
Mit hoher Auflösung und kleinen Maßen will der Thinkpad 8 von Lenovo überzeugen. Der Versuch, das Tablet als Windows-8-Maschine für den Büroeinsatz zu konfigurieren, war eine beschwerliche Übung.
Mit dem iPad kann man nur konsumieren und eigene Inhalte eher schlecht als recht erstellen. Diesen Vorwurf hört man seit den Anfangszeiten von Apples Tablet PC. An den Textverarbeitungsprogrammen kann sich diese Kritik nicht mehr entzünden, hervorragende Apps gibt es zuhauf. Es sind wohl eher Details wie der fehlende Standard-USB-Anschluss, um schnell Daten von einem Speicherstick zu holen, oder die mangelnde Übersichtlichkeit, wenn man es vom PC gewohnt ist, mit mehreren Fenstern diverse Inhalte gleichzeitig im Blick zu haben.
Autor: Michael Spehr, Jahrgang 1964, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
Diese Klagen hat Microsoft für seine Tablet-Werbung gern aufgegriffen. Ein Windows-Gerät biete mehr Produktivität. Aber um welchen Preis? Bisher vermochten wir uns mit den großen Surface-Modellen nicht anzufreunden. Doch nun hat uns Lenovo das Thinkpad 8 geschickt, das richtig Lust auf Windows weckt. Dieses Tablet ist kaum größer als ein iPad Mini, es misst 22,4 × 13 × 0,8 Zentimeter, ist also im Querformat gehalten nur ein bisschen breiter als das Apple-Pendant und damit auch deutlich sofatauglicher als die bisherigen Breitbildmodelle von Microsoft. Mit einem Gewicht von genau 400 Gramm ist es unmerklich schwerer als das iPad Mini (331 Gramm). Die Verarbeitungsqualität überzeugt sofort, indes, der Knüller ist die technische Ausstattung: Das Thinkpad 8 kommt mit einem vollwertigen Windows 8.1 Pro in der 32-Bit-Variante und bietet eine Bildschirmauflösung von 1920 × 1200 Pixel auf einer Diagonale von 21 Zentimeter. Und nicht nur das: Dank Micro-HDMI-Ausgang lässt sich der Inhalt auf einem TV-Bildschirm oder PC-Monitor wiedergeben.
Klein genug selbst für beengte Platzverhältnisse
Diese technischen Daten lassen sofort erahnen, welches Anwendungs-Szenario Lenovo im Blick hat. Im Unterwegs-Einsatz verhält sich der Thinkpad 8 mit seiner Kacheloberfläche, die nicht mehr Metro genannt werden soll, als Vorzeige-Tablet: klein genug selbst für die beengten Platzverhältnisse in der Bahn und ausdauernd sogar bei den allfälligen Verspätungen, die gemessene Akkulaufzeit liegt bei sieben Stunden und mehr. Im Büro oder Hotelzimmer verbindet man den flachen Boliden mit Monitor oder Fernsehgerät und arbeitet fortan mit einem „richtigen“ PC unter Windows 8.1 ohne Kompromisse. Weiterhin stechen auch USB und Micro-SD das iPad aus, man kann mit einem vollwertigen Microsoft Office arbeiten und nicht zuletzt Windows-Software aller Art installieren.
Das hört sich nicht nur gut, sondern fast schon zu gut an. Die Tücken liegen wie immer im Detail. Am meisten Freude bereitet der Umgang mit dem Gerät im Metro-Modus. Dank großer Kacheln und Fingersteuerung macht die Bedienung durchaus Spaß. Auffallend allerdings: Beim Drehen des Geräts von der Horizontalen in die Vertikale oder umgekehrt vergehen zwei Sekunden bis zur Umsetzung. E-Mail, Internet, Skydrive, Skype, Twitter und Facebook hat man in diesem Modus mühelos im Griff, und man kann sogar die Fenster von zwei Apps nebeneinander stellen.
Wer von den Kacheln auf die Desktop-Oberfläche umschaltet, findet zwar die beschriebene Full-HD-Auflösung vor, an der Qualität der Anzeige gibt es nichts zu kritisieren. Allerdings ist der Windows-Modus aufgrund kleiner Schaltflächen und Menüs nur schlecht zu bedienen. Wo der Finger scheitert, kann ein Stift überaus hilfreich sein, er gehört nicht zur Serienausstattung. Das Arbeitstempo des Intel Z3770 Quad Core, dem nur zwei Gigabyte Arbeitsspeicher zur Seite gestellt werden, ruft keine Begeisterung hervor. Der Prozessor ist auf Energieeffizienz getrimmt, mit einem Android-Tablet wäre er ein Renner, aber auf einem Windows-Rechner in Verbindung mit anspruchsvoller Software geht man Kompromisse ein.
Bluetooth 4 und W-Lan sind an Bord
Unser Testgerät kam mit einer 64-Gigabyte-SSD-Festplatte, die reale 48 Gigabyte Speicherplatz bietet, und davon wiederum waren fast 20 Gigabyte von Windows belegt. Es bleibt also nur die Hälfte für eigene Daten. Microsoft Office ist zwar in einer Demoversion vorinstalliert, gehört aber entgegen anderslautender Berichterstattung nicht zum Lieferumfang. Bluetooth 4 und W-Lan sind an Bord, ferner gibt es eine Variante mit eingebautem Mobilfunkmodem.
Unser Versuch, das Thinkpad als Windows-8-Maschine für den Büroeinsatz zu konfigurieren, war eine beschwerliche Übung. Über den seitlich angebrachten Micro-HDMI-Ausgang kann man zwar mit entsprechenden Adaptern wahlweise einen PC-Monitor oder ein Full-HD-Fernsehgerät anschließen. Aber im Bildübertragungs-Modus „Duplizieren“ erscheint auf den beiden externen Anzeigen nur ein kleiner Bildschirmausschnitt mit mickrigen 1152 × 864 Pixel plus üppigem schwarzem Trauerrand ringsum. Das kann es nicht sein. Nur in den Modi „Erweitern“ und „Zweiter Bildschirm“ lässt sich das externe Gerät mit Full HD nutzen.
Zum Arbeiten benötigt man dann aber noch Maus und Tastatur. Wer mit dem unkomplizierten Anschluss via USB liebäugelt, erlebt die nächste Enttäuschung, obwohl die Nachricht eigentlich positiv ist: Der USB-Port gehorcht dem aktuellen 3.0-Standard für besonders schnelle Datenübertragung. Aber er hat auch die 3er-Buchse, so dass man abermals einen Adapter benötigt. Oder man bindet die Eingabegeräte mit Bluetooth an. Stift, Adapter, Maus und Tastatur blähen dann doch wieder das Reisegepäck auf, und die Stimme der Vernunft sagt, dass ein kompaktes Notebook die bessere Lösung ist. Als Windows-Tablet ist der Lenovo jedoch ungeschlagen. 450 Euro kostet er in der kleinsten Variante ohne Mobilfunk. Sein wichtigster Rivale ist der Encore WT 8 von Toshiba mit ähnlichen Maßen. Dieser ist zwar etwas günstiger, bringt aber einen deutlich langsameren Prozessor und eine unbefriedigende Displayauflösung von 1280 × 800 Pixel mit.
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