
Schon als die Steuer-Affäre vor einem Jahr bekannt wurde, setzte sich Karl Lagerfeld an den Zeichentisch – und kettete Uli Hoeneß an eine Sträflingskugel.
Hat es damals nicht jeder schon gewusst? Vielleicht. Aber konnte man sich vor knapp einem Jahr, als Uli Hoeneß wegen der Steuersache erstmals in die Schlagzeilen geriet, wirklich vorstellen, dass der wichtigste deutsche Fußball-Manager zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt würde?
Für Karl Lagerfeld war das offenbar keine allzu abstrakte Vorstellung. Als wir den Modeschöpfer in Paris fragten, ob er Hoeneß überhaupt kenne, sagte er: „Natürlich kenne ich den!“ Ob er eine „Karlikatur“ zu dem Thema beisteuern könne? „Warum nicht!“ Häme empfand Lagerfeld nicht: „Schade“, sagte er, „dass es einem so netten Mann passiert ist.“
Pardon wurde aber nicht gegeben. Der Modemacher nahm sich also ausnahmsweise nicht François Hollande oder Angela Merkel vor (die er wieder einmal für die am 22. März erscheinende nächste Ausgabe unseres Magazins karikiert). Sondern er zeichnete Uli Hoeneß in aller bajuwarisch-barocken Pracht, stilecht in Lederhosen und mit einem Euro-Ball als Sträflingskugel. Im Hintergrund leuchtet über den Bergen das Schweizer Kreuz des Steuerparadieses.
Die „Karlikatur“ ist zugleich eine Kritik an den französischen Politikern, die laut einem Kommentar des Zeichners mit „dieser Art von Sport“ ebenfalls vertraut sind. Karl Lagerfeld lebt eben in beiden Welten – und stöhnt unter der Steuerpolitik der sozialistischen Regierung, von der er selbst betroffen ist. Ein Seitenhieb auf die französische Politik musste da einfach sein.
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