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Der Kopfhörerverstärker Gemini von Auralic im Test

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Kopfhörerverstärker, Digital-Analog-Wandler und Edel-Ständer: Der Gemini ist alles in einem. Zudem hat Auralic sein neuestes Produkt mit feinster Technik bestückt.

Nein, das ist kein Kopfhörerständer. Es ist auch ein Ständer. Aber hauptsächlich ist der Gemini von Auralic ein hochwertiger Kopfhörerverstärker inklusive Digital-Analog-Wandler, an den man auch einen Kopfhörer hängen kann. Das ist praktisch, stylisch und einmalig. Eine innovative Idee, die getestet werden muss. Wir durften uns als einer der ersten in Europa den Gemini 2000 genauer anschauen.

Das Unternehmen Auralic ist in der audiophilen Fachwelt mittlerweile kein Geheimtipp mehr, sondern etabliert sich als anerkannte HiFi-Marke. Die beiden Gründer Xuanquian Wang und Yuan Wang entwickeln und produzieren in Peking. Zweifel an der Qualität, weil die Produkte somit „Made in China“ sind, kommen erst gar nicht auf, wenn man sich diese High-End-Geräte anschaut. Verarbeitete Materialien und verwendete Technik sind vorbildlich und hochwertig.

Auralics Portfolio umfasst lediglich fünf Geräte: Kopfhörerverstärker Taurus MK II, Digital-Analog-Wandler Vega, Vorverstärker Taurus Pre, Endstufe Merak und eben der Gemini. Mit dem Wandler Vega ließen die Chinesen die Fachwelt aufhorchen. Der Aufbau des Gerätes, seine äußere Gestalt und seine Technik aus dem professionellen Studio-Bereich, die nun auf den HiFi-Bereich übertragen wurde, führte zu sehr positiven Besprechungen in einschlägigen Audiozeitschriften. Die Kombination aus Vega und Taurus galt etwa in der Audio als Referenz.

Der Gemini ist das jüngste Produkt von Auralic – und wohl auch sein außergewöhnlichstes. Es ist einerseits ein Design-Objekt, das einen gewissen skulpturalen Charakter hat und wie eine Trophäe daher kommt. Seine Form ist allerdings funktionell ausgelegt. Andererseits ist der Gemini ein HiFi-Gerät, das zusammen mit einem hochwertigen Kopfhörer Klänge im High-End-Bereich produziert.

Nach Aussage von Xuanquian Wang habe man das Niveau der anderen Geräte gehalten, indem man die Technik des Vega und Taurus MK II verwendet und diese der kleinen Fläche des goldenen oder silbernen Standfußes angepasst habe. Dass dort leistungsstarke Bauteile werkeln, spürt man beim Anfassen des unteren Teils. Der wird nämlich aufgrund der Class-A-Module recht heiß, weil die entstehende Hitze über das metallene Gehäuse abgeleitet wird. Deshalb schaltet sich der Gemini auch ab, wenn er keine Daten verarbeiten muss. Während des Betriebes zeigen drei dezente Leuchten an, welche Lautstärke und Auflösung gerade ausgegeben wird und welcher Eingang aktiv ist.

Schnittstellen für USB, Toslink und Android-Smartphone

Die Auswahl bei den Schnittstellen ist ausreichend. Es gibt einen USB-Anschluss, über den die Daten vom Computer oder Notebook transferiert werden können. Die S/PDIF-Schnittstelle hat Auralic als optische Variante konzipiert. Ein Toslink-Kabel ist also notwendig, um die Daten etwa vom CD-Spieler zum Gemini bringen zu können. Und als dritter Eingang steht ein USB für Smartphones zur Verfügung. Dieser beschränkt sich zunächst auf Android-Geräte, die mit einem speziellen USB-Kabel (OTG) verbunden werden. Man muss zusätzlich noch die App „USB Audio Recorder Pro“ für 4,99 Euro im Play-Store kaufen und herunterladen.

Verbindet man den Gemini über alle drei Varianten, wird es an der Rückseite recht eng und etwas fummelig, wenn man einen Stecker reinstecken oder rausziehen will. Denn direkt neben den drei Eingängen ist auch noch der Netzstecker untergebracht. In der Regel verdrahtet man einen Kopfhörerverstärker aber nur einmal, sodass das Gedränge an der Rückseite nicht stört.

Abtastraten von 384 Kilohertz und DSD

Der Digital-Analog-Wandler nimmt solch hoch aufgelöste Audiodateien entgegen, dass keine Wünsche offen bleiben. Via USB-Schnittstelle kann man HiRes-Files mit einer Abtastrate von 384 Kilohertz und 32 Wortbreite einspeisen. Und Auralic hat es auch hier geschafft, dass – ebenso wie bei seinem Wandler Vega – DSD-Dateien gelesen werden. Der optische Eingang verarbeitet allerdings nur hochauflösenden Dateien bis 192 Kilohertz bei 24 Bit Wortbreite.

Wie wichtig es ist, dass Geräte wie der Gemini mit hochauflösenden Dateien wie auch mit DSD umgehen können, hängt vom Gehör des Musikliebhabers und der Verfügbarkeit der entsprechenden Dateien ab. Wer Aufnahmen in hochauflösender Qualität klanglich schätzen kann und sich schon ein kleines HiRes-Archiv angelegt hat, wird Audio-Geräte wie die von Auralic bevorzugen. Ein Trend bei den Herstellern ist auf jeden Fall zu erkennen.

Platz für hochohmige Kopfhörer

Etwas ungewöhnlich für diese Gerätekategorie ist der Speicherkartenslot. Der Gemini liest Karten im SDXC-Format bis zu 2 Terabyte. Um die Audiodateien abspielen zu können, braucht man allerdings einen Computer, der per USB verbunden ist. Die SD-Karte wird dann als externes Medium angezeigt. Leider kann der Gemini nicht als eigenständiger Player arbeiten. Das ist schade, weil dann das Konzept perfekt wäre. Der Musikfan bräuchte dann nur den Gemini, eine Smartphone-App als Abspielstation und einen Kopfhörer.

In Sachen Kopfhörer sind übrigens keine Grenzen gesetzt. Mit seinen 2000 Milliwatt (daher der Name Gemini 2000) Ausgangsleistung treibt er jeden hoch- oder niederohmigen Kopfhörer an. Wir haben ihn mit dem Magnetostaten LCD3 von Audeze getestet. Auch mit den Kopfhörerausgängen zeigt Auralic, dass sie es ernst meinen. Neben der obligatorischen 6,3-Millimeter-Klinke wartet auf der Rückseite ein XLR-Ausgang auf die Top-Modelle unter den Kopfhörern.

Top ist auch der Preis von Auralic. Der Gemini 2000 kostet 1899 Euro. Das ist angemessen, wenn man sich anschaut, welche edle Technik und hochwertige Materialien Auralic in der Produktion eingesetzt hat. Klanglich kann er mit Referenzgeräten wie dem Sennheiser HDVD800 mithalten. Ob es gerechtfertigt ist, soviel Geld für einen Kopfhörerverstärker im Ständerdesign auszugeben, entscheidet sich mit Blick auf den Kopfhörer. Uns fallen da einige ein, die sicherlich gerne auf dem Gemini Platz nehmen würden.