
Noch nie wurde eine so umfassende Sammlung von Cartier präsentiert: In einer Ausstellung mit rund 600 Stücken bringt der Juwelier den Pariser Grand Palais zum Funkeln.
Die einen spielen mit Holzspielzeug, andere mit Barbiepuppen und wiederum andere mit diamantbesetzten Hundefiguren. Fürst Albert von Monaco stieß unlängst im Pariser Grand Palais auf ein Stück aus seiner Kindheit. Seine Mutter Gracia Patricia, besser bekannt als Grace Kelly, ließ ihn gelegentlich mit ihrer diamantenen Cartier-Brosche in Form eines Pudels spielen, erinnerte sich der Fürst vergangene Woche bei der Eröffnung der Ausstellung „Stil und Geschichte von Cartier“. Seit dem 4. Dezember und noch bis zum 16. Februar zeigt der Grand Palais Schmuck-kreationen des Unternehmens Cartier, das seit dreißig Jahren seltene Exemplare zurückkauft, sowie Leihgaben von Museen und Privatsammlungen – insgesamt sind es rund 600 Ausstellungsstücke.
Noch nie wurde eine so umfassende Sammlung des Juweliers präsentiert. Cartier ist ein Urgestein der französischen Luxusindustrie, gehört heute aber zum schweizerisch-südafrikanischen Richemont-Konzern. Der „Juwelier der Könige und der König der Juweliere“, so die Bezeichnung durch den englischen Throninhaber Edward VII., feiert in Paris seinen Stil – und seine Kundinnen.
Die Handschrift von Cartier ist überall zu spüren
Neun Jahre nach der Gründung war es die Prinzessin Mathilde, die Nichte von Napoléon I., die als erste Blaublütige das Schmuckhaus mit einer Erwerbung adelte. Schnell wollten die Damen der europäischen Königsfamilien die Ballsäle gleichermaßen zum Funkeln bringen. Cartier begleitete sie durch die Epochen – von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als man sich gerne an Marie-Antoinette zurückerinnerte, über die Belle Epoque und Art déco bis zum modernen Schmuck der frühen Siebziger, mit dem die Ausstellung endet. „Wichtig ist, dass der Grand Palais die Schau organisiert hat. Wir hatten freie Hand bei der Auswahl der Stücke“, betont Laure Dalon, eine der beiden Kuratoren.
Der Grand Palais vermietet seine Flächen gelegentlich an private Unternehmen wie Dior oder Bulgari. Die finanziell klammen Museen müssen heute jede Gelegenheit zur Einnahmesicherung ergreifen. Für die Ausstellung von Cartier sei allerdings der Grand Palais auf das Schmuckunternehmen zugekommen. Die Handschrift von Cartier ist dabei überall zu spüren. Der Großteil der Stücke stammt aus dem Bestand des Schmuckherstellers.
Dem Glitzer des Geldadels nahekommen
Die besten Botschafterinnen des Juweliers sind indes die Kundinnen. Königin Elisabeth hat eine Brosche mit dem berühmten rosa Williamson-Diamanten aus ihrer privaten Schatulle nach Paris geschickt. Auch das Diadem, das Kate Middleton, Herzogin von Cambridge, bei ihrer Hochzeit mit Prinz William trug, ist zu sehen. Diese Stücke wären nicht zu beschaffen gewesen, wenn Cartier selbst und nicht der Grand Palais die Ausstellung organisiert hätte, betont Kuratorin Dalon.
Wer dem Glitzer des Geld- oder echten Adels nahekommen will, wird hier reichlich bedient. Ein Collier von Elizabeth Taylor, das Michael Todd, ihr dritter Mann, ihr schenkte, gehört samt Video vom Umhängen am Swimmingpool ebenso dazu wie der Verlobungsring von Grace Kelly oder eine Flamingo-Brosche der Amerikanerin Wallis Simpson. Wegen dieser verzichtete Edward VIII. auf den britischen Thron. Die Designerin der Brosche war Jeanne Toussaint, die Cartier jahrzehntelang prägte.
Auch die Einflüsse aus China und Indien werden deutlich. Der Maharadscha von Patiala – der erste Inder, der ein Auto und ein Flugzeug besaß – reiste 1925 mit Tausenden von Edelsteinen nach Paris, um sie von Cartier in Schmuckstücke umformen zu lassen. Der Hersteller wurde mit diesem größten Auftrag der Schmuck-Geschichte nie fertig, berichtet Pierre Rainero, Direktor bei Cartier.
Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist eine mehrere Millionen Euro teure Kollektion von „mystery clocks“. Durch transparente Glasscheiben bleibt die Verbindung zwischen Uhrwerk und Zeiger unsichtbar. Und auf wie viele Millionen beläuft sich der Gesamtwert der ausgestellten Stücke? „Lange nicht so hoch wie bei einer Picasso-Ausstellung“, meint Rainero.
