
Wenn schon, denn schon: Wer Muskeln und Ausdauer mit Doping verbessern will, versucht es oft auch mit seinem Gedächtnis: Jeder siebte Freizeitsportler will Leistung auf Teufel komm raus.
Leistungssteigernde Mittel sind nicht die Ausnahme, sondern für viele und in vielen Breitensportarten schon zur Regel geworden. Mehr noch: Wer zu Dopingsubstanzen für Muskelaufbau oder Ausdauer greift, tut dies auch mit gedächtnis- oder konzentrationssteigernden Mitteln wie Amphetaminen, Modafinil, Ritalin oder hochdosierten Koffeintabletten. Doping und Hirndoping gehen also oft Hand in Hand. Das ist der bemerkenswerte Befund einer Befragung von 2997 Freizeittriathleten, die Mainzer und Tübinger Wissenschaftler auf drei Wettkäpfen in Regensburg , Wiesbaden und Frankfurt befragt hatten. Lediglich zehn Athleten haben den speziellen, anonymisierten Fragebogen nicht ausgefüllt. In Zahlen ausgedrückt zeigt das Ergebnis: Jeder achte Mann und jede zwölft Frau dopt für den Sport und im Schnitt jeder siebte Athlet tut dies auch fürs Denken und sein Gedächtnis.
Solche Dopingstatistiken sind für Experten nichts Neues. Der Arznei- und Drogenmissbrauch für sportliche Höchstleistungen im Breiten- und Freizeitsport wie Bodybuilding oder Marathon ist längst bekannt. Wenig überraschend war auch die Unterschiede im Hinblick auf die Konkurrenz. Auf der Europäischen Meisterschaft in Frankfurt gaben deutlich mehr Triathleten zu, sich die zwölf Monate davor gedopt zu haben, als auf den weniger konkurrenzstarken Wettkämpfen in Regensburg und Wiesbaden. Zum ersten Mal waren allerdings Doping und Hirndoping zusammen erfasst worden. Bei Marathon-Stichproben hatten die Forscher zuvor Hinweise gesammelt, dass physisches und kognitives Doping oft von ein und derselben Person praktiziert werden. Erstaunlich war allerdings ein Zusammenhang, der sich mit der Nutzung von legalen leistungssteigernden Mitteln wie Vitaminzusätzen, Kreatinen, Minderalien oder spezielle Proteinmischungen ergibt, die bekanntermaßen als „Einstieg“ für den Missbrauch verbotener Substanzen gelten: Athleten, die regelmäßig solche legalen “Enhancer“ einnehmen, haben tendenziell deutlich weniger Hemmungen, zu harten psychoaktiven Substanzen zu greifen, die das Denken und die Konzentration im Alltag steigern sollen.
„Dies deutet darauf hin, dass Athleten die Mittel gar nicht für ein bestimmtes Ziel einsetzen, sondern vielleicht eine gewisse Neigung zur Leistungssteigerung mit Hilfsmitteln an den Tag legen“, kommentiert Perikles Simon von der Universität Mainz den Befund. Der Forscher, einer der erfahrensten Dopingexperten im Land, gibt in der Veröffentlichung in „PlosOne“ allerdings zu bedenken, dass es für eine Verallgemeinerung noch zu früh ist: „Das gilt erst einmal nur für diese spezielle Population der Voll- und Halbdistanz-Triathleten“, schreiben die Forscher. Möglich, dass in Nichtausdauersportarten, ob profesionellen oder Freizeitsportarten, ein solcher Zusammenhang zwischen Hirndoping und Muskeldoping nicht existiert.
