Finanzen

Der F.A.S.-Stresstest: Banken im Sicherheits-Check

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Mehr als fünf Jahre nach Lehman sind die Banken immer noch fragil. Zu wenig Kapital, zu viel Kredit. Höchste Zeit für einen Stresstest.

Eine ganze Horde von Wirtschaftsprüfern ist in der vergangenen Woche ausgeschwärmt. Sie wohnen jetzt in ungemütlichen Hotels, malochen rund um die Uhr, prüfen emsig Akten und Dateien. Ihr Augenmerk gilt: den Bankbilanzen. Diese Zahlenfreaks sind von den Aufsichtsbehörden zu Hunderten angeheuert worden, um eine gewaltige Aufgabe zu stemmen. Sie alle beschäftigen sich mit demselben brisanten Thema: dem Bilanz-TÜV für Europas Banken – dem Auftakt zum großen Stresstest.

Es geht um viel. Sparer und Steuerzahler sollen endlich erfahren: Wie sicher ist meine Bank? Wem kann ich vertrauen? Klar ist: Es fehlen nach wie vor Milliarden an Kapital in Europas Bankensystem. Aber welche Banken sind es, die noch immer zu schwach auf der Brust sind – heute, mehr als fünf Jahre nachdem die Lehman-Pleite die Welt erschütterte?

Bis zum Herbst sollen die Ergebnisse vorliegen. Das Verfahren geht dabei so: Die Bankenaufseher spielen zwei Szenarien für die Zukunft der Weltwirtschaft durch, samt Abschwung, Arbeitslosigkeit und Kurseinbruch. Dann überprüfen sie, ob die Banken noch Kapital genug hätten, um alle Risiken zu schultern. Im harmloseren Fall, dem „Basis-Szenario“, müssen die Banken noch ein Eigenkapitalpolster von acht Prozent der Bilanzrisiken aufweisen. Im schlimmeren Stress-Fall noch 5,5 Prozent. Dieser Test ist damit zumindest etwas strenger als der bislang letzte Stresstest 2011.

Banken, die durchfallen, brauchen dann zusätzliches Kapital: Das können entweder die Aktionäre bereitstellen. Oder, wenn die dazu nicht bereit oder in der Lage sind, muss womöglich der Steuerzahler in irgendeiner Form wieder ran. Umstritten ist, inwieweit man die Gläubiger beteiligt. Elke König, die Chefin der deutschen Bankenaufsicht Bafin, hat vorige Woche vorsorglich vor dem Finanzausschuss des Bundestages gefordert: Man solle den Bankenrettungsfonds Soffin, mit dem die Steuerzahler die Banken in der Krise gerettet hatten, bis nach den Tests offen lassen. Das sei eine „Option, wenn man ruhig schlafen will“.

Nicht nur für Südeuropa sind die Stresstests heikel

Wo geheime Löcher gefunden werden, ist zwar nicht vorherzusehen. Bekannt ist aber, wie viel Eigenkapital die Banken haben. Und auch Hinweise auf Risiken gibt es. Der Berliner Wirtschaftsprofessor Sascha Steffen hat zusammen mit seinem Kollegen Viral Acharya von der New York University vorab eine Vielzahl von Kennzahlen zu Europas Banken durchleuchtet (siehe Grafik). So kann man am Anteil der faulen Kredite erkennen, welche Banken heikles Geschäft haben. Und an den sogenannten „CDS-Spreads“ sieht man, welchen Zinsaufschlag eine Bank zahlen muss, wenn sie sich Geld leiht – auch ein Indiz für Risiken.

Das Ergebnis: Man darf nicht glauben, die Stresstests würden nur heikel für Südeuropa. Bankenexperte Steffen meint: „In Deutschland dürften die Landesbanken zu den heiklen Fällen gehören.“ Sie seien nach der Finanzkrise von den Ländern nicht ausreichend mit Kapital versorgt worden. „Die HSH Nordbank etwa hat vergleichsweise wenig Eigenkapital – und ein großes Kreditvolumen in der heiklen Schiffsfinanzierung.“ Da kann es zumindest nicht abschließend beruhigen, dass HSH-Chef Constantin von Oesterreich versichert: „Unsere Kapitalquoten halten nach unserer Einschätzung jedem ernstzunehmenden Szenario stand.“

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