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Aus der Cloud direkt auf die Ohren

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Ob Büro oder Freizeit: Wer mit dem Smartphone Musik hört, ist mit tragbaren Lautsprechern gut bedient. Vier Bluetooth-Produkte für mobilen Musikgenuss im Vergleich.

Jetzt im Winter sind heiße Ohren angesagt. Es hat sich herumgesprochen, dass die junge Smartphone-Generation ihre Musik nicht mehr mit Papas betagter HiFi-Anlage wiedergibt, sondern vom Mobilgerät. Was dort nicht gespeichert ist, holt man sich in Windeseile aus der Cloud, etwa von Spotify, Apple oder Google. Dass die Qualität der aufs MP3-Format eingedampften Stücke hörbar leidet, stört die meisten nicht, wichtig ist an erster Stelle der einfache Musikgenuss.

Wir haben vier kleine Lautsprecher für die direkte Musikwiedergabe vom Smartphone ausprobiert- der Zuspieler wird stets mit Bluetooth angekoppelt, und er muss sich folglich in der Nähe des Lautsprechers befinden. Darin unterscheiden sich diese Mono-Mini-Anlagen von den aktuellen W-Lan-Systemen (etwa der Hersteller Sonos oder Bose), die zum Einsatz in mehreren Räumen gedacht sind und die Musik von diversen Quellen ohne Zwischenstation zum Lautsprecher bringen.

Alle denkbare Bauformen und Preisklassen

Die Bluetooth-Spezialisten sind in allen nur denkbaren Bauformen und Preisklassen erhältlich. Nach oben hin gibt es kaum Grenzen. Die amerikanische Luxusmanufaktur Restoration Hardware bietet zehn Kilogramm schwere Apparate aus Gusseisen an. Der 1,70 Meter breite „Wall of Sound“ eines schwedischen Unternehmens fährt mit 1.600 Watt und 48 Lautsprechern vor. In der kleinsten Standardausführung soll er 5.000 Euro kosten.

Eine Nummer größer wird derzeit eine Variante mit 8.000 Watt für einen fünfstelligen Betrag entwickelt. Uns ging es um einfache Lösungen für den Hausgebrauch, und in die nähere Auswahl rückten vier Geräte in unterschiedlicher Größe mit verschiedenen Talenten. Neben dem Klang ist die Bauform das wichtigste Unterscheidungskriterium. Wer sein Gerät nur gelegentlich von einem Zimmer ins nächste oder sommertags auf die Terrasse befördern will, hat andere Ansprüche als der Junior, der eine Immer-dabei-Beschallung für Schule, Straßenbahn und Strandcafé sucht.

Der Henkelmann SRS BTM 8 von Sony ist mit 24 × 19 Zentimeter und einem Gewicht von fast einem Kilogramm der größte und schwerste Kandidat. Er ist gedacht für den stationären Einsatz und nicht fürs Reisegepäck, wenngleich er zur Stromversorgung neben einem kleinen Netzteil auch die Option bietet, seine Energie aus vier AA-Batterien oder Akkus zu beziehen. Laufzeiten jenseits der Steckdose von mehr als 15 Stunden sind durchaus realistisch. Der Sony ist zudem unter den vier Kandidaten der einzige, der den Nahbereichsfunk NFC mitbringt.

Mit ihm gelingt die Kopplung eines Smartphones besonders einfach, man muss es dafür kurz an den Lautsprecher halten. NFC gibt es derzeit nur für die mobilen Betriebssysteme Android und Windows Phone und ausgewählte, wenige Modelle. Was uns am Sony überraschte: Er ist mit einem Straßenpreis von weniger als 80 Euro sehr günstig, trotzdem ordentlich verarbeitet, die Anmutung stimmt – und er klingt gut.

Fürs Nebenbeihören ist Sony bestens geeignet

Die Akustik ist ausgewogen, das Klangbild bleibt neutral, bei tendenzieller Betonung der Höhen und eher schwachem Bass. Das Klangvolumen ist angemessen, fürs Nebenbeihören im Büro ist er bestens geeignet, zur Partybeschallung weniger. Ein Partygag wiederum könnte der Soundwaver von WHD sein. Man verstecke das kleine Gerätchen (5,5 × 6 Zentimeter), das wie ein Kamera-Objektiv aussieht, irgendwo im Raum auf einer harten Oberfläche. Sobald die Musik aufspielt, sucht jeder nach dem Lautsprecher. Denn der Klang steht sehr präsent und voluminös im Raum.

