Lebensstil

Design für Haustiere: Ab ins Körbchen

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Die Deutschen lieben ihre 31 Millionen Haustiere. Nur passen Käfige oder Kissen für die Lieblinge selten zur Einrichtung. Ein paar Tierhalter ändern das gerade.

Die Suche nach einem geeigneten Stall sollte nicht einfach werden. Das dämmerte Frédéric Stouls bereits bei der Suche nach dem Kaninchen für die Patentochter. Es war das Jahr 2010, und der Franzose war gerade zurück nach Paris gezogen, hatte zuvor längere Zeit in New York verbracht und dort in der Finanzwelt gearbeitet. Dort, wo viele Menschen bis spät am Abend im Büro sitzen und anschließend zu Hause oft ausschließlich von ihren Haustieren begrüßt werden. Stouls war mit dem Eindruck zurück nach Paris gezogen, dass es zu einer tollen Wohneinrichtung längst passende Käfige oder Hundekörbchen geben müsste. Die Abnehmerzahl schien ihm, nach seinen Erfahrungen in New York, ja nicht allzu gering.

Zurück in Paris, wünschte sich seine Patentochter also ein Kaninchen, und weil das nun einmal irgendwo wohnen muss, machte sich Stouls auf die Suche. „Ich habe es wirklich versucht, aber ich fand nur Scheußlichkeiten“, erzählt der Patenonkel. Also kaufte er erst mal irgendeinen Käfig, „einen vorläufigen, einen schrecklichen. Sechs Monate später, zu Weihnachten, dachte ich, dass es nun doch ein schönerer sein müsste.“ Und wieder – er fand nichts. „Die Eltern meiner Patentochter haben an den Wänden viel moderne Kunst hängen. Dazu gab es einfach nichts, was gepasst hätte – bis ich irgendwann bemerkte, dass genau das doch die Geschäftsidee sein könnte.“

Einrichtung mit Käfig und Körbchen im Einklang

Stouls suchte sich einen Designpartner und ließ erste Prototypen fertigen. Einen Vogelkäfig, der auf den Kufen eines Schaukelstuhls steht. Ein grau bezogenes Hundesofa, das wie eine Höhle zum Verkriechen geformt ist und das dennoch zu den vielen grau bezogenen Designersofas für Menschen passen würde. Und natürlich einen Kaninchenkäfig mit extralangen Beinen, einem geräumigen Häuschen und drum herum viel Holz. Vor einem guten Jahr sind Stouls Stücke, die nun unter dem Label Chimère laufen, in Serie gegangen. „Wer mit einer hochwertigen Einrichtung lebt und sich dieses Bild bewahren möchte, war ja beinahe genötigt, die Käfige in die Waschküche oder ins Badezimmer zu stellen.“ Die Stücke von Chimère sind hingegen für das Wohnzimmer gedacht.

Natürlich kann man solchen Luxus auch für unnötig halten. Andererseits: Wer sich ein teures Sofa für das Wohnzimmer leistet, hat nicht viel davon, wenn er sich ständig über das Plastikzuhause des Tieres ärgert, das gleich danebensteht.

Stouls ist nicht der Einzige, der so denkt. Vom Tierhalter zum Tiermöbelfabrikant, so lauten überraschend viele Lebensläufe, wenn man nachfragt: „Wir hatten einen Hund, aber kein Körbchen, das in die Wohnung gepasst hätte“, sagt zum Beispiel Nicola Sacher, Gründerin der Marke Mungo &amp- Maud. Sie entwarf ein graues, großes Kissen, eigentlich ganz simpel, „das sah auf einmal stimmig aus“. Mittlerweile verkauft sie ihre Stücke in Kaufhäusern wie Harrods und Barneys. Die Hundebetten der britischen Marke Wowbow könnten indes auch ihren Platz im Katalog der italienischen Designfirma Kartell haben. Deren Möbel sind aus Plexiglas gefertigt – wie die Betten von Wowbow. Die sind rot, seegrün, transparent, mit Kissen aus unechtem Wildleder ausgelegt. Vor allem aber fehlt das Chichi, das in der Welt des gehobenen Tierzubehörs noch bis ungefähr vorgestern unausweichlich schien.

Bis dahin hatten Tierhalter zwei Möglichkeiten: Sie konnten bei Fressnapf den nächstbesten Korb kaufen, oder sie konnten Paris Hilton spielen und den Hund mit einer Warenwelt aus billigem Plüsch, Strass und viel Pink ausstaffieren. Nur halten die Deutschen schätzungsweise 31 Millionen Haustiere, das hat der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe ermittelt. Die Deutschen hatten somit zwei Möglichkeiten – für 31 Millionen Tiere.

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