
Die Königsklasse der neuen Fernseher rastert die Bilder mit der vierfachen Auflösung konventioneller HDTV-Bildschirme. Damit haben sie das Zeug zu beispielloser Bildschärfe.
PreviewPagemarker“ id=“pageIndex_1″>Ich freu’ mich auf Ultra HD“, sagt der Filmemacher Hans W. Geißendörfer, denn das Zukunftsfernsehen könne endlich auch auf den Bildschirm im Wohnzimmer zeigen, was bisher nur im Kino sichtbar war. „Ultra HD passt perfekt zu Entertain“, ergänzt Michael Hagspihl von der Deutschen Telekom kongenial – so, als wollte sein Internet-Fernsehdienst am liebsten gleich morgen früh mit Ultra-HD-Angeboten loslegen. „Gestochen scharfe Bilder auf den riesigen Flat Screens – das sieht schon sehr gut aus“, fasst sich Thoma Bellut, Intendant des ZDF, ein bisschen salomonischer. Unverhüllt begeistert von der neuen Technik wiederum ist Brian Sullivan, Chef von Sky Deutschland: „We are incredibly excited about Ultra HD.“ Denn: „Ultra HD bringt dem Zuschauer die Faszination zurück“, ist sich Hans Wienands, Oberhaupt von Samsung in Deutschland, ganz sicher.
So viel einhelliger Zuspruch für das Fernsehen der nächsten Generation – wo ist der Haken? Wir geben zu: All diese Zitate haben wir relativierendem Kontext entnommen. Und als die Deutsche TV-Plattform, ein branchenübergreifender Verein zur Koordinierung medialer Großprojekte, kürzlich diese Reihe von Stellungnahmen zur Eröffnung ihres einschlägigen Symposions eingesammelt hatte, wusste sie schon: Die folgenden Vortragsredner würden eher thematisieren, was zur schönen neuen Ultra-HD-Welt noch so alles fehlt. Dennoch zeigte der Einführungsrundschlag: Die Medienbranche beschäftigt sich mit dem Thema, teils noch philosophisch, teils aber auch mit operativen Ambitionen.
Derweil starten die Gerätehersteller die Massenfertigung von Fernsehgeräten der neuen Güteklasse. Ihre Mattscheiben rastern die Bilder viermal so fein wie die heute üblichen HTDV-Bildschirme: 3840 × 2160 Pixel sind die Eckdaten der neuen Schärfe. Schon zur Branchenmesse IFA im September wollen die großen Marken in den Größenklassen über 50 Zoll (127 Zentimeter) überwiegend Ultra-HD-Modelle zeigen. Aber auch kleinere Formate wird es bis dahin mit der neuen Pixelfülle geben. Die Frühjahrskollektionen der Hersteller – Sony hat sie schon präsentiert, Philips, Toshiba, Panasonic und Samsung folgen in diesen Tagen – geben darauf einen Vorgeschmack. Das Angebot also lockt. Lohnt es, jetzt schon in die neue Technik einzusteigen?
Tatsächlich haben die neuen Geräte das Zeug zum Blickfang – vor allem aus kurzem Betrachtungsabstand: Rasterstrukturen, die konventionelle HDTV-Bildschirme dann immer noch zeigen, bleiben auf Flachschirmen der Ultra-HD-Generationen komplett unsichtbar. Und in hoher Auflösung produzierte Demo-Videos führen einen Schärfegewinn vor, der einfach fasziniert: Er erinnert an den Qualitätsfortschritt, den HDTV gegenüber dem klassischen Fernsehen in Standard-Auflösung brachte. Natürlich hat die neue Bildschirmgeneration ihren Preis: Ultra-HD-Geräte sind derzeit noch um etwa 1000 bis 1500 Euro teurer als vergleichbare Fernseher mit Full-HD-Auflösung. Doch die Differenz wird in den nächsten Monaten schrumpfen. Denn für die Fertigung von LCD-Schirmen mit Ultra-HD-Auflösung mussten die Ingenieure nicht das Rad neu erfinden: Sie konnten auf bewährte Sie konnten auf bewährte Technik (Dünnschicht-Transistoren, Fachkürzel TFT) und auf das heute übliche Halbleiter-Material aus amorphem Silizium setzen. Erst für noch höhere Auflösungen kämen andere, kostspieligere Materialien und Verfahren ins Spiel.
Aus Fernsehkanälen bliebt das Ultra-HD-Angebot rar
Allerdings müssen Früh-Einsteiger wohl noch eine ganze Weile auf Bewegtbilder warten, die das Potential der scharfen Schirme voll ausreizen. Gewiss: Die neuen Geräte können HDTV oder Filme von der Bluray Disc auf ihr feineres Raster hochskalieren. Und das geling ihnen, je nach Ausgangsmaterial, oft auch so gut, dass allein schon der so gewonnene Qualitätsgewinn Anschaffungspläne inspiriert. Aber aus Fernsehkanälen wird das Ultra-HD-Angebot auf längere Sicht rar bleiben. Lutz Marmor, Vorsitzender der ARD, weist darauf hin, dass der Senderverbund gerade erst die letzten Dritten Programme von Standard- auf HDTV-Ausstrahlung umgestellt hat – und dass es in den Studios immer noch Ausbaubedarf für die HD-Produktion gibt. Hinzu kommt: Die Übertragungsstandards für Ultra HD sind noch gar nicht fertig definiert- Testsendungen nutzen bisher zumeist mehrere zusammengeschaltete HDTV-Kanäle.
