
Nachfüllbare Ölkännchen sollen in spanischen Gaststätten verboten werden. Die EU war vor Kurzem mit einem entsprechenden Vorstoß gescheitert. Auch in Spanien wird nun heftig darüber gestritten.
Was den Eurokraten im Sommer misslang, will die spanische Regierung jetzt im Winter selbst durchsetzen: ein Verbot der nachfüllbaren Ölkännchen in den 350.000 Restaurants, Bars und Cafés des Landes. Das Kabinett unter Vorsitz von Ministerpräsident Mariano Rajoy beschloss die Maßnahme, die als „königliches Dekret“ zum 1. Januar in Kraft treten soll. Die Hersteller des „flüssigen Goldes“ jubeln, das Gaststättengewerbe klagt lauthals.
Als vor einigen Monaten ein entsprechender Vorstoß in Brüssel unternommen wurde, gab es unter anderem Kritik aus den „Nordländern“, deren Touristen zu Millionen einen großen Teil der spanischen Olivenöl-Kundschaft ausmachen. Der Spott über die neue Version einer „Suche nach der perfekt geschwungenen Banane“ ließ das Projekt sterben.
Aber Spanien will sich nun ausnahmsweise doch einmal ein Beispiel an Portugal nehmen, wo die Kännchen schon vor Jahren etikettierten Flaschen weichen mussten.
Die lebhafte Debatte sieht nun Hersteller und Abfüller im Widerspruch zu Restaurantbesitzern, Konsumenten und Umweltschützern. Die Erstgenannten rühmen das Dekret als überfälligen Beitrag zur Hygiene, zum Verbraucherschutz, zur Markttransparenz, zur Exportsteigerung und Qualitätsverbesserung. Die anderen sehen dahinter nur eine versteckte Subvention für die zumeist in Andalusien beheimateten größten Olivenölproduzenten der Welt mit durchschnittlich 1,3 Millionen Tonnen im Jahr. Außerdem rechnen sie mit Preiserhöhungen und unnützen Bergen neuen Sondermülls und verbitten sich, im Zeichen des jahrzehntelang tolerierten simplen Auffüllens mit Öl von nicht immer erster Qualität noch nachträglich zu Betrügern gestempelt zu werden.
Die neuen Flaschen sollen nun eine Öffnung und einen Verschluss haben, die sich allen Kunstgriffen zum Nachfüllen aus der großen Kanne entziehen. Sie sollen im Interesse der allgemeinen Gesundheit jene Kännchen ersetzen, die, wenn sie nicht regelmäßig gereinigt wurden, nach wiederholtem Nachfüllen etwas ranzig zu riechen pflegen. Außerdem meldeten einige Befürworter der Umstellung grundsätzliche Zweifel daran an, dass die Kännchen mit ihren schmalen Hälsen überhaupt in die Spülmaschine gesteckt und nicht nur lauwarm ausgewaschen worden seien.
Carlos Falcó, Markgraf von Griñon und einer der größten spanischen Wein- und Olivenöl-Produzenten, lobte die Regierung und sagte, es sei höchste Zeit, das Öl durch fachgerechte Etikettierung wie guten Wein zu behandeln. Wenn es am Ende etwas teurer würde, so habe der Verbraucher immerhin die Garantie, ein wirklich sauberes Erzeugnis vorgesetzt zu bekommen. Falcó versäumte es auch nicht, an einen großen Skandal in Spanien in den achtziger Jahren zu erinnern, als rücksichtslose Panscher Olivenöl, das mit hochgiftigem Maschinenöl verschnitten war, auf den Markt brachten. Damals gab es sogar Todesopfer.
Den Köchen, Kellnern und Gaststättenbesitzern will das alles dennoch nicht einleuchten. Sie argumentieren, dass man ihnen doch schließlich alles, was mit Essen und Trinken zu tun habe, anvertraue, und dass sie nicht ausgerechnet beim Öl unter Generalverdacht der Betrügerei gestellt werden sollten.
Das Kännchenverbot werde nur zu einer großen Verschwendung des Lebensmittels und zusätzlichen Umwelt- und Entsorgungsproblemen führen. Das Gesetz gibt ihnen immerhin eine Gnadenfrist von zwei Monaten bis Ende Februar, um die schon eingekauften alten Vorräte aufzubrauchen.
