützte Cambadélis die Delors-Tochter Martine Aubry, auch aus einer gewissen Abneigung gegen Hollande heraus.

Der Präsident rächte sich 2012, als er die Wahl Cambadélis zum Ersten Sekretär durchkreuzte und den aus seiner Sicht leichter beeinflussbaren Harlem Désir zum Parteichef krönen ließ. Als „Nummer Zwei“ schaffte es Cambadélis jedoch innerhalb kürzester Zeit, die Fehler und Versäumnisse Désirs der breiten Öffentlichkeit vorzuführen. Fortan wird der Pariser Abgeordnete selbst vor der Herausforderung stehen, das Parteipersonal sowie „die Methoden und den ideologischen Korpus“ der Partei zu erneuern, wie er ankündigte. Er will auch das Gespräch mit den Grünen und der Linksfront wieder aufnehmen, die sich verärgert von der PS abgewandt haben. Zuallererst muss Cambadélis aber die Strategie im Europawahlkampf festlegen.

Das wird keine leichte Aufgabe für den notorischen Nörgler, der im vergangenen Frühjahr die Federführung für den Antragsentwurf innehatte, in dem Angela Merkel „egoistische Unnachgiebigkeit“ vorgeworfen wurde. Der Parteichef mit griechischen Wurzeln soll die Partei vom Protestkurs abbringen, den Hollande während des Wahlkampfes gegen den europäischen Fiskalpakt geführt hatte. Die Parteilinke träumte bislang davon, mit dem Versprechen einer „Aussetzung des Fiskalpaktes“ in den Wahlkampf zu ziehen. Hollande aber hat unter dem Druck der EU-Kommission und der europäischen Partner eingesehen, dass die Forderung nach einem neuerlichen Aufschub bei der Einhaltung der Defizitkriterien keine gute Idee für den Europawahlkampf ist.