
Gutes HiFi zu eher bescheidenem Preis: Der Oldenburger Hersteller Audioblock hat sich das zum Prinzip gemacht. Wir haben unsere Ohren befragt, ob er das schöne Versprechen einlöst.
Neulinge in der ohnehin nicht auf Rosen gebetteten HiFi-Branche sind selten geworden, erst recht im Günstigpreis-Segment, wo viele Kombattanten um die Gunst der Schnäppchenjäger streiten. Dabei auch noch angemessene Qualitätsniveaus nicht zu unterschreiten und dem Fortschritt (oder der Mode) auf den Fersen zu bleiben, ist schon ein kleines Kunststück. Zumal Audioblock, ein 2008 gegründetes Familienunternehmen, fachhandelstreu ist: Auch die Website der Marke, über die fünf Prozent des Umsatzes getätigt werden, betreibt ein HiFi-Händler. Eher kommt ein Kostenvorteil von der Beschaffungsseite her. Das Unternehmen entwickelt seine Produkte in Deutschland und für Europa, lässt sie aber mit Hilfe hiesiger Hersteller von einem chinesischen Partner fertigen, mit dem zusammen es eine Gesellschaft in Hongkong unterhält. Und Audioblock konzentriert sich rationell auf drei Baureihen: das Mini-Set MHF-700+, bestehend aus einem Mediaplayer mit Internetradio, UKW und DAB, einem ebenfalls nur 17 Zentimeter breiten CD/MP3-Spieler und einem Paar Zwei-Wege-Boxen (zusammen für rund 700 Euro), die normalgroße Serie 100 mit 13 Bestandteilen (darunter auch ein Digital-Analog-Wandler, zwei All-in-One-Geräte und neuerdings ein hochwertiger Plattenspieler als momentan teuerstes Teil im Programm) und schließlich die taufrische Serie 250 – CD-Spieler, Vollverstärker und RDS/DAB-Radio für je rund 200 Euro -, die Einsteigern in die Marke gewidmet ist. Aus der Serie 100 hat uns Geschäftsführer Michael Block den Stereo All-in-One-Receiver CVR-100+ in den Hörraum stellen lassen, als Vertreter jener Alleskönner-Sippe, die sich steigender Beliebtheit erfreut, weil sie sämtliche heute gewünschten Funktionen in einem Gehäuse vereint.
Beim CVR-100+, er kostet rund 1000 Euro, bedeutet das eine ganze Menge. Es beginnt mit einem CD-Spieler, der auch MP3 ausliest, sogar HDCD entschlüsselt und mit seinem Wandler fremde digitale Kost analogisieren kann. Es geht weiter mit einem Triple-Tuner, der außer UKW und dem digitalen Antennen-Rundfunk DAB+ (mit zehn Speicherplätzen) auch die gewünschte Auswahl aus zehntausenden Sendern des Internetradios via Lan-Kabel oder drahtlosem W-Lan ins Zimmer bringt. Ohne Kabel verbindet sich das Gerät nach dem D-Lan-Standard mit anderen digitalen Zuspielern, akzeptiert aber ebenso die Anlieferung via USB, 3,5-Millimeter-Klinkenstecker (beides neben dem Kopfhörerausgang an der Frontplatte) sowie über je einen optischen und Cinch-Digitaleingang an der Rückseite. Dort warten auch ein Trio von Analog-Eingängen, ein Vorverstärker- und ein Rekorder-Ausgang sowie, ganz selten geworden, ein Phono-Eingang, allerdings nur für Plattenspieler mit MM-Systemen. Schließlich sorgt ein Endverstärkermodul mit 2 × 60 Watt Leistung an 4 Ohm für ausreichend Power an den zwei Paar Lautsprecherbuchsen. Eine W-Lan- und eine Wurfantenne für UKW/DAB+ gehören zum Lieferumfang, ebenso wie eine wertige Fernbedienung, die noch mehr kann als die elf Schalter an der Gerätefront, zum Beispiel die Sendersuche, die Klangregelung und die Auswahl aus vier Surround-Einstellungen (auf gut Deutsch „Stereo“, „Live“, „Hall“ und „Stadium“ benannt).
