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Wenn die Drohne zweimal klingelt

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Amazon kündigt an, in wenigen Jahren Pakete mit Drohnen ausliefern zu wollen. Unrealistisch ist das nicht, Vorreiter gibt es längst. Aber wollen wir das auch?

Das Paket kommt durch die Luft: Der größte Internethändler der Welt, Amazon, will nach den Worten seines Chefs Jeff Bezos schon in vier oder fünf Jahren Bücher, DVDs &amp- Co. von kleinen Flugmaschinen zum Kunden bringen lassen. Da eröffnen sich in vielen Köpfen Star-Wars-Szenarien: unbemannte Flugzeuge fliegen durch die Luft, Roboter arbeiten als Geburtshelfer, Dolmetscher, Wartungsspezialisten, Soldaten. So weit ist es noch nicht. Drohnen aber sind dieser Tage mancherorts schon Alltag.

Die Vereinigten Staaten setzen zum Beispiel schon jetzt Drohnen ein, um Talibankämpfer zu jagen und Feindesland auszuspionieren. Moderne Passagierflugzeuge fliegen schon – zumindest bei gutem Wetter – beinahe von alleine. Die Deutsche Bahn fahndet per Drohne nach Graffiti-Sprayern, nur für die Nacht ist ihr das verboten worden. In Karlsruhe haben Tüftler der Firma e-volo gerade den Prototypen des Volocopters, eines Flugtaxis für Großstädte, vorgestellt.

Amazon will Pakete mit Drohnen ausliefern

Jetzt kommt Amazons Projekt: Der Kunde müsse dann nicht mehr einen Tag auf seine Ware warten, wirbt Amazon-Chef Jeff Bezos, sondern soll sie schon 30 Minuten nach der Bestellung in Händen halten. Ansonsten verriet Bezos noch, dass die achtmotorigen Amazon-Drohnen rund 2,5 Kilogramm tragen und 16 Kilometer weit fliegen können sollen und dass der Projektname innerhalb seines Hauses „Prime Air“ lautet.

Und Amazon ist längst nicht das erste Unternehmen, das bestellte Artikel per Drohne verschicken will, sondern bloß das bekannteste.

In Australier und China fliegen die Lieferdrohnen schon

Pionier auf diesem Gebiet zu sein, das beanspruchen gleich mehrere Firmen. Eine von ihnen ist das australische Start-Up-Unternehmen Flirtey. Es will weltweit Vorreiter sein, wenn es darum geht, unbemannte Fluggeräte betriebswirtschaftlich nutzbar zu machen. Im kommenden Jahr sollen Kunden, die über die Studentenplattform Zookal Bücher leihen oder kaufen, ihre Ware mit der Drohne bekommen. Seit Oktober testet Zookal angeblich schon mit zwei Lieferdrohnen den Betrieb. Ahmed Haider, der Zookal leitet und Flirtey mitgründete, sagte, Australien sei außerordentlich gut geeignet dafür, Drohnen-Technologie zu kommerzialisieren: Die australische Luftaufsicht CASA sei dafür sehr offen und außerdem sei das Land aufgrund seiner geografischen Bedingungen interessant.

Auch der chinesische Zustelldienst SF Express liefert womöglich bereits mit Drohnen kleine Pakete aus. Auf im Internet kursierenden Foto-Aufnahmen ist zu sehen, wie er in der Stadt Dongguang im südlichen Teil der Provinz Guangdong einem Kunden ein Päckchen bringt. Auch in diesem Fall befände sich der Betrieb noch in der Testphase. In China habe – wie auch in Australien – die Aufsicht vergleichsweise wenige Einwände gegen die fliegenden Postboten-Roboter.

Viele Fragen offen

Für Kunden könne der Vorteil des unbemannten Flug-Briefträgers nicht nur in schnellerer und günstigerer Lieferung liegen. Die Drohnen könnten über eine App und mittels GPS-Technologie ein Paket einmal genau dorthin liefern, wo der Besteller gerade jetzt ist – das müsse dann nicht unbedingt zuhause sein.

Bis auf weiteres ist das aber wohl eher eine Frage von Jahren als von Monaten. Auch in den Vereinigten Staaten ist nicht nur die Frage wichtig, wie schnell Amazon soweit ist. Sondern es kommt auch auf den Gesetzgeber an. Der will dem Vernehmen nach zusammen mit der Flugaufsichtsbehörde erst im Jahr 2015 den inländischen kommerziellen Drohnen-Flug ermöglichen.

Außerdem sind viele technische Fragen derzeit offenbar noch nicht beantwortet. Zum Beispiel: Wie „klingelt“ die Drohne, wenn sie da ist? Wo landet und übergibt sie das Paket: Legt sie es vor die Tür, kommt es im Mietshaus auf den Balkon? Hält sie auch schlechtes Wetter aus? Wie funktioniert der Kollisionsschutz? Hat das Gerät eine Kamera an Bord? Wenn ja, filmt sie Haus, Wohnung und Kunden und speichert ihre Bilder gar noch ab?

Und schließlich müssen die Arbeitgeber der Drohnen auch überlegen, ob die Gesellschaft das will. Dass unzählige Drohnen vielleicht 24 Stunden am Tag durchs Stadtbild fliegen und Päckchen abladen. Und dass womöglich während des Weihnachtsgeschäfts ein regelrechtes Drohnen-Chaos ausbricht.

Wenigstens die technischen Einwände sind durchaus überwindbar. Das zeigen andere Beispiele wie etwa das selbstfahrende Auto, das einst als Hirngespinst betrachtet wurde. Mittlerweile parken Autos automatisch ein, viele namhafte Hersteller arbeiten an komplett von Roboterhand gesteuerten Fahrzeugen – und in einigen amerikanischen Bundesstaaten dürfen sie legal auf der Straße fahren.