
Sony steckt große Sensoren in spiegellose Kameras: Die Alpha 7 punktet mit ihrer anderen Systemkameras überlegenen Bildqualität – ihr Preis von 1700 Euro ist aber auch konkurrenzlos.
Wer von der Sony Alpha 7 (oder: A7) das Objektiv abnimmt, bekommt einen Schreck: So groß und so dicht hinter dem Rand des Bajonetts befindet sich wie geradezu nackt der 24-Megapixel-Vollformat-Sensor. Wo man bislang einen solchen Sensor von der Größe eines Kleinbild-Dias (oder -Negativs) in einer DSLR antraf, entzog ihn zunächst der Schwingspiegel dem Blick, und nach dessen Hochklappen lag die spiegelnde Fläche des Sensors tiefer, deutlicher beschützt im Innern des Gehäuses. Und dieses war stets um einiges größer, als es die A7 und ihr Schwestermodell, die A7R mit dem 36-Megapixel-Vollformatsensor, sind. Von nun an ist nicht mehr das APS-C-Format (meist 15,8 × 23,6 Millimeter) das Maß der Dinge bei den spiegellosen Systemkameras, sondern die knapp 24 × 36 Millimeter, die im kompakten Body der A7 noch ein wenig größer wirken, als sie sind.
Autor: Hans-Heinrich Pardey, Jahrgang 1949, Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.
Für besonders klein und leicht können Sonys neue Vollformat-Kameras aber nur gegenüber ausgewachsenen DSLRs gelten: Mit dem Kit-Objektiv FE 1:3,5-5,6/28-70mm komplett knapp 800 Gramm auf die Waage bringend ist die A7 auch durch den Preis von rund 1700 Euro als Vollformat-Kamera konkurrenzlos. Unter ihresgleichen, den DSLMs (wie Digital Single Lens Mirrorless), sind sie und die A7R – nicht zuletzt durch die vom Sensorformat diktierte Größe der Wechseloptiken – nette Brocken. Deren Handlichkeit lässt nichts zu wünschen übrig, was ebenso für die nicht wenigen, aber über die Kamera sehr gut verteilten und vielfach vom Benutzer nach eigenem Geschmack konfigurierbaren Bedienelemente gilt. Die ausgezeichnet griffige Haptik der A7, die damit professionellen Ansprüchen genügt, hat nur die Kehrseite, dass sich die gummierten Flächen am wetterfesten Gehäuse und Objektiv Staub und Krümel krallen, um sie nicht so schnell wieder herzugeben.
Was lässt sich an der A7 vermissen?
Der wesentliche Unterschied zu einer Spiegelreflex offenbart sich beim Blick durch den Sucher: Der zeigt kein vom Prisma umgekehrt gespiegeltes Bild, sondern lässt auf einen kleinen Monitor blicken, dessen mit so vielen (und so wenigen) Einblendungen wie gewünscht zu bereichernde Ansicht nur als hervorragend zu bezeichnen ist. Dieser EVF (Electronic Viewfinder) straft alle Lügen, die immer noch davon unken, ein elektronischer Sucher tauge nicht zur Bildbeurteilung. Selbstverständlich kann man mit der A7 auch am ausgestreckten Arm fotografieren und dabei das kippbare, ebenfalls fein zeichnende Display benutzen.
Was können DSLRs nach landläufiger Überzeugung außerdem besser als DSLMs? Ihr Autofokus sei schneller, heißt es, obwohl das längst nicht mehr uneingeschränkt für alle und jede gilt. Auch in diesem Punkt braucht sich die Sony A7 nicht zu verstecken: Mit ihren 117 auf dem Sensor untergebrachten Messpunkten legt sie mittels Phasendetektion ein ordentliches Tempo vor. So richtig punktet die A7 aber nicht mit ihrer – bis auf die kamerainterne Bildbearbeitung – vollständigen und komplexen Ausstattung, sondern einfach mit ihrer überlegenen Bildqualität. Und die erscheint nicht einfach bloß der schieren Größe des Sensors geschuldet.
Was lässt sich an der A7 vermissen? Mehr als ein eingebauter Blitz eine ins Gehäuse integrierte Bildstabilisierung, die das Kitobjektiv allerdings mitbringt. Vor allem aber wünscht man sich mehr Objektive mit dem Kürzel FE, das die Tauglichkeit für den Vollformatsensor bedeutet. Sich mit einem Adapter zu behelfen ist keine gute Lösung für den, der mit dieser Kamera ins Vollformat einsteigt.
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