Europäische Union

Euroskeptiker im Europaparlament: Hunger auf Zerstörung

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Die Euroskeptiker würden im Europaparlament am liebsten alles verhindern. Bei bei der Europawahl im Mai könnte die kleine destruktive Truppe noch deutlich wachsen.

PreviewPagemarker“ id=“pageIndex_1″>Wo die Euroskeptiker sitzen, sieht man sofort, wenn man in Straßburg den Plenarsaal des Europaparlaments betritt. Ganz rechts haben die Abgeordneten der Fraktion „Europa der Freiheit und Demokratie“ ihre Sitze. Auf ihren Tischen haben sie kleine nationale Flaggen aufgestellt, meist sind es britische. Das ist hier natürlich eine Provokation, denn alle anderen Fraktionen verstehen sich als gute Europäer, die den Nationalstaat überwinden wollen.

Auch auf Platz 20, gleich in der ersten Reihe, weht der Union Jack. Hier sitzt der Abgeordnete Nigel Farage. Er blättert aufmerksam in einem Papierstapel. Das tut er oft, wenn er im Plenum ist. So kann er Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Währungskommissar Olli Rehn ignorieren, die direkt neben ihm miteinander plaudern. Eine Laune der Sitzordnung, man kann es auch eine Hinterhältigkeit nennen, hat die Euroskeptiker neben ihrem Hassobjekt plaziert: Die Bank der EU-Kommission schließt das Halbrund des Plenarsaals ab, nur ein schmaler Gang trennt sie von ihren größten Gegnern.

Das künstliche Licht, das den blau-weißen Saal stets grau aussehen lässt, fällt an diesem frühen Mittwochmorgen auf eine müde Versammlung. Die Legislatur geht zu Ende, die Europawahlen stehen vor der Tür. Barroso redet mit zerzaustem Haar, er liest alte Phrasen vor. Guy Verhofstadt, der Fraktionsvorsitzende der Liberalen, spricht mit offenem Hosenstall. Bis die Euroskeptiker dran sind, kommen erst acht andere Redner, jeder erhält eine strenge Zeitvorgabe. Die Kommission hat zehn Minuten, die großen Fraktionen haben fünf, die Euroskeptiker bekommen zwei. Sie dürfen nach der Linksfraktion reden und vor den Rechtsradikalen.

Farage wartet geduldig auf seinen Moment. Die monatlichen Generalaussprachen in Straßburg haben ihn bekannt gemacht, weit über seine britische Heimat hinaus. Mit scharfen Reden hat er sich zum unumstrittenen Anführer seiner Fraktion und zu Hause zum gefährlichsten Rivalen von Premierminister David Cameron gemacht. Kurz bevor er aufgerufen wird, lehnt er sich im Stuhl weit zurück, faltet die Hände und blickt lange nach oben. Er sammelt sich zum Generalangriff.

„Der europäische Traum bröselt“

„Selbst für die Maßstäbe dieses Hauses ist das heute eine bleierne Atmosphäre“, poltert er los. Da komme ein „großer globaler politischer Führer wie Herr Barroso“ vorbei, und von 750 Abgeordneten seien gerade einmal 44 anwesend. „Ich bin jetzt seit fünfzehn Jahren hier, aber in den vergangenen fünf Jahren hat sich etwas wirklich Großes verändert: Der europäische Traum zerbröselt, und zwar vollständig.“ Nur in der ersten Reihe des Parlaments und in der Kommission gebe es noch ein paar „Wahnsinnige“, die für die Vereinigten Staaten von Europa seien. In den Mitgliedstaaten sei die Stimmung ganz anders. „Die Begeisterung für dieses Projekt stirbt.“