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Rückruf bei General Motors: Mary Barras erste Prüfung 

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Die neue Vorstandsvorsitzende von General Motors muss sich mit einem peinlichen Rückruf auseinandersetzen. Jetzt meldet sie sich zum ersten Mal in der Affäre selbst zu Wort.

Mary Barra hat Mitte Januar ihren Posten als Vorstandsvorsitzende des amerikanischen Autokonzerns General Motors (GM) angetreten, und nur wenige Wochen später findet sie sich in der Rolle der Krisenmanagerin wieder. Denn GM ist nach einem umfangreichen Rückruf in Erklärungsnot geraten. Fehlerhafte Zündschlösser haben den Konzern dazu veranlasst, mehr als 1,6 Millionen Autos zurückzurufen, die meisten davon in den Vereinigten Staaten. GM bringt mit dem Defekt 31 Unfälle in Verbindung, bei denen es 13 Todesfälle gegeben hat. Was das Unternehmen dabei schlecht aussehen lässt, ist der Umstand, dass die Autos erst jetzt zurückgerufen werden. Denn GM hat selbst zugegeben, dass die Schwierigkeiten mit den Zündschlössern schon im Jahr 2004 aufgefallen sind.

Nun hat sich Mary Barra zum ersten Mal selbst in der Affäre zu Wort gemeldet. In einem Brief an die GM-Mitarbeiter sagte sie, sie bedaure zutiefst „die Umstände, die uns an diesen Punkt gebracht haben.“ Gleichzeitig gab sie sich aber auch kämpferisch: „Das Ansehen unseres Unternehmens wird nicht von dem Rückruf selbst geprägt werden, sondern davon, wie wir das Problem von jetzt an anpacken.“

Gleichzeitig schien sich Barra persönlich von etwaigen Vorwürfen zu distanzieren, dass GM nicht schnell genug reagiert habe. Die Entscheidung über einen Rückruf liegt nach ihren Worten bei „erfahrenen technischen Experten“, die ihre Arbeit unabhängig von Managern in anderen Geschäftsbereichen erledigten. Barra sagte, ihr Team sei vor wenigen Wochen über die Angelegenheit unterrichtet worden, und von da an habe GM Schritte ergriffen, die weit über die Entscheidung der technischen Experten hinausgehen. Eine Gruppe hochrangiger Manager unter ihrer Führung habe sich der Sache angenommen.

Betroffen von dem Rückruf sind Fahrzeuge bis zum Modelljahr 2007, darunter das Kompaktauto Chevrolet Cobalt oder der Sportwagen Pontiac Solstice. Wie GM in der vergangenen Woche mitteilte, kann der Zündschlüssel bei den betroffenen Autos ohne Einwirkung des Fahrers auf die „Aus“-Position springen, zum Beispiel wenn es eine Erschütterung auf holpriger Straße gibt oder wenn der Schlüsselbund zu schwer ist. In einem solchen Fall könne sich der Motor abschalten ebenso wie andere elektrische Komponenten. Dies wiederum könne dazu führen, dass sich Airbags nicht öffnen.

Die amerikanische Verkehrssicherheitsbehörde NSTSA hat Ermittlungen eingeleitet und geht der Frage noch, ob GM die Autos rechtzeitig zurückgerufen hat. Sollte die Behörde zu der Auffassung kommen, dass der Rückruf zu spät kam, könnte GM eine Geldstrafe drohen.

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