
Die Kursrückgänge auf dem Aktienmarkt beunruhigen viele Investoren. Alternative Anlagen gewinnen infolgedessen an Attraktivität. Doch die Suche nach einer vernünftigen Rendite kann mit Risiken verbunden sein.
Die deutlichen Kursrückgänge zum Wochenauftakt dürften viele Anleger in ihren Vorbehalten gegenüber dem Aktienmarkt bestätigen: Die Kurse schwanken stark, zu stark für die Nerven vieler kleiner und großer Anleger. Dass Aktienanlagen nach Ansicht vieler Vermögensverwalter langfristig betrachtet und kurzfristige Schwankungen nicht überbewertet werden sollten, besänftigt viele Investoren nicht.
Was sind die Alternativen? Seit den achtziger Jahren haben Großanleger zunächst in den Vereinigten Staaten und später auch in anderen Ländern begonnen, Geld in Anlagen wie Beteiligungskapital (Private Equity), Immobilien, Risikokapital (Venture Capital), Rohstoffe und Hedgefonds zu stecken. In vielen Fällen handelt es sich wie bei Aktien um Anlagen in Eigenkapital, aber anders als bei Aktien sind diese sogenannten alternativen Anlagen weniger liquide. Für das Risiko, anders als bei einer Aktie im Zweifel nicht schnell verkaufen zu können, erwartet der Anleger eine im Vergleich zu Aktien oder auch Anleihen höhere Rendite. Über lange Zeit ist diese Strategie hervorragend aufgegangen. Nunmehr haben viele Anleger und Vermögensverwalter auch in Deutschland die alternativen Anlagen entdeckt. Die Zeit der Pioniergewinne erscheint vorüber- stattdessen wetteifern zahlreiche Investoren um möglichst gewinnträchtige Projekte. Das wirft die Frage auf: Lohnt sich das mit der geringen Liquidität verbundene Risiko alternativer Anlagen immer noch?
Eine extreme Aufteilung des Vermögens
Der vielleicht größte Experte auf diesem Gebiet sagt: Ja, alternative Anlagen sind immer noch sehr interessant – aber nicht für jeden. Dieser Experte ist der Stiftungsfonds der amerikanischen Universität Yale, der seit nahezu drei Jahrzehnten von David Swensen mit großem Erfolg geführt wird. Swensen hat den Fonds früh auf alternative Anlagen ausgerichtet. Mitte 2013 hatte der Stiftungsfonds sein Vermögen von rund 20 Milliarden Dollar zu immerhin 32 Prozent auf Beteiligungskapital, zu 20,2 Prozent auf Immobilien und zu 17,8 Prozent auf Hedgefonds aufgeteilt. Auf Aktien entfielen 15,7 Prozent, auf Rohstoffe 7,9 Prozent und auf Anleihen lediglich 4,9 Prozent. 1,6 Prozent wurden als Bankguthaben gehalten.
Für europäische Verhältnisse ist das eine extreme Aufteilung des Vermögens. Während in Deutschland Fonds, Versicherungen und Privatanleger über niedrige Renditen für die sich in ihren Depots stapelnden Anleihen klagen, hält Swensen nicht einmal 5 Prozent des Fondsvermögens in Anleihen. Da das Stiftungsvermögen der Universität langfristig gesichert werden soll, will Swensen vor allem eine Entwertung durch Inflation verhindern. Daher fährt er eine sehr niedrige Anleihequote. Die Rendite bringen sollen vor allem die alternativen Anlagen.
Und das haben sie auch getan, selbst wenn Kritiker mit Recht darauf verweisen, dass der Stiftungsfonds in der jüngsten Finanzkrise ebenfalls schwer getroffen wurde und im Anlagejahr 2009 einen Verlust von rund 25 Prozent erlitten hatte. Aber Anlagemodelle müssen sich auf lange Frist bewähren und Vergleich zeigen, dass über das vergangene Vierteljahrhundert das Modell Swensens weitaus besser funktioniert hat als das traditionelle, von vielen amerikanischen Großanlegern benutzte 60/40-Modell. Hier werden 60 Prozent des Vermögens in Aktien und 40 Prozent in Anleihen angelegt- alternative Investments sieht dieser Ansatz nicht vor. In den vergangenen zehn Jahren hat Yale trotz des Katastrophenjahres 2009 eine jährliche durchschnittliche Rendite von 11 Prozent erzielt. Sie stammte überwiegend aus alternativen Anlagen, denn Aktien brachten in diesem Zeitraum nur 8,1 Prozent und Anleihen nur 4,5 Prozent.
In ihrem aktuellen Geschäftsbericht verweisen die Manager des Stiftungsfonds darauf, dass sie alternative Anlagen im Durchschnitt gar nicht für besonders attraktiv halten. Das entspricht der Erfahrung: Immobilienanlagen in Spitzenlagen mögen sehr rentabel sein, aber die Renditen vieler anderer Immobilien sind ärmlich. Manche Hedgefonds sind sehr gut, viele andere sind es nicht. Der Reiz alternativer Anlagen besteht aus der Sicht des Stiftungsfonds darin, dass man mit einer gelungenen Auswahl langfristig überdurchschnittliche Renditen erzielen kann. Und da sich Yale zutraut, diese potentiell sehr erfolgreichen Objekte zu finden, vertrauen sie auch weiterhin auf alternative Anlagen. Das bedeutet aber auch, dass Nachzügler in alternativen Anlagen oft keinen Zugang mehr zu sehr guten Objekten erhalten, zum Beispiel, weil vielversprechende Fonds für Beteiligungskapital längst für Neuanleger geschlossen sind. Selbstläufer sind alternative Anlagen nicht.
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