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Starker Euro schmälert Gewinne von Dax-Konzernen

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Die Dax-Konzerne ächzen unter dem starken Euro. Probleme bereiten vor allem die schwachen Währungen der Schwellenländer. Wie stark sich das in den Zahlen niederschlägt, analysiert eine neue Studie.

PreviewPagemarker“ id=“pageIndex_1″>Die größten deutschen Konzerne leiden unter erheblichen negativen Währungseffekten. Die Aufwertung des Euro gegenüber den Währungen wichtiger Auslandsmärkte hat den in Euro ausgewiesenen Umsatz der Konzerne, die mit ihren Papieren im Aktienindex Dax gelistet sind, um mindestens 13 Milliarden Euro gedrückt.

Unter dem Strich lag der Gesamtumsatz der im Aktienindex Dax gelisteten Unternehmen im Jahr 2013 daher mit 1231 Milliarden Euro geringfügig unter dem Vorjahresniveau, exakt ergibt sich ein Rückgang von 0,1 Prozent. Der Gewinn ging – bereinigt um einige stark ergebniswirksame Sondereffekte – noch stärker zurück: um 2 Prozent von 106 auf 104 Milliarden Euro. Im Einzelnen geht es bei diesen Sondereffekten um Daimler (Ertrag aus dem Verkauf von EADS-Aktien), die Deutsche Telekom (Wertminderung des Goodwill und der Vermögenswerte von T-Mobile USA) und Thyssen-Krupp (Neubewertung des Stahlgeschäfts in Amerika). Ohne die Bereinigungen ergäbe sich gegenüber der ebenfalls unbereinigten Vorjahreszahl ein deutlicher Gewinnanstieg um 16 Prozent auf 107 Milliarden Euro.

Den mit Abstand höchsten Umsatz erzielte Volkswagen (197 Milliarden Euro), gefolgt von Eon (122) und Daimler (118). Den höchsten Gewinn erwirtschaftete mit knapp 12 Milliarden Euro ebenfalls Volkswagen, auf den Plätzen zwei und drei folgen Allianz mit 10 Milliarden Euro und BMW mit 8 Milliarden Euro.

Der starke Euro wird auch weiterhin Probleme bereiten

Auch im laufenden Jahr werden die Unternehmen von der anziehenden Konjunktur und ihrer Effizienzoffensive der vergangenen Jahre profitieren. Aber sie werden nach der Prognose der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst &amp- Young (E&amp-Y), die die Daten zusammengestellt hat, auch weiter unter der Abwertung vieler Währungen leiden, die von der Kapitalflucht aus zahlreichen Schwellenländern beeinflusst wird. Die Auswirkungen sind erheblich: Im Jahresdurchschnitt verlor zum Beispiel der Dollar 3 Prozent gegenüber dem Euro, das britische Pfund 5 Prozent und der japanische Yen sogar 26 Prozent. Besonders stark werteten die Währungen vieler Schwellenländer ab: der brasilianische Real um 20 Prozent, die türkische Lira um 26 Prozent, die indonesische Rupie sogar um 32 Prozent.

„Allein um die negativen Währungseffekte auszugleichen, hätte ein in Indonesien tätiges Unternehmen seinen Umsatz vor Ort um ein Drittel steigern müssen“, sagt Thomas Harms, ein Partner bei EY. Denn der deutlich gestiegene Eurokurs lässt im Ausland erzielte Einnahmen bei der Umrechnung in die europäische Gemeinschaftswährung schrumpfen – und immerhin 42 Prozent des Umsatzes erwirtschaften die Konzerne außerhalb Europas. Im abgelaufenen Geschäftsjahr beliefen sich die negativen Währungseffekte geschätzt auf insgesamt mindestens 13 Milliarden Euro. Ohne die Euroaufwertung wäre der Gesamtumsatz der im Dax gelisteten Industrieunternehmen (also ohne Banken und Versicherungen) um mindestens 1 Prozent gestiegen.

Auch im laufenden Jahr werde sich der starke Euro negativ auf die Ergebnisse mehrerer Dax-Unternehmen auswirken, prognostiziert Harms: „Da sich der Verfall der Wechselkurse auch in den ersten Monaten des laufenden Jahres fortgesetzt hat, werden wohl auch 2014 Umsatz und Gewinn einiger stark internationalisierter Dax-Unternehmen unter Druck geraten. Und das schon begonnene ‚Tapering‘ der amerikanischen Notenbank kann zu noch weiteren Kapitalabflüssen und Währungsabwertungen führen – damit müssen die Unternehmen rechnen.“

Gute Prognosen für 2014

Betroffen sind vor allem Unternehmen mit einer starken Präsenz in den außereuropäischen Wachstumsmärkten, also zum Beispiel BMW, BASF und Deutsche Post. EY rät daher zu Absicherungsgeschäften, auch wenn diese ebenfalls Kosten verursachten. Eine Abkehr von der eingeschlagenen Internationalisierungsstrategie sei aber keine Option: „Mittel- und langfristig wird sich ein stärkeres Engagement in den stark wachsenden Schwellenmärkten auszahlen, denn hier findet das Wachstum der Zukunft statt.“

Insgesamt werde 2014 denn auch ein gutes Jahr für Deutschlands Top-Konzerne, erwartet EY. Die wirtschaftliche Erholung in den Industriestaaten – insbesondere in Nordamerika, Großbritannien, Deutschland und Nordeuropa – wiege schwerer als negative Währungseffekte. Dass auch die Unternehmen selbst durchaus optimistisch in die Zukunft schauen, zeigen zudem die Wachstumsraten bei der Beschäftigung und den Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Insgesamt stieg die Zahl der Mitarbeiter – trotz des Beschäftigungsabbaus bei den Energieversorgern – um 1,4 Prozent auf 3,71 Millionen. Und auch bei den Zukunftsinvestitionen ging es weiter aufwärts: Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung sind um 6 Prozent auf 33,8 Milliarden Euro gestiegen.