Das Gehäuse in üblicher HiFi-Breite (44 Zentimeter) besteht an der Front und den zur Kühlung gerippten Seitenflächen aus Aluminium, der Rest aus Stahlblech. Die tadellos verarbeitete Metallhülle kann man in Silber oder Schwarz bekommen. Nicht jedermanns Geschmack dürfte das ziemlich aufdringliche Wappen sein, das in die Oberseite geprägt ist. Die Anschlüsse auf der Rückseite sind vergoldet und solide, speziell die Lautsprecher-Polklemmen. Ein Netzschalter ermöglicht die komplette Trennung des CVR-100+ von der Stromversorgung. Die drei Anschlüsse an der Vorderfront liegen hinter einem Türchen, das einem beim ersten Betätigen garantiert vor die Füße fällt, da es kein Scharnier hat. Wenig zufrieden waren wir auch mit dem Display. Es ist zwar recht groß und kontrastreich, doch die Schriftart ist wenig funktionell, dazu pixelig und recht mühsam zu lesen. Wenn, etwa fürs Internetradio, die drei Zeilen Information nicht ausreichen, beginnt ein hektisches Dauerscrollen, das die Entzifferung noch schwieriger macht – Laufschrift wie bei anderen Gelegenheiten wäre uns da lieber. Zudem spart die Anzeige mit ihren Auskünften: So kann man sich im CD-Betrieb nicht die Restzeit vermelden lassen (es gibt nur die abgelaufene Titelzeit), Programmieren ist nicht möglich, ein Titelkalender fehlt ebenso. Ein gewisser Sparzwang bei der Entwicklung ist somit nicht zu übersehen und angesichts des Preises auch nicht ernsthaft zu kritisieren. Das Disc-Laufwerk ist, wie heute weithin üblich, von der DVD-Fraktion und nimmt sich artgerecht fast zehn Sekunden Zeit zum Einlesen einer CD.
Schnell geht es dagegen bei Suche und Auswahl von Internet-Radiosendern. Lan und W-Lan funktionierten hier gleichermaßen einwandfrei. Obwohl mit einem ungünstigen Standort gestraft, fingen wir ein buntes Gemisch von 20 DAB-Stationen ein- wo direkt mit UKW verglichen werden konnte, erwies sich DAB+ erwartungsgemäß als stabiler und klanglich überlegen, reichte aber seinerseits nicht ans Internetradio heran. Kein Wunder, lag die angezeigte Bit-Rate bei den DAB-Sendern doch oft weit unter 100, nur der Klassiksender hr2 fiel mit 144 auf. Beim Streaming wollte Audioblock wohl möglichst universell agieren. Apple-Freunde wird wurmen, dass der CVR-100+ mit AirPlay nichts anfangen kann und statt dessen über das Programm www.serviio.org mit i-Geräten kommunizieren soll. Es wird auch für den PC empfohlen. Mit unserem iMac vertrug sich der Block, nach einigen vergeblichen Versuchen, mit Serviio gut, er gab MP3-Dateien mit Verve und durchaus mit kosmetischem Erfolg wieder. Von einer Titelverwaltung kann man allerdings nicht reden, man muss das Chaos nehmen, wie es ist. Nicht bei allen Suchkriterien gibt es eine alphabetische Findehilfe. Mit der App DOK von Silicon Frontier (für iOS und Android) lässt sich der CVR-100+ auch von Smartphone oder Tablet aus dirigieren.
Klanglich überraschte uns besonders der CD-Spieler. Er agierte vollmundig, mit rundem Bass und eher schmeichelnden Höhen, und kann so der Liebling aller Musikfreunde sein, die nicht den analytischen Klang bevorzugen. Der Phono-Teil gefiel ebenso, mit Dynamik und Farbigkeit. Diesem seinem Charakter blieb der CVR-100+ auch mit anderen Musikquellen grundsätzlich treu. Seine Ausgangsleistung reicht zum Antrieb jedes nicht extrem anspruchsvollen Lautsprecherpaars aus- dank seinem Vorstufenausgang lässt er sich auch gern auf Aktiv-Boxen ein. Den Vorteil, alles in einem Gehäuse zu haben, muss man freilich gegen den Nachteil abwägen, dass bei einem Defekt an nur einer Funktion alle anderen mit zur Reparatur gebracht oder, schlimmstenfalls, entsorgt werden müssen. Schätzt man die All-in-One-Vorzüge aber hoch genug, hat der Audioblock mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis beste Karten.
