
Inzwischen werden mehr kleine Tumore mit guter Prognose entdeckt: Eine erste Bilanz des Mammographie-Screenings in Deutschland.
Mit dem bevölkerungsweiten, qualitätsgesicherten Mammographie-Screening werden in Deutschland mehr kleinere Brusttumore mit besserer Prognose und ohne Befall der Lymphknoten entdeckt als vor dem Screening. Mit diesem Ergebnis aus dem dritten Evaluationsbericht sieht die Kooperationsgemeinschaft Mammographie das deutsche Screening auf dem richtigen Kurs. Vorgestellt wurde der Bericht mit den Leistungszahlen für 2010 auf dem Krebskongress in Berlin. Vorrangiges Ziel ist zwar die Senkung der Brustkrebssterblichkeit, aber da es dazu erst in vier Jahren Resultate geben wird, beurteilt die Kooperationsgemeinschaft Mammographie die Qualität des deutschen Screenings bis dahin mit Frühindikatoren. Einer davon ist die Verteilung der Tumorstadien. Bei einem erfolgreichen Screening sollten mehr kleinere Tumore mit günstigerer Prognose gefunden werden, die schonender behandelt werden können und bei denen eher mit einer Heilung zu rechnen ist.
„Achtzig Prozent der 2010 entdeckten invasiven Karzinome waren kleiner als zwei Zentimeter und bei 78 Prozent waren die Lymphknoten noch nicht befallen“, sagte Karin Bock vom Referenzzentrum Mammographie Südwest bei der Vorstellung des Berichtes in Berlin. Vor dem Screening waren nur 49 Prozent der entdeckten Karzinome kleiner als zwei Zentimeter und nur 57 Prozent waren ohne Lymphknotenbefall. Auch der Anteil der entdeckten Krebsvorstufen und Frühkarzinome hat durch das Screening zugenommen. Er liegt jetzt bei knapp zwanzig Prozent. Vor dem Beginn des bevölkerungsweiten Screenings hatten diese sehr frühen Stadien nur einen Anteil von sieben Prozent an den entdeckten Karzinomen. Die Kritiker des Mammographie-Screenings sehen diesen Anstieg allerdings kritisch, denn vermutlich wären eine Reihe dieser Krebsvorstufen nie aufgefallen und müssten auch nicht behandelt werden. Die Frauen mit solchen lebenslang unauffälligen Krebsvorstufen werden durch das Screening unnötig zu Brustkrebspatientinnen gemacht. Wie der Evaluationsbericht weiter zeigt, waren 35 Prozent der 2010 im Screening entdeckten Karzinome weniger als einen Zentimeter groß. Vor dem Screening hatten nur vierzehn Prozent diese Größe.
Mehr Folge- als Erstuntersuchungen
Dem Bericht liegen 1,2 Millionen Erstuntersuchungen und 1,5 Millionen Folgeuntersuchungen zugrunde. Damit gibt es zum ersten Mal mehr Folge- als Erstuntersuchungen in Deutschland. Bei einer Folgeuntersuchung nehmen Frauen nach zwei Jahren wieder am Screening teil. 2010 wurden insgesamt 17501 Tumore entdeckt. 13834 waren invasive Karzinome, die bereits in das umgebende Gewebe eingedrungen waren. Die Teilnehmerrate liegt seit Beginn des Screenings nahezu unverändert bei 54 Prozent und bleibt damit hinter den Anforderungen der EU-Leitlinie zurück. Diese sehen eine Teilnehmerrate von 70 bis 75 Prozent vor. 2010 hatten von tausend Frauen, die zur Erstuntersuchung kamen, acht Frauen Brustkrebs. Von tausend Frauen, die zu einer Folgeuntersuchung kamen, hatten fünf bis Frauen sechs Brustkrebs. Bei einer Erstuntersuchung war bei 7,1 Prozent der Frauen eine weitere Abklärung nötig, bei den Folgeuntersuchungen lag dieser Anteil bei 3,1 Prozent. Die EU-Leitlinien sehen als Mindestanforderungen einen Wert von unter fünf Prozent vor und empfehlen einen Wert von unter drei Prozent.
Alexander Katalinic vom Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein wies bei der Vorstellung des Evaluationsberichts auf die Entwicklungen bei der Entdeckungsrate hin. Sie ist ein weiterer Frühindikator. Die Einführung des Screenings hat zunächst zu einem deutlichen Anstieg der neu diagnostizierten Brustkrebsfälle in Deutschland geführt. Auf diesen Anstieg folgt jetzt aber wieder ein Rückgang. Dieser Trend sei nicht überraschend, sagte Katalinic in Berlin. Beim Start eines bevölkerungsweiten Screenings werden auch solche Tumore entdeckt, die ohne Screening erst später erkannt werden. Deshalb steige die Zahl der Neuerkrankungen zunächst an. Wenn das Programm etabliert sei, gehe die Zahl wieder zurück, weil die bereits beim ersten Screening entdeckten Erkrankungen dann nicht mehr als Neuerkrankungen auftreten, so Katalinic.
Die Kooperationsgemeinschaft Mammographie wertet die Veränderung bei der Verteilung der Tumorstadien sowie den Anstieg und den Rückgang der Brustkrebsneuerkrankungen bei den Frauen im Screening-Alter als erste messbare Effekte des Mammographie-Screenings. Sie wird das Programm in Zukunft jährlich und nicht mehr im Zweijahres-Rhythmus evaluieren. Der Bericht kann auf der Internetseite http://newsroom.mammo-programm.de der Kooperationsgemeinschaft Mammographie unter der Rubrik „Publikationen“ eingesehen werden.
