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Europa-Abgeordneter verlässt FDP: „Rösler und Merkel haben Schwachsinn gemacht“

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Der Europaabgeordnete Jorgo Chatzimarkakis will aus der FDP austreten – weil Philipp Rösler mit Kanzlerin Merkel „so viel Schwachsinn in der Eurokrise“ gemacht habe. Die Abrechnung mit den Liberalen könnte Wasser auf die Mühlen der AfD sein.

In grauer Vorzeit, als die FDP noch eine stolze und vor allem eine im Bundestag vertretene Partei war, gab Jorgo Chatzimarkakis mit Vorliebe den liberalen Lautsprecher. Gegen die Sozialdemokraten und für den freien Markt, gegen das kleingeistige politische Establishment und für mehr Authentizität im politischen Betrieb: Selbstbewusst wie Nicolas Sarkozy polterte er mitunter durch die Redaktionen, und selbst die größten Vergleiche waren dem griechischstämmigen Saarländer mit zwei Pässen nicht groß genug, wenn es um die FDP ging, seine FDP. Klartext reden, darauf hielt Chatzimarkakis schon immer große Stücke. Auch wenn seine Parteifreunde manchmal entnervt mit den Augen rollten.

„Philipp Rösler hat so viel Schwachsinn gemacht“

Selbst jetzt, ein paar Jahre und viele Enttäuschungen später, bleibt Chatzimarkakis sich und seinem Klartext treu – auch wenn er das letzte Mal die Liberalen betrifft: In einem Interview mit der „tageszeitung“ kündigte der frühere saarländische FDP-Generalsekretär seinen Austritt aus der FDP an. Die Begründung: der Euro-Kurs der Partei. „Der frühere Parteichef Philipp Rösler hat mit (Bundeskanzlerin Angela) Merkel so viel Schwachsinn in der Eurokrise gemacht, da hört bei mir die Freundschaft auf“, sagte Chatzimarkakis. Er habe bei der Bundestagswahl auch nicht die FDP gewählt, weil sie sich antieuropäisch verhalten habe. „Ich habe die Große Koalition gewählt“, sagte Chatzimarkakis.

Für viele in der nicht eben von der Sonne verwöhnten FDP ist das ein weiterer Tiefschlag. Nicht, dass ein weiterer Politiker die Partei verlässt, dafür sind schon zu viele gegangen. Im Saarland, wo die FDP bis vor zwei Jahren noch hochfliegender Juniorpartner in einer Jamaika-Regierung war, haben sich fast alle prominenten Parteimitglieder in die Wirtschaft verabschiedet. Der frühere Parteivorsitzende Christoph Hartmann hat bei einer Frankfurter Unternehmensberatung angeheuert, sein Nachfolger, der frühere Bundestagsabgeordnete Oliver Luksic, arbeitet jetzt für das saarländische Pharmaunternehmen Kohlpharma in Merzig.

Wasser auf die Mühlen der AfD

Doch die Art und Weise, das verbale Nachtreten des einstigen Lautsprechers, dürfte vielen in der Partei sauer aufstoßen – selbst wenn Chatzimarkakis‘ Schritt sich seit längerem angedeutet hatte. Schon lange hatte er sich von der FDP entfremdet- im Januar schließlich kündigte er an, bei der Europawahl im Mai mit einer eigenen politischen Bewegung, der “Partei der hellenischen Europabürger“, in Griechenland zu kandidieren. Auch wenn er dies ohne Doktortitel tun muss, der ihm Mitte 2011 wegen eines Plagiatsverdachts aberkannt worden war.

Chatzimarkakis‘ harte Worte dürften indes nicht nur die Liberalen ärgern, sondern auch die Kanzlerin. Denn seine Abrechnung auch mit Merkels Rettungspolitik ist Wasser auf die Mühlen der eurokritischen Alternative für Deutschland (AfD), die bei den Europawahlen die Enttäuschten abfischen will. „Ich werde mittlerweile als griechischer Patriot wahrgenommen, der nichts mehr mit Merkels Europapolitik zu tun haben möchte“, sagte Chatzimarkakis der „taz“. Gut möglich, dass das bei der Europawahl auch viele Wähler sagen.

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