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Europas Banken droht Flut von Strafen

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Analysten von JP Morgan schätzen, dass die zahlreichen Finanzskandale europäische Investmentbanken zusammen 21 Milliarden Euro kosten werden. Die Deutsche Bank hat die größten Risiken.

Der Skandal um manipulierte Zinssätze, milliardenschwere Strafen wegen krummer Geschäfte im amerikanischen Hypothekenmarkt, der Verdacht auf illegale Absprachen im Devisenhandel – die Banken kämpfen an so vielen rechtlichen Fronten wie lange nicht mehr. Analysten des amerikanischen Konkurrenten JP Morgan Cazenove schätzen, dass die Sünden der Vergangenheit allein die sechs führenden europäischen Investmentbanken bis Ende nächsten Jahres insgesamt 21,1 Milliarden Euro kosten werden. Bisher habe die Mehrzahl der Institute dafür in ihren Bilanzen nicht ausreichend Vorsorge getroffen. Es drohen weitere Belastungen in Milliardenhöhe.

Ganz oben auf der Liste von Europas Finanzsündern steht nach dem Urteil der Analysten die Deutsche Bank: Der deutsche Branchenprimus hat erst kurz vor Weihnachten in den Vereinigten Staaten eine Strafzahlung von 1,4 Milliarden Euro wegen verlustreicher Hypothekenanleihen aufgebrummt bekommen. Anfang Dezember hatte schon die EU-Kommission sechs europäische und amerikanische Großbanken eine Rekordgeldbuße auferlegt, weil sie jahrelang die Libor- und Euriborzinssätze im internationalen Kreditgeschäft manipuliert haben. Die höchste Rechnung musste mit 725 Millionen Euro die Deutsche Bank begleichen.

Jain und Fitschen unter Druck

Die Ermittlungen in Europa und den Vereinigten Staaten gehen weiter. Der Aufwand für Strafen und Vergleiche werde sich deshalb bei der Frankfurter Großbank bis 2015 auf insgesamt 6,5 Milliarden Euro summieren, warnt JP Morgan. Nur dem britischen Konkurrenten Barclays drohen mit 6,4 Milliarden Euro ähnlich hohe Kosten. Die Belastungen durch die Skandale könnten bei der Deutschen Bank in den drei Geschäftsjahren bis Ende 2015 den Konzerngewinn um mehr als ein Drittel zu schmälern. JP Morgan schätzt, dass das Institut in den kommenden beiden Jahren weitere Rückstellungen von 2 Milliarden Euro für die Bereinigung der Skandale bilden muss. Auch bei der Schweizer UBS und bei Barclays rechnen die Analysten mit hohen zusätzlichen Kosten.

Trotz der großen Rechtsrisiken hält JP Morgan die Aktien der europäischen Investmentbanken für unterbewertet. Die befürchteten weiteren Zahlungen seien in den Aktienkursen mittlerweile „eingepreist“, glaubt der Analyst Abouhossein. 2013 schnitten die europäischen Investmentbanken an der Börse viel schlechter ab als die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten: Der Aktienkurs der Deutschen Bank stieg um rund 2 Prozent, der von Barclays um 5 Prozent. Die Aktionäre des amerikanischen Konkurrenten Morgan Stanley konnten sich dagegen über einen Kursgewinn von 62 Prozent freuen. Das Papier von Goldman Sachs legte um 30 Prozent zu.

Bei der Deutschen Bank geraten die beiden Ko-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen immer stärker unter Druck: Die deutsche Finanzaufsichtsbehörde Bafin attestiert der Führungsriege mangelnden Aufklärungswillen. Jain war früher lange Jahre für das Anleihe- und Devisengeschäft verantwortlich, das die Ermittler nun durchleuchten. Wegen des Libor-Skandals hat im Jahr 2012 schon der damalige Barclays-Chef Bob Diamond seinen Posten verloren. Fitschen wiederum ist in den langwierigen Rechtsstreit um die Pleite des Münchner Medienkonzerns Kirch verstrickt.

Trost für Aktionäre

Brisant könnten für die Bankenbranche in den kommenden Jahren vor allem die Untersuchungen der Aufsichtsbehörden im Devisenmarkt werden. „Da haben wir derzeit die größten rechtlichen Bedenken“, sagt Kian Abouhossein, Bankenexperte von JP Morgan. Seit dem vergangenen Jahr laufen auf beiden Seiten des Atlantiks Ermittlungen zu dubiosen Preissprüngen im Währungshandel. Die Deutsche Bank ist in diesem Geschäft etwa gleichauf mit der amerikanischen Citigroup das führende Kreditinstitut. Die Bafin sieht bisher keine Anhaltspunkte dafür, dass Händler deutscher Banken an den vermuteten Devisentricksereien beteiligt waren.

Ein Trost zumindest bleibt den Aktionären der gebeutelten europäischen Banken: Amerikanische Kreditinstitute werden noch sehr viel stärker zur Kasse gebeten. Seit dem Sommer 2012 hat allein der Marktführer JP Morgan Strafen von umgerechnet mehr als 18 Milliarden Euro bezahlt. Erst am Montag wurde bekannt, dass der Konzern als Hausbank des verurteilten Finanzbetrügers Bernard Madoff umgerechnet knapp 1,5 Milliarden Euro Strafe zahlen muss. Die Nummer zwei, Bank of America, kosteten die Fehltritte der vergangenen Jahre bisher sogar rund 37 Milliarden Euro.