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Kauf dir einen Roboter

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Google hat große Pläne und wird zu einem Hersteller von Robotern. Amazon ist es schon. Das sollte Anbieter von Industrierobotern ebenso interessieren wie Kinder zu Weihnachten.

Wir sind die Roboter. Die Gruppe Kraftwerk hat davon schon vor Jahrzehnten gesungen. Die Japaner sind von den kleinen und großen Helferlein schon lange fasziniert. Die Deutschen haben nicht nur ihre eigenen Fabriken unter anderem mit faszinierenden Industrierobotern des Herstellers Kuka vollgestellt. Und jetzt folgt, zumindest mit der Macht der öffentlichen Schlagzeilen, die amerikanische Westküste, das Silicon Valley. Und wenn Google, Amazon &amp- Co. einsteigen, geht es natürlich nicht um irgendwelche Maschinen, die Windschutzscheiben einsetzen, sondern um Roboter, die so schnell laufen können wie die schnellsten Läufer der Welt.

Usain Bolt geht allerdings früher die Puste aus als den Maschinen. Paketzusteller werden nie so ausdauernd wie Drohnen sein, Lagerarbeiter bei Amazon nie so effizient wie die Roboter, die der führende Online-Händler der Welt derzeit ebenfalls entwickelt. In diesen Tagen geht es in der Roboterwelt aber vor allem um Google. Das Unternehmen hat den Kauf des Unternehmens Boston Dynamics abgeschlossen. Das noch recht kleine Unternehmen aus Massachusetts ist vor allem dafür bekannt, dass es Roboter mit gutem Gleichgewichtssinn entwickelt hat – und entsprechende Prototypen für das amerikanische Militär. Die Videos, die sich von den entsprechenden Robotern im Internet finden lassen und dort schon sehr viele Fans gefunden haben, sind beeindruckend.

Keine halben Sachen

Es ist, wie Google es selbst formuliert, ein „Moonshot“-Projekt, also ein Vorhaben, das – wie einst die Fahrt zu Mond – die Grenzen des technisch Möglichen ausloten soll. Öffentlich wurde das gesamte Projekt erst vor wenigen Wochen, und geleitet wird es von keinem Geringeren als von Andy Rubin, dem Vater des inzwischen marktführenden Smartphone-Betriebssystems Android, das Apple und Microsoft mächtig Kopfzerbrechen bereitet. Dabei macht der Internetkonzern, der schon selbstfahrende Autos auf Straßen und Parkplätze geschickt hat, keine halben Sachen. Vielmehr wurden in den vergangenen Monaten schon sieben Spezialunternehmen gekauft, die zum Beispiel Greifarme oder Sehsysteme entwickeln. Wie viel Geld Google für die einzelnen Unternehmen ausgegeben hat, ist nicht bekannt- wohl aber, dass Amazon im vergangenen Jahr für den Lagerroboterhersteller Kiva Systems 750 Millionen Dollar bezahlt hat. Es geht hier also nicht um Kleinigkeiten.

Boston Dynamics wurde im Jahr 1992 von Marc Raibert gegründet, einem ehemaligen Professor am Massachusetts Institute of Technology. Zu den Robotern, mit denen das Unternehmen seither für Aufsehen gesorgt hat, gehört das Modell „Big Dog“. Das ist ein sehr schwerer, vierbeiniger Roboter, der beladen durch unwegsames Gelände und sogar auf Schnee und Eis laufen kann – besser als ein Mensch es unter solchen Bedingungen jemals könnte. Hinzu kommen Modelle wie „Cheetah“, die nach dem Vorbild von Wildkatzen besonders schnell laufen können. Derzeit arbeitet Boston Dynamics an menschenähnlichen Roboter-Modellen wie „Petman“ und „Atlas“, die zum Beispiel nach Naturkatastrophen oder Unfällen wie im japanischen Atomkraftwerk Fukushima eingesetzt werden sollen.

Letzteres ist die Spezialität von „Atlas“, der im Rahmen eines Auftrags im Wert von 10,8 Millionen Dollar für die „Darpa Robotics Challenge“ entwickelt wird – hier hoffen die Ingenieure zudem auf ein Preisgeld von 2 Millionen Dollar. „Cheetah“ wiederum ist das Modell, vor dem sich Usain Bolt auf einem Laufband fürchten müsste – und das zu Recht.

