
Der M50 von NAD vereint die Funktionen eines CD-Laufwerks und eines Netzwerk-Players. Der Clou an diesem Gerät: Er wurde von Michael Swoboda modifiziert – und setzt neue Klang-Maßstäbe.
Goldene Ohren sind für Michael Swoboda die Währung der Ehre: Der HiFi-Ingenieur aus Essen sammelte sie in den neunziger Jahren wie Trophäen – die jährlichen Leser-Auszeichnungen des Fachmagazins „Audio“ für besonders klangvolle Leistungen, gleichsam die Oscars der Branche. Zu höherem Ruhm verhalfen ihm profundes Fachwissen, ein hochsensibles Gehör und das Glück des Tüchtigen: Swoboda hatte seine unternehmerische Karriere mit der Modifikation von Seriengeräten des Hauses Sony begonnen, darunter der legendäre CD-Player CDP-X777ES, der als Swoboda-Version heute noch in vielen Haushalten anspruchsvoller High-End-Jünger den Ton angibt. So wurde der Weltkonzern auf den Elektronik-Veredler aufmerksam – und reichte ihm respektvoll die Hand zu einer langjährigen Partnerschaft.
Die Scheinwerfer der HiFi-Presse leuchten Swobodas Wirken heute nicht mehr ganz so grell aus, aber der Klangvergolder hat sein Handwerk nicht verlernt: Erst kürzlich erblickte eine Modifikation das Licht der Welt, die selbst gestandenen HiFi-Kritikern glatt die Sprache verschlägt. Diesmal hat sich Swoboda ein Seriengerät des kanadischen Herstellers NAD als Rohstoff ausgesucht – den Digital Music Player M50. Das Gerät vereint die Funktionen eines CD-Laufwerks und eines Netzwerk-Players. Es kann digitale Musik in allen gängigen Codierungen wiedergeben, darunter FLAC und Apple Lossless, mit Auflösungen bis 24 Bit/192 Kilohertz. Zur komfortablen Musikverwaltung bietet NAD Gratis-Apps für iOS- und Andoid-Geräte an.
Im NAD-Serienprogramm ergänzen zwei weitere Komponenten den Player-Baustein zum kompletten Trio: der Digital-Analog-Wandler M51 und der Festplattenspeicher M52, der auch digitale CD-Kopien archivieren kann. Swoboda aber hat sich auf den Zentralbaustein M50 konzentriert, dem er zunächst eine komplett neue Stromversorgung einpflanzte: Das serienmäßige Schaltnetzteil musste einem gestandenen Transformator weichen, der mit einer diskret aufgebauten analogen Regelung zusammenarbeitet.
Zu Swobodas Kernkompetenzen gehört es, die Anforderungen an solche Schaltungen optimal zu erfüllen: Sie müssen blitzschnell liefern, was die Musiksignale verlangen, ohne mit Überschwingern den Klang zu beeinträchtigen. Die Funktion des externen Musikspeichers übernimmt in der Swoboda-Version ein direkt in den M50 eingebautes, ein Terabyte großes SSD-Laufwerk, das den digitalen Ton um ein Vielfaches schneller und damit exakter ausgeben kann als eine aus mechanischen Bauteilen bestehende Festplatte. Die gesamte Modifikation umfasst noch viele weitere, kleinere Eingriffe, darunter auch die Optimierung des optischen Digitalausgangs. Als adäquaten externen Wandler suchte sich Swoboda einen überraschend unscheinbaren Baustein aus, den kleinen Elektronikwürfel DAC Box DS von Pro-Ject. Auch diesem Außenborder verpasste Swoboda ein spezielles, 120 Watt starkes, analog geregeltes Netzteil.
Wir haben die komplette Modifikation an einer exquisiten Anlage gehört (Lautsprecher: Martin Logan Vantage, Verstärker Octave V40) – und waren hingerissen von der unglaublichen Transparenz, Feindynamik und der luftigen räumlichen Abbildung des musikalischen Geschehens. Die Wiedergabe vergleichbarer Edel-Player wirkte dagegen stets deutlich enger, angestrengter, in der Dynamik beinahe komprimiert – so drastisch haben wir einschlägige Differenzen lange nicht mehr wahrgenommen. Dass Swoboda für die drei modifizierten Komponenten 8900 Euro verlangt, mag auf den ersten Blick verwegen erscheinen, aber es gibt viel teurere Elektronik, die längst nicht dieses Klangniveau erreicht.
