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Tragbare Technik: Wenn Siri zum Ohrwurm wird

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Die sogenannten „Wearables“ sind im Kommen. Zwei neue Bluetooth-Headsets von Sennheiser und Plantronics können praktische Alltagsbegleiter sein. Aber welches ist besser?

Tragbare Technik ist das neue Zauberwort für Smartphone-Fans und Fitness-Begeisterte. Die sogenannten „Wearables“ sind im Kommen. Cool und angesagt sind in diesem Sommer Bluetooth-Freisprecher fürs Ohr. Die Technik ist alles andere als neu. Neu ist aber die Möglichkeit, die Stöpsel den ganzen Tag zu tragen. Nicht etwa, weil man so viel damit telefonieren würde. Sondern, um auf dem Rad oder beim Chillen im Park mit Vorlesefunktion und Spracherkennung unterwegs informiert zu bleiben.

„Welche Termine habe ich heute?“, fragt man beispielsweise Apples Assistentin Siri, und sie flüstert die Antwort ins Ohr. Mit Sprachaus- und -eingabe lassen sich E-Mails und SMS vorlesen oder erfassen und sogar Nachrichten auf Facebook erstellen. In Amerika macht derzeit das neue Era-Headset des Herstellers Jawbone Furore. So etwas tragen die jungen Leute in San Francisco rund um die Uhr im Ohr. In Deutschland ist bislang nur das ältere (klobige) Era erhältlich. Wir haben aber zwei leckere Alternativen geprüft, die ebenfalls begeistern: Das Presence UC von Sennheiser und das Voyager Edge von Plantronics sind hochpreisige Headsets für Anspruchsvolle.

Das Sennheiser sitzt weniger bequem

Beide Modelle kommen in einer Plastikaufbewahrung, die bei Plantronics zugleich Ladestation ist. Legt man das Voyager Edge hinein, wird sein Akku vom Akku der muschelförmigen Schatulle geladen. Der wiederum wird dank Micro USB mit jedem Handy-Netzteil befüllt. Am Headset selbst befindet sich zum Laden ein weiterer Micro-USB-Port, so ist auch das Sennheiser ausgestattet.

Beide Modelle lassen sich auf zweierlei Weise tragen: entweder mit Ohrbügel oder ohne diesen mit einem in drei Größen beiliegenden Adapter direkt im äußeren Gehörgang. Der Charme besteht darin, dass sich der Freisprecher mit einer Hand (etwa im Auto) aus der Tasche holen und aufsetzen lässt. Das Plantronics-Headset sitzt in der Tat selbst bei heftigen Kopfbewegungen verlässlich fest, man kann es stundenlang tragen. Das Sennheiser hält in dieser Hinsicht nicht mit. Wir haben alle Befestigungsmöglichkeiten mit beiden Ohren ausprobiert: Es sitzt lockerer und weniger bequem, es kann unversehens aus dem Ohr rutschen.

Beide Geräte bieten viel Reichweite, je nach Umgebung sind fünf Meter durchaus realisierbar. Beide erlauben die Musikwiedergabe mit dem Bluetooth-Protokoll A2DP. Man sollte nicht zu viel erwarten, aber es funktioniert, und zum Podcast-Hören ist die Akustik allemal ausreichend. Das Voyager Edge klingt etwas voluminöser, bassbetonter, das Presence unterstreicht die Höhen.

Beide Apparate bringen mehrere Mikrofone und eine ausgereifte Nebengeräuschunterdrückung mit. Auch in lauter Umgebung ist die Verständlichkeit bei Telefonaten außerordentlich gut. Beide Kandidaten hatten eine Vollgasbeschleunigung in einem SUV auf 160 km/h zu absolvieren. Der Angerufene hörte davon nur wenig. Der Frequenzbereich der Sprachübertragung war natürlich reduziert, jedoch waren Motor- oder Windgeräusche nicht zu vernehmen. Hier haben die Hersteller ganze Arbeit geleistet.

Der Akku des Sennheiser hält im mobilen Einsatz bis zu zehn Stunden durch, bei Plantronics ist nach rund sieben Stunden ein Ladevorgang angesagt. Geht es um Handhabung und Bedienung, ist Sennheiser ein Purist: Statusmeldungen erhält man in englischer Sprache vorgesprochen. Alles andere erledigt der Finger mit den Funktionstasten am Gerät. Das Annehmen und Beenden von Telefongesprächen wirft keine Fragen auf. Um jedoch Siri zu starten, muss man die Sennheiser-Schaltfläche genau eine Sekunde lang drücken: ziemlich kompliziert.

Feiner Luxus bei Plantronics

Das Plantronics-Headset spielt diesbezüglich in einer ganz anderen Liga. Allein die Option, mit Sprachkommandos ein ankommendes Gespräch anzunehmen oder abzuweisen, ist ein riesiger Gewinn. Das Gerätchen ist mehrsprachig, und ferner lässt sich der Freisprecher mitsamt seiner smarten Sensoren so einrichten, dass das Aufsetzen zur automatischen Gesprächsannahme oder zum Weiterleiten des aktiven Anrufs führt. Das hört sich nach Spielerei an, aber im praktischen Betrieb hat man sich sehr schnell an diesen feinen Luxus gewöhnt.

Sennheiser zieht indes die Trumpfkarte des beiliegenden Bluetooth-Empfängers für USB. Der Dongle enthält quasi eine eigene Soundkarte und bietet bei der Verwendung am Computer eine deutlich bessere Akustik als das im PC eingebaute Bluetooth-Modul. So wundert der hohe Preis von 200 Euro nicht.

Als Allroundgerät für den Smartphone-Einsatz gefällt jedoch das Plantronics Voyager Edge für rund 130 Euro deutlich besser. Sitz, Tragekomfort und Software geben den Ausschlag. Mit dem Knopf im Ohr wird man von seiner Umgebung nicht mehr ganz so kritisch beäugt wie früher. Und dank Spracherkennung macht die Smartphone-Steuerung richtig Spaß. Da lässt man sich gern sogar die E-Mail ins Ohr tröten: „Sie haben 25 neue Nachrichten.“