
Dank spezieller Computerprogramme lässt sich die Sehschärfe trainieren und verbessern. Eine Errungenschaft nur für Sportler und Polizisten?
Langes Starren auf Bildschirme gilt gemeinhin als schädlich für die Augen. Doch mit den richtigen Programmen kann offenkundig das Sehen sogar verbessert werden. Das haben Forscher von der University of California in Riverside an den Spielern des Baseballteams ihrer Universität gezeigt. An einem Computer mussten die Sportler aus einer bestimmten Entfernung immer schwächer werdende Muster – sogenannte „Gabor-Patches“ – erkennen und beispielsweise nach deren Ausrichtung sortieren.
Nach einer Testphase von zwei Monaten mit vier 25-minütigen Trainingseinheiten pro Woche wurden die Sehleistungen der Probanden an einer „Snellen-Tafel“ überprüft. Eine Snellen-Tafel ist ein häufig bei Optikern und Augenärzten anzutreffendes Plakat, auf dem die dargestellten Buchstaben und Zahlen immer kleiner werden.
Die Ergebnisse, die jetzt in der Zeitschrift „Current Biology“ publiziert wurden, können sich sehen lassen: Im Schnitt nahm die Sehschärfe der getesteten Studenten im Laufe des Experiments um 31 Prozent zu. „Darunter waren sieben Versuchsteilnehmer, die am Ende des visuellen Trainings einen Text aus einer Distanz lesen konnten, die dreimal so groß war wie bei einer Person mit normaler Sehschärfe“ berichtet Aaron Seitz, einer der drei Autoren der Studie. Wie gut die sieben Probanden bereits vorher sehen konnten, lässt sich aus seiner Studie allerdings nicht entnehmen.
Sportliche Leistung gesteigert
Das verwendete Programm verbesserte nach Aussagen der Forscher aber das Spiel der Baseballmannschaft signifikant. In ihrer Publikation verglichen sie die Leistungen der Probanden mit einer Kontrollgruppe, die nicht am visuellen Training teilgenommen hatte, sowie mit allen anderen Mannschaften der amerikanischen Universitätsliga. Dabei bezogen sie sich etwa auf die mittlere Zahl der gültige Schläge, nach denen der Schlagmann die erste Base erreicht, oder sogenannter „Strike Outs“, bei denen der Ball dreimal verfehlt wird. In sämtlichen Kategorien schnitten die Versuchsteilnehmer mindestens dreimal besser ab als die Kontrollgruppen.
Das Computerprogramm ändere dabei in keinster Weise die optischen Eigenschaften der Augen. Der erzielte Effekt beruhe ausschließlich auf einer besseren Verarbeitung der Signale, die im visuellen Cortex eingehen, so die Forscher. „Wie bei den meisten menschlichen Fähigkeiten ist unser Potential auch hier größer als die im Schnitt gebrachte Leistung. Wir können unsere physische Fitness durch Training steigern – dasselbe trifft auch für unsere mentale Fitness zu“, so Aaron Seitz. Die Teilnehmer der Studie gaben nach dem Experiment unter anderem an, den Ball im Spiel besser erkennen und weiter in die Ferne sehen können sowie ein höheres Auflösungsvermögen zu besitzen.
Die Forscher aus Kalifornien sind nicht die ersten, die diese Methode anwenden. Ähnliche Programme bieten private Unternehmen als Therapie bei Sehschwächen oder nach einer Laserkorrektur der Augen an. Die amerikanischen Wissenschaftler haben nach eigenen Angaben jedoch erstmals bewiesen, dass ein solches visuelles Training auch die Sehschärfe von normal sehenden Menschen verbessern kann.
Als nächstes wollen sie die Methode an kalifornischen Polizisten erproben, und dabei auch andere Aspekte der Kognition trainieren, wie das Erinnerungsvermögen oder die Aufmerksamkeit.
