
Der Halbleiterkonzern leidet unter seiner schwachen Position im Smartphone-Geschäft. Der neue Vorstandsvorsitzende Brian Krzanich nimmt sich nun die nächsten Zukunftsmärkte vor – und zeigt sich offen für Partner die nicht Mircrosoft heißen.
Der amerikanische Halbleiterhersteller Intel blickt auf ein turbulentes Jahr zurück. Im Frühjahr wechselte das Unternehmen die Führung aus, Brian Krzanich rückte auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden und ersetzte Paul Otellini. Krzanich übernahm einen Konzern auf Schrumpfkurs, der in der Vergangenheit feststeckte. Das wichtigste Einsatzgebiet der Intel-Mikroprozessoren, Personalcomputer wie Laptops und Desktop-Rechner, ist zu einem Krisenmarkt geworden. Die heutigen Wachstumsfelder mobiler Geräte wie Smartphones und Tabletcomputer hat Intel dagegen zu spät und nicht beherzt genug erschlossen, und der Konzern läuft jetzt einem Rückstand auf Konkurrenten wie Qualcomm hinterher. Die Versäumnisse des Unternehmens hat Krzanich nach seinem Antritt auch freimütig zugegeben.
Jetzt hat er bei seinem bislang größten Auftritt als Intel-Chef Entschlossenheit verbreitet, nicht wieder etwas zu verpassen. Krzanich bestritt am Montagabend die Eröffnungsrede der CES und hatte damit den prominentesten Rednerplatz, den die Messe zu bieten hat. Er versuchte, das Publikum zu überzeugen, dass Intel anders als im Smartphone-Geschäft wieder eine tonangebende Rolle spielen kann, wenn es um die nächsten Zukunftsmärkte geht. Und er zeigte sich offen für neue Partnerschaften jenseits der traditionell engen Verbindung von Intel zum Softwarekonzern Microsoft.
Computer nehmen andere Formen an als bisher
Vernetzung und am Körper tragbare elektronische Geräte („Wearables“), zwei der zentralen Themen auf der CES, spielten auch bei Krzanich eine große Rolle. Der Intel-Chef beschrieb „eine neue Ära“, in der Computer ganz andere Formen als bisher annehmen. Computer seien nicht mehr nur etwas, das man „auf dem Tisch stehen hat, in der Hand hält oder in der Hosentasche hat“. Krzanich stellte eine ganze Reihe von „Wearables“ vor, darunter Kopfhörer, die mit Sensoren am Ohr den Puls messen. Auch eine Computeruhr gab es zu sehen. Krzanich hob deren „Geofencing“-Funktion hervor, die zum Beispiel Eltern benachrichtigen kann, wenn ihre Kinder auf dem Weg zur Schule von der vorgesehenen Route abweichen. Intel nennt diese Produkte „Referenzdesigns“, was den Schluss nahelegt, dass der Konzern sie nicht selbst vermarkten will, sondern auf Partner hofft. Auf Kooperationen zielt Intel auch mit dem Minicomputer „Edison“ ab, der die Form einer Speicherkarte hat. Krzanich demonstrierte, wie der Computer in Babykleidung integriert werden kann, zum Beispiel um die Atmung des Kindes zu messen. Krzanich kündigte mit Blick auf Wearables außerdem Partnerschaften mit dem amerikanischen Modedesignerverband sowie einigen Modehändlern an. Offenbar ist sich Intel bewusst, dass zu den größten Kritikpunkten an vielen bisherigen „Wearables“ deren Aussehen gehört.
Smartphones tauchten in der Rede von Krzanich so gut wie gar nicht auf. Damit ließ der Intel-Chef einen der größten momentanen Schwachpunkte des Konzerns außen vor. Über Tabletcomputer sprach er aber schon. Dabei konzentrierte er sich auf Kombinationsgeräte, die sich von Laptops in Tablets verwandeln lassen.
Allianz mit dem taiwanischen Hersteller Asus
Zusammen mit dem taiwanischen Computerhersteller Asus hat Intel für solche Geräte eine Allianz geschmiedet, die Zündstoff birgt. Intel und Asus zeigten ein Gerät, das nicht nur eine Mischung aus Laptop und Tablet ist, sondern zusätzlich auch Betriebssysteme kombiniert. Der Rechner läuft sowohl mit Windows von Microsoft als auch mit der zu Google gehörenden Software Android. Die Nutzer können per Tastendruck von Windows zu Android und wieder zurück wechseln, das Umschalten dauert nur wenige Sekunden. Die Hereinnahme von Android bringt Nutzern unter anderem den Vorteil, dass sie dadurch Zugang zu einer größeren Zahl von Softwareanwendungen („Apps“) bekommen. Dass Windows sich auf diesem Gerät den Platz mit Android teilen muss, ist ein weiteres Signal dafür, wie sich das einst so enge und unter dem Namen „Wintel“ bekannte Bündnis zwischen Microsoft und Intel gelockert hat. Umgekehrt arbeitet auch Microsoft seit einiger Zeit verstärkt mit anderen Chipherstellern als Intel zusammen.
Zum Schluss seiner Rede griff Krzanich noch ein Menschenrechtsthema auf, das die ganze Branche beschäftigt. Rohstoffe, die in elektronischen Produkten eingesetzt werden, kommen oft aus der von einem Bürgerkrieg erschütterten Demokratischen Republik Kongo. Der Krieg wird zum Teil aus dem Handel mit diesen Mineralien finanziert. Wie Krzanich sagte, hat Intel sichergestellt, dass in diesem Jahr jeder einzelne Mikroprozessor „konfliktfrei“ ist, also dass in der Produktion keine Rohstoffe zum Einsatz kommen, die den Konflikt in dem Land finanzieren. Krzanich forderte den Rest der Elektronikindustrie auf, sich der Initiative von Intel anzuschließen.
