
Inmitten der Spannungen um die chinesische Luftüberwachungszone über dem Ostchinesischen Meer will das amerikanische Militär dort am Sonntag ein Seemanöver durchführen – gemeinsam mit Südkorea und der britischen Marine Peking pocht beim Besuch des amerikanischen Vizepräsidenten Joe Biden aif sein Recht auf „Selbstverteidigung“.
Inmitten der Spannungen um die neue chinesische Luftüberwachungszone im Ostchinesischen Meer wollen die Vereinigten Staaten und Südkorea zusammen mit der britischen Marine Seeübungen durchführen. Die Manöver am Sonntag und Montag vor der südkoreanischen Südküste seien seit langem geplant, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Donnerstag vor Journalisten.
Die Übungen vor der südkoreanischen Küste seien nicht gegen China gerichtet, betonte Ministeriumssprecher Kim Min-seok laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Yonhap. Sie seien auch kein Protest gegen Chinas neu ausgerufen Überwachungszone. Man habe die Gelegenheit nutzen wollen, dass ein britisches Kriegsschiff den Hafen von Pusan besuche. Das sei lange geplant gewesen. An den Übungen nimmt neben zwei Zerstörern der britischen und südkoreanischen Marine auch der Lenkwaffenkreuzer „Shiloh“ der amerikanischen Seestreitkräfte teil, wie die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap meldete. Die Schiffe seien im Hafen der südöstlichen Küstenstadt Pusan eingetroffen. Die Truppen der beiden Bündnispartner halten regelmäßig gemeinsame Militärübungen zu Wasser, zu Land und in der Luft. Die Übungen sollen vor allem dazu dienen, gegen Bedrohungen Nordkoreas gewappnet zu sein.
Biden bemüht sich in Peking um Deeskalation
Unterdessen sind China und die Vereinigten Staaten im Konflikt um die umstrittene Luftraumüberwachung im Ostchinesischen Meer nicht vorangekommen. In stundenlangen Gesprächen mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping lehnte der amerikanische Vizepräsident Joe Biden bei seinem Peking-Besuch die chinesische Militärzone abermals ab, wie ein ranghoher amerikanischer Regierungsbeamter in der Nacht zum Donnerstag berichtete. „Wir erkennen die Zone nicht an und sind tief besorgt“, habe Biden gesagt. „Wir schauen, ob China nun Maßnahmen ergreift.“
Xi Jinping bekräftige hingegen die chinesische Position zur neuen Militärzone in dem mit Japan strittigen Meeresgebiet, wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua meldete. Peking sieht die Zone als eine „rechtmäßige Selbstverteidigung“ an. China verlangt, dass sich ausländische Flugzeuge anmelden, identifizieren und den Anweisungen seiner Luftwaffe folgen. Notfalls könne Peking dem auch militärisch Nachdruck verleihen, hatte das Verteidigungsministerium gedroht. Die Luftwaffe hatte bereits Flugzeuge aus den Vereinigten Staaten und Japan von Kampfjets verfolgen lassen.
In Peking versuchte Biden den Konflikt zumindest nicht öffentlich auszutragen. Weder Xi noch Biden erwähnten auch nur die Militärzone in ihren öffentlichen Statements. Hingegen verwiesen beide auf das große Gewicht der Beziehungen zwischen Peking und Washington.
Zudem stimmten mittlerweile nationalistische Staatsmedien in China versöhnlichere Töne an. Japan sei für eine Eskalation des Konfliktes um die Militärzone verantwortlich, China und die Vereinigten Staaten könnten den Streit trotzdem überwinden, schrieb die Zeitung „Global Times“, die vom Parteiorgan „Volkszeitung“ herausgegeben wird. „Es wäre ein Albtraum, wenn sich beide offen und aktiv bekämpfen würden.“ Peking und Washington seien in der Lage, ihre Konflikte zu überwinden, hieß es in einem Kommentar der Zeitung „China Daily“
Der amerikanische Vizepräsident fliegt unterdessen wenige Tage vor Beginn des geplanten Seemanöver an diesem Donnerstag nach Seoul weiter.