Des Rätsels Lösung: Die Mini-Tonne ist ein Körperschallwandler, der Oberflächen wie Glas, Metall oder Holz in einen Resonanzkörper verwandelt. Der dicke „Wumms“ mit hohem Unterhaltungswert hängt allein am Material. Nimmt man das für sein geringes Volumen sehr schwere Gerät (330 Gramm) in die Hand, wird aus dem brüllenden Löwen eine piepsende Maus. Was den Klang betrifft: Der Lautsprecher ist als Krachmacher bestens geeignet, aber nichts für sensible Gemüter, die eine ausgewogene Akustik suchen. Der Preis von 60 Euro ist angemessen, die Verarbeitungsqualität gefällt.

Der Soundwaver lässt sich nicht nur mit Bluetooth ansteuern. Er bringt auch ein Kombi-Kabel mit, das an seine Mini-USB-Buchse passt und den Anschluss von analogen oder USB-Zuspielern erlaubt. Über diese Buchse wird die Brülltonne auch geladen, die Akkulaufzeit ist die kürzeste der hier ausprobierten Geräte, sie liegt unter vier Stunden.

Nicht Mini-USB, sondern das bei aktuellen Smartphones gängige Micro-USB bringt die Mini Jambox von Hersteller Jawbone mit. Der kleine Soundriegel hüllt sich in ein exklusives Unibody-Aluminiumgehäuse, kommt in verschiedenen knallbunten Farben und ist hinsichtlich Größe und Gewicht (15,5 × 5,5 Zentimeter, 250 Gramm) geradezu optimal auf den mobilen Einsatz zugeschnitten. Den packt man gern noch in die Jackentasche oder ins Reisegepäck, ein Handgriff, und man hat alles dabei.

Ein feines Extra bietet die Jambox von Jawbone

Keine Fummelei mit Zubehör: Das Ladegerät leiht man sich vom Handy aus. Indes hält der Akku locker länger als zehn Stunden durch. Wer es genau wissen will, kann sich mit einer (englischen) Sprachausgabe über den Ladestand informieren, sie hilft im Übrigen auch bei der Bluetooth-Kopplung. Ein feines Extra ist die Option, die kleine Box als Freisprechgerät für Telefonate einzusetzen. Wie im Sony-Henkelmann ist ein Mikrofon eingebaut. Bei eingehenden Telefonaten unterbricht die Musikwiedergabe, und die Qualität des Freisprechers ist ganz ordentlich.

Auch die Akustik erstaunt: So klein und kompakt die Box auch sein mag: Sie klingt ungemein ausgewogen, selbst bei höherer Lautstärke. Die Akustik entspricht nahezu der deutlich voluminöseren Sony, allerdings bezahlt man rund 180 Euro für die Box. Der Preis ist jedoch angesichts der hohen Verarbeitungsqualität und ausgewogenen Gesamtleistung überaus fair. Für besonders mobile Menschen ist die Mini Jambox das Gerät der Wahl.

Und dann kommt der Spielverderber. Auspacken, einschalten, staunen, und schon hat Bose gewonnen. Die Rede ist vom Soundlink Mini des amerikanischen Herstellers, der mit einem Maxi-Klang daherkommt. Zugegeben, Soundlink ist größer (18 × 5 Zentimeter) als die Mini Jambox und vor allen Dingen deutlich schwerer: 660 Gramm steckt man nicht mehr unversehens in die Jackentasche. Aber sei’s drum, der Apparat für 180 Euro füllt geradezu spielerisch mittelgroße Räume, die erzielbaren Schallpegel sind beeindruckend.

Und man fragt sich, mit welchen Tricks diese Bässe aus einem so kleinen Volumen kommen können. Zugegeben, bei sehr hohen Lautstärken und anspruchsvollen Titeln hört man natürlich die Grenzen. Aber das Gebotene ist insgesamt überragend, frisch, dynamisch, zupackend.

Auch die Bose Minibox weist Minuspunkte auf

Die Minibox bringt ebenfalls ein Aluminiumgehäuse mit, die Verarbeitungsqualität ist überragend. Aber einige Minuspunkte seien nicht verschwiegen: Das Netzteil ist proprietär und wirkt billig. Mit einem Handy-Ladegerät lässt sich der Akku nicht befüllen, der Micro-USB-Anschluss ist allein für Software-Updates zuständig. Als Bluetooth-Freisprecher taugt die Box nicht, und ihr Akku hält etwas weniger als zehn Stunden durch.

Alles in allem überzeugt der Sony-Henkelmann, ist guter Klang zum kleinen Preis gesucht. Als Reisepartner empfiehlt sich die Mini Jambox, wenn es um jeden Zentimeter und jedes Gramm geht. Soundlink Mini für die Freunde der tiefen Bässe spielt in einer anderen Liga und kann manche HiFi-Anlage durchaus ersetzen. Die Freunde besonders hochwertiger Musikwiedergabe bleiben jedoch bei ihrer liebgewonnenen Ausrüstung, denn übertreiben sollte man das Lob der Minis nicht.