
Der umstrittene Genmais 1507 steht vor einer Zulassung in der EU. Damit stellt sich für viele die Frage: Wie steht es um die Sicherheit? Zwei neue Genpflanzen-Studien zeigen, weshalb die Bundesregierung die Neuerung nicht ablehnt.
Was die amerikanischen Insektenkundler in diesen Tagen über die gentechnisch aufgerüsteten Nutzpflanzen, über Mais und Baumwolle vor allem, zu sagen haben, wollen viele in Europa nicht hören. Die Entomologen-Gesellschaft ist sich ganz sicher: Genpflanzen mit eingebautem Insektenvernichtungsmittel sind harmlos – harmloser jedenfalls als viele der herkömmlich auf den Feldern versprühten Insektiziden. Und das soll nicht nur für den Menschen gelten, was toxikologisch hinlänglich getestet und für Ökolandwirte auch der Grund ist, das betreffende Bt-Gift gerne zu verwenden. Nein, auch für die Nützlinge auf den Feldern gibt es Entwarnung. Zwei neue wissenschaftliche Belege dafür hat der Insektenkunde-Verband jetzt in Fachjournalen vorgestellt.
Bei den beiden Studien ging es um verschiedene Bt-Gifte, die in in den allermeisten Genpflanzen verwendet werden. Bt-Toxine stammen aus dem im Boden vorkommenden Bakterium Bacillus thuriengiensis. Für die grüne Gentechnik werden Nutzpflanzen mit einem Gen aus dem Bakterium ausgestattet, das die Bauanleitung für ein spezielles Protein – das Bt-Toxin- Molekül – trägt. Bei der zum allgemeinen Anbau verhandelten Genmaissorte 1507 der amerikanischen Firma DuPont Pioneer, die als Futtermittel schön längst nach Europa importiert wird, handelt es sich um das Toxin Cry1F. Wie die oft nur leicht verändert aufgebauten ebenfalls häufig verwendeten Cry1Ac oder Cry1Ab aus anderen Bt-Pflanzen, wird dieses spezielle Bt-Giftmolekül als harmloses, dreigliedriges Protein produziert. Seine aktive, giftige Wirkung entfaltet es erst, wenn es in den Darm bestimmter Fraßinsekten gelangt, wo es die Darmwand praktisch durchlöchert. Mehr als 170 natürlich vorkommende Bt-Gift-Varianten sind bekannt.
In Genpflanzen wird ein Teil davon verwendet. Das geschieht durch den gezielten Einbau des entsprechenden Gens in das Erbgut der Nutzpflanze, und zwar so, dass es sich in den Zellen der für die Fraßinsekten attraktiven Blätter anreichert. Je nachdem, welche Genkonstrukte eingebaut werden und in welchen Kombinationen (etwa Resistenz verleihende Gene gegen spezielle Unkrautvernichtungsmittel wie bei Genmais 1507), erhalten die Genpflanzen unterschiedliche Bezeichnungen der Hersteller. Mehr als 70 Millionen Hektar werden inzwischen jedes Jahr mit Nutzpflanzen angebaut, die gentechnisch mit Bt-Giften aufgerüstet worden sind.
Seit vielen Jahren hält allerdings die Debatte an, inwiefern die in Genpflanzen angereicherten Bt-Gifte beim Verzehr für nützliche Insekten schädlich sein könnten. Eine entscheidende Metaanalyse dazu ist schon mehr als fünf Jahre alt. Michelle Marvier von der Santa Clara University in Kalifornien und Peter Karveia, wissenschaftlicher Leiter einer der größten amerikanischen Naturschutzorganisationen hatten sie mit 42 Einzelstudien vorgenommen und resümierten: Nicht-Zielorganismen des Insektengiftes werden auf Feldern mit Genpflanzen weniger geschädigt als auf Äckern, die mit Insektenvernichtungsmitteln besprüht werden. Nur der völlige Verzicht auf Insektizide schneidet ökologisch besser ab, allerdings fallen dann die Erträge für den Landwirt deutlich geringer aus.
In den beiden neuen Studien haben die amerikanischen Entomologen um Anthony Shelton von der renommierten Cornell University die Wirkung auf zwei Raubwanzenarten sehr detailliert untersucht. Diese Nützlinge sorgen auf den Feldern, insbesondere auch auf Mais- und Baumwollfeldern, für die natürliche Kontrolle von Schädlingen – Raupen etwa. Die Wissenschaftler haben die Schädlinge im Labor an Bt-Blättern fressen lassen, und zwar ganz gezielt solche Larven, die inzwischen widerstandsfähig gegen das Bt-Gift sind und deshalb auch das Toxin zum Teil anreichern. Getestet wurden drei unterschiedliche Bt-Toxine, darunter auch das in Genmais 1507 verwendete Cry1F.