Spektrum der Zukäufe deckt große Bandbreite ab

Die Zusammenarbeit mit der Darpa, der Forschungsagentur des amerikanischen Verteidigungsministeriums, ist für Boston Dynamics schon lange Unternehmensalltag. Darauf allein wird das Haus unter der neuen Führung des milliardenschweren Unternehmens Google nun aber nicht mehr angewiesen sein. Raibert sagte der „New York Times“, die über die Transaktion zuerst berichtet hatte, er sei begeistert, dass Google und Rubin „sehr, sehr groß“ denken könnten und die Mittel hätten, das auch umzusetzen.

Welche Pläne nun „groß“ gedacht werden können, bleibt hingegen offen. Bisher deckt das Spektrum der Zukäufe eine große Bandbreite ab, zum Beispiel das Unternehmen Schaft, das einen humanoiden Roboter bauen will. Ebenfalls zu Google gehört nun Industrial Perception, ein Entwickler von Sichtsystemen sowie mechanischen Armen zum Beladen und Entladen von Lastwagen. Auf menschenähnliche Roboter und Arme spezialisieren sich auch Meka and Redwood Robotics.

Es sollen aber wohl keine Roboter auf den Markt kommen, die einmal von Endverbrauchern gekauft werden, heißt es in den Berichten. Vielmehr ziele Google zum Beispiel auf die Industrieproduktion ab. Und da könnte die ganze angebliche Science Fiction dann doch auch für etablierte Roboterhersteller wie zum Beispiel Kuka ein Feld werden, das es im Auge zu behalten gilt. Ein mögliches Einsatzgebiet für die Google-Roboter sei zum Beispiel die heute noch zum großen Teil manuelle Fertigung elektronischer Geräte, ist zu hören.

Kampf um größtmögliche Effizienz

Denkbar sind aber auch Anwendungen im Online-Handel wie etwa eine automatisierte Auslieferung. Das wäre dann ganz wie bei Amazon, einem Unternehmen, das längst als Wettbewerber von Google betrachtet werden muss. Denn auch Google hat in Amerika Pilotprojekte zum Thema „same day delivery“ begonnen, also der Zustellung von im Internet bestellter Ware noch am selben Tag. Denkt man derartige Vorhaben in größeren Dimensionen, ist für die Anbieter jede Art von funktionierender Automatisierung wertvoll.

Der Einsatz von Robotern und Automatisierungstechnik ist auch für andere Unternehmen aus der IT-Branche interessant, geht es doch überall um den Kampf um die größtmögliche Effizienz. Ablesen lässt sich die Bedeutung auch an den großen Summen, die hier investiert werden. Apple zum Beispiel steckt im laufenden Geschäftsjahr in entsprechende Systeme 10,5 Milliarden Dollar, der koreanische Wettbewerber Samsung ist mit einem Investitionsprogramm von 22 Milliarden Dollar in diesem Bereich vertreten. So viel Geld lockt neue Anbieter auf den Plan. Und so wie Autohersteller plötzlich Google auf die Liste ihrer Wettbewerber setzen mussten, trifft dies nun auch auf Funac oder ABB zu, die neben Kuka den Markt für Industrieroboter dominieren. Ernst sollten sie die Amerikaner nehmen. Denn auch Rubin verglich sein Roboterprojekt zuletzt mit dem von Google entwickelten selbstfahrenden Auto, das sich zunächst nach „Science Fiction“ angehört habe, nun aber recht nahe an der Realität sei. Laut Google könnten die Autos schon im Jahr 2017 ihr Marktdebüt haben.

Möglicherweise ist es daher eine gute Idee, seinen Kindern zu Weihnachten keine Spielekonsole, sondern einen Roboterbausatz zu schenken. Die lassen sich selbst programmieren und zusammenbauen, ganze Meisterschaften finden rund um sie und mit ihnen statt. Und die Bausätze sind nicht so teuer, wie die Unternehmen, die Google nun gekauft hat. Die Kinder können sich zudem damit motivieren, dass auch Boston Dynamics immer wieder an Roboterwettbewerben teilnimmt.