Wirtschaft

Taxifahrer legen Verkehr lahm

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Die Pariser Taxifahrer fühlen sich von Motorrad- und Mitfahrzentralen bedroht und treten in den Streik. Für die Regierung wird der Konflikt zur Belastungsprobe.

Vier Spuren in jede Richtung, 35 Kilometer lang – die Ringautobahn um Paris bietet trotz ihrer Größe an normalen Tagen schon wenig Platz für den dichten Autoverkehr der französischen Hauptstadt. Doch am gestrigen Montag war der „Boulevard Périphérique“ zeitweise ein riesiger Parkplatz. Denn die Taxifahrer blockierten den Verkehr, um gegen neue Konkurrenten zu protestieren. Der seit einem Jahr schwelende Konflikt ist für die Regierung zu einer neuen Belastungsprobe geworden. Sie muss sich bald entscheiden zwischen der Lobby der Taxifahrer, die um ihre Besitzstände kämpft, und neuen Anbietern, die auf die Bedürfnisse der Kunden eingehen wollen.

Die Pariser Taxis gelten seit Jahren als unvorteilhaftes Aushängeschild der Seine-Metropole – gerade für ausländische Touristen. Die Zahl der Taxis ist geringer als in den dreißiger Jahren, sie stecken oft im Stau, viele nehmen keine Kreditkarten, und der Komfort der Autos sowie die Freundlichkeit mancher Fahrer lässt zu wünschen übrig. Die mächtige Lobby der schnell streikbereiten Taxifahrer hat bisher die meisten Reformversuche blockiert.

230.000 Euro für eine Lizenz

Doch seit 2009 sind sogenannte Touristen-Fahrzeuge (VTC) erlaubt. Gegen die geringe Gebühr von rund 100 Euro kann fast jedermann sich eine Lizenz erwerben und Chauffeur eines solchen Taxi-Konkurrenten werden. Sie arbeiten mit Festpreisen und Vorbestellung, dürfen aber nicht an Taxiständen halten oder Kunden am Straßenrand aufgabeln.

Die traditionellen Taxifahrer, die anders als die VTC mit Taxameter und Außenlichtern ausgestattet sind, empfinden die Wettbewerber als Billig-Konkurrenz, die alle Freiheiten hat. Denn die klassischen Taxifahrer müssen heute in Paris rund 230.000 Euro für eine Taxi-Lizenz bezahlen- viele haben sich dafür hoch verschuldet und wollen den Verkauf ihrer Lizenz zur Alterssicherung nutzen. Die Zahl der von der Regierung ausgegebenen Lizenzen hat sich in den vergangenen Jahren kaum erhöht.

Das wollen auch die Taxifahrer so, denn jede Lizenzvermehrung würde den Verkaufspreis senken. Die Regierung wollte der Taxilobby im vergangenen Jahr entgegenkommen, indem sie den VTC-Konkurrenten vorschrieb, dass ihre Kunden mindestens 15 Minuten vorher reservieren müssen. Doch der französische Staatsrat, der für die juristische Prüfung aller Gesetzesvorhaben zuständig ist, hat diese Anforderung in der vergangenen Woche für unrechtmäßig erklärt.

Motorradtaxis und Handy-Apps

Die Taxifahrer sind umso aufgebrachter, als ihnen auch andere Konkurrenten auf den Leib rücken. Zwischen dem Stadtzentrum und den Pariser Flughäfen bieten immer mehr Motorradtaxis ihre Dienste an. Wer wenig Gepäck hat und sich in einen warmen Anzug plus Helm zwängen will, hat zumindest die Garantie, schnell anzukommen, denn die Fahrer schlängeln sich geschickt zwischen den in Paris oft nur dahinschleichenden Autos durch.

Neuerdings bietet auch das amerikanische Unternehmen Uber einen Taxi-Dienst an, bei dem Privatleute ihre Fahrten mit den Kunden teilen – eine Art von Mitfahrgelegenheit im Stadtverkehr, die über Handy-Apps rasch zu vermitteln sein soll. Die Gewerbeaufsicht ermittelt jetzt allerdings auf den Verdacht hin, dass hier kommerzieller Personentransport betrieben wird.

Die Regierung will die Beteiligten nun nochmal intensiv konsultieren und in rund zwei Monaten entscheiden. Ökonomen haben schon mehrere Lösungsmodelle vorgeschlagen: Dass etwa der Staat die teuren Lizenzen aufkauft- doch dafür fehlt das Geld. Oder dass jeder Taxifahrer für eine teuer erworbene Lizenz eine kostenlose Lizenz erhält. Dann würde sich ihre Zahl verdoppeln, und der Verkäufer erhielte den gleichen Preis – von zwei Käufern. Ob es so käme, bewiese allerdings nur die Praxis. Die Lobby der Taxifahrer hat bisher jedoch fast jeden Feldversuch verhindert.