
Der Rentenfonds Carmignac Global Bond zählt zur Spitzengruppe unserer aktuellen Rangliste der 30 besten global anlegenden Rentenfonds. In den vergangenen drei Jahren hat er 12,6 Prozent zugelegt.
Jahrelang hatte der Fonds Carmignac Patrimoine der europäischen Konkurrenz das Fürchten gelehrt. Heute ist der Fonds, der einst das Maß der Dinge unter den vermögensverwaltenden Mischfonds war, in die breite Menge des Mittelmaßes zurückgefallen. Er liefert eine ordentliche Leistung, mehr nicht. Dennoch wäre es verfrüht, den französischen Fondsmanager Édouard Carmignac abzuschreiben. Der Mann, der trotz all seiner Erfolge nie im Establishment des Finanzplatzes Paris angekommen ist, führt nun einen Rentenfonds in die Spitzengruppe unserer aktuellen Rangliste der 30 besten global anlegenden Rentenfonds. Wie stets hat auch diese Woche das Fondsanalysehaus Lipper diese Bestenliste berechnet.
Mit einer Wertentwicklung von 12,6 Prozent in den vergangenen drei Jahren rangiert der Carmignac Global Bond erstmals in unserer Rangliste der besten globalen Rentenfonds. Damit ist der Carmignac-Fonds allerdings noch weit von unserem Spitzenreiter entfernt, dem M&-G Optimal Income, der auf eine Wertsteigerung von 31,6 Prozent für die vergangenen drei Jahre verweisen kann. In der Spitzengruppe hat sich seit unserer letzten Auswertung dieser Kategorie Anfang November vergangenen Jahres wenig verändert. Auf den vorderen Rängen finden sich – neben dem M&-G Optimal Income – der Templeton Global Total Return, der Lilux Umbrella Fund der Nobis Asset Management, der HSBC GIF Global High Income Bond oder auch der IfK Value Renten der kleinen, aber renommierten Frankfurter Fondsgesellschaft Acatis.
Mit seinem Plus von 12,6 Prozent in den vergangenen drei Jahren schneidet der Carmignac besser ab als der Durchschnitt der 131 Fonds großen Gruppe, der bei 8,7 Prozent liegt. Anders als beispielsweise der Lilux Umbrella Fund, der stark auf Unternehmensanleihen ausgerichtet ist, setzt Charles Zerah, der Fondsmanager des Carmignac Global Bond, auf Staatsanleihen aus Industriestaaten. Diese machten zuletzt gut 60 Prozent des Fondsvermögens von 544 Millionen Euro aus. Hinzu kam rund ein Drittel in Unternehmensanleihen aus Industriestaaten.
Carmignac Gestion geht beherzt riskante Anlagen an
Wie es für einen globalen Rentenfonds erwartet wird, ist der Fonds stark in Devisen engagiert. Mehr als die Hälfte des Fondsvermögens – zuletzt rund 58 Prozent – sind in amerikanischen Dollar angelegt und etwas mehr als ein Drittel in Euro. Hinzu kommen Positionen in australischen und kanadischen Dollar.
Allerdings ist sich Carmignac Gestion auch in diesem Punkt treu und geht beherzter riskante Anlagen an als viele andere Fondsmanager. Seine größten Einzelpositionen hält Zerah in Staatsanleihen aus der südlichen Europeripherie: aus Spanien, Italien und Portugal. Dieses Risiko versucht Zerah wohl dadurch aufzufangen, dass er stark in kurzen Laufzeiten engagiert ist. Fast drei Viertel des Fondsvermögens von 544 Millionen Euro liegen in Laufzeiten von weniger als fünf Jahren.
Wie breit die Spanne bei Rentenfonds ist, zeigt ein Vergleich mit unserem Spitzenreiter M&-G Optimal Income. Dessen Fondsmanager Richard Woolnough setzt auf viel längere Laufzeiten. Er hält nur 35 Prozent des Fondsvermögens von rund 20 Milliarden Euro in Fälligkeiten von weniger als fünf Jahren und dafür rund 37 Prozent in Laufzeiten von zehn Jahren und mehr. Zudem vertraut Woolnough deutlich weniger Geld den Regierungen an: Nur 23 Prozent des Fondsvermögens hält er in Staatsanleihen. Dafür machen bei ihm solide Unternehmensanleihen fast die Hälfte des Fondsvermögens aus.
Fallstricke auf den Anleihemärkten
Allerdings darf Woolnough „auch einen Teil des Portfolios in Unternehmensaktien halten, wenn er der Ansicht ist, dass diese günstiger sind als Anleihen“. Das führte dazu, dass die Analysten der Fondsratingagentur Morningstar anders als diejenigen von Lipper den M&-G Optimal Income nicht als globalen Rentenfonds einstufen, sondern als globalen Mischfonds, wenn auch mit defensiver Ausrichtung. Immerhin hält Woolnough derzeit rund 11 Prozent des Fondsvermögens in Aktien. Damit liegt er noch klar unter dem klassischen Aktienanteil vieler Mischfonds, die häufig eine Untergrenze bei 20 Prozent ziehen. Doch 11 Prozent sind immerhin genug, um an der Hausse auf den internationalen Aktienmärkten im vergangenen Jahr teilzuhaben.
Besonders das vergangene Jahr bot den Fondsmanagern auf den Anleihemärkten einige Fallstricke. So schaffte Woolnough mit dem M&-G-Fonds eine Wertsteigerung von 7,3 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. Damit ist er für diesen Zeitraum mit Abstand der beste Rentenfonds in unserer aktuellen Auswahl. An zweiter Stelle folgt der Acatis-Fonds mit einem Plus von 6,7 Prozent. Der Carmignac-Fonds dagegen erlitt in den vergangenen zwölf Monaten mit seinem Ansatz, der stärker von makroökonomischen Überlegungen getragen wird, einen Rückschlag von 2,8 Prozent.
Dies relativiert Carmignac Gestion mit einem Verweis darauf, dass der Vergleichsindex des Fonds noch schlechter abschnitt. „Der Carmignac Global Bond erzielte eine positive Performance und übertraf seinen Referenzindex deutlich“, heißt es im jüngsten Monatsbericht. Doch mit diesem Minus von 2,8 Prozent ist der Carmignac Global Bond auf Sicht von einem Jahr nicht nur der schlechteste in unserer aktuellen Bestenliste. Er liegt damit weit unter dem Durchschnitt der Gesamtgruppe. Hier beträgt das Minus 1,3 Prozent. Dieser Wertverlust muss nicht von Dauer sein und kann sich als Delle erweisen. Überwindet Carmignac die Schwächephase, dürfte er den Vorstoß ins Rentenmanagement als geglückt ansehen.
