
Eigentlich hatten alle auf Apples iWatch gewartet. Doch dann kamen Sony mit der Smartwatch 2 und Samsung mit der Galaxy Gear. Wozu taugen diese Computeruhren?
Das Alugehäuse der Smartwatch von Sony ist mit 122,5 Gramm recht schwer. Sie ist mit USB-Mikroanschluss und Bluetooth in Version 3.0 ausgerüstet. Das Armband gibt es aus Stahl, Silikon oder Leder in verschiedenen Farben. Wie die meisten aktuellen mobilen Geräte von Sony ist auch die Smartwatch 2 wasserfest. Der Armgelenk-Computer tarnt sich zunächst als normale Armbanduhr.
Das digitale Zifferblatt verrät lediglich Uhrzeit und Datum. Die drei Zeichen am unteren Rand deuten allerdings an, dass die Uhr auch irgendetwas mit Android zu tun hat. Erst das Drücken des seitlichen Knopfes löst den Wechsel zur Computeruhr aus. Das abgedunkelte Display erhellt sich, und seine Berührungsempfindlichkeit wird aktiviert. Drückt man das Haus-Symbol, erscheinen Symbole, deren Bedeutung zwar eindeutig ist, das Design aber altbacken daherkommt. Die Zeichen Wecker, Telefonhörer, Brief, Taschenlampe und Schraubenzieher erinnern an jene Zeit, als Handys noch Tasten hatten und nur zum Telefonieren da waren.
Damit auf der Smartwatch überhaupt etwas geschieht, muss die Uhr mit einem Smartphone gekoppelt werden. Das ist mit jedem beliebigen Androidgerät ab Version 4.0 möglich. Die Bluetooth-Verbindung ist somit die ständige Fessel zwischen Uhr und Handy. Mit der App „Smart Connect“ aktiviert und füttert man den Mini-Computer am Handgelenk. Im Play Store warten spezielle Programme, die man mit dem Smartphone herunterlädt und die sich dann direkt auf der Uhr installieren. Wir haben uns kostenlose Apps wie Twitter, Facebook und Google-Mail draufgepackt. Es gibt einige weitere wie Wetter, Slideshow, Musikplayer oder RSS-Feed.
Im Alltag sieht das dann so aus, dass die Uhr vibriert (kann ausgeschaltet werden), etwa wenn neue Nachrichten hereinkommen. Weil das Display mit einer Größe von 1,6 Zoll und der Auflösung 220 mal 176 Pixel wenig Platz bietet, liest man im Falle der Twitter-App entweder eine Liste mit verstümmelten Tweets, die man dann einzeln auswählt, um sie vollständig zu sehen, oder man wischt von Tweet zu Tweet. So funktioniert das auch für Mails und Facebook-Nachrichten. Sony geht von drei bis vier Tagen Akkudauer bei normalem Gebrauch aus, was nach unserer Erfahrung durchschnittlich hinkommen könnte. Die Smartwatch kostet 179 Euro.
Für seine Galaxy Gear verlangt und bietet Samsung mehr. Diese Computeruhr kostet 299 Euro. Dafür kann man mit ihr fotografieren und telefonieren. Die technischen Details klingen nach Computer. Die Galaxy Gear hat Bluetooth 4.0, das Display löst mit 320 × 320 auf bei einer Größe von 1,6 Zoll. Der Prozessor ist mit 800 Megahertz getaktet. 4 Gigabyte interner und 512 Megabyte Arbeitsspeicher stehen zur Verfügung.
Die Galaxy Gear sieht etwas futuristischer aus, und sie wiegt nur 73,8 Gramm. Ihr Kameraauge im Armband und das Mikro-Lautsprecher-Modul im Verschluss zeigen unübersehbar, dass es sich um keine gewöhnliche Uhr handelt. Leider wird auch hier das James-Bond-Gefühl dadurch getrübt, dass ein Smartphone als ständiger Partner in der Jacken- oder Hosentasche stecken muss. Samsung lässt neben dem aktuellen Note 3 nach einem Update angeblich auch den Einsatz mit dem Galaxy S4 und weiteren hauseigenen Modellen zu.
Einen Überraschungseffekt konnten wir in der Redaktion dennoch erzielen, als wir ein ankommendes Gespräch annahmen, indem wir über das Display der Galaxy Gear wischten, den Arm zum Ohr bewegten und mit dem Gespräch begannen. Das Smartphone war in der Tasche versteckt. Leider mussten wir das Gespräch bald wieder beenden, weil uns der Arm in dieser Stellung schnell schmerzte und die Kollegen nicht hören wollten, was unser Gesprächspartner so alles erzählt. Ein schneller und heimlicher Kameraschuss aus dem Handgelenk fällt ebenfalls schnell auf, weil das Geräusch des Auslösens unüberhörbar ist. Dafür ist die Bildqualität der 1,9-Megapixel-Kamera ganz in Ordnung.
Lässt man die Telefonie- und Foto-Funktionalität außen vor, beschränkt sich der Einsatz auf die gleichen Möglichkeiten wie bei der Smartwatch von Sony. Auch hier zieht man sich über eine App (Gear Manager) weitere Anwendungen auf die Uhr. Allerdings nicht aus dem Play Store, sondern aus Samsungs eigenem Portal. Unter Benachrichtigungen kann man – nach einem kürzlichen Update seitens Samsung – Anrufe, SMS, Mails, Tweets, Evernote- oder Flipboard-Elemente einlaufen lassen. Ebenso wie bei der Smartwatch zeigt sich ein strukturelles Problem. Tweets enthalten häufig Links, und diese können mit solchen Uhren nicht geöffnet werden, weil es keinen Browser gibt und eine solche Darstellung aufgrund des kleinen Displays ohnehin sinnlos wäre. Der Griff zum Smartphone bleibt unerlässlich.
Samsungs Galaxy Gear gefällt im täglichen Gebrauch besser. Die Symbole machen mehr Spaß, weil sie modern und schlicht aussehen. In der Grundeinstellung sind sie so gestaltet, dass jeweils ein Symbol den Bildschirm belegt und man zum nächsten wischen muss. Der Finger gleitet dabei geschmeidiger als auf dem Sony-Gerät. Auch ist bei der Galaxy Gear die temporäre Anzeige der Uhrzeit elegant gelöst.
Das Display schaltet sich zwar spätestens fünf Minuten nach Inaktivität ab. Doch die übliche Armbewegung, um zu schauen, wie spät es ist, schaltet es wieder an. Die Galaxy Gear hält mit durchschnittlich einem vollem Tag Akkudauer weniger lange als die Smartwatch.
Gerätegattung ohne Sinn
Unabhängig von einzelnen technischen Stärken und Schwächen dieser Computeruhren stellt sich allerdings die Frage, was der Sinn dieser Gerätegattung ist. Die geringe Größe des Displays wird immer dazu führen, dass die seriöse Lektüre von Nachrichten jeder Art weiter auf dem Smartphone stattfinden wird. Und das Verfassen einer Nachricht mit der Diktierfunktion ist keine Alternative. Ernst gemeinte Telefonate wird man mit der Galaxy Gear nicht führen wollen, und ein Foto hat man auch schnell mit dem Smartphone gemacht.
Solche Computeruhren ersparen einzig und allein den Griff in die Hosen- oder Jackentasche. Diesen Komfort erkauft man sich aber mit einer erheblichen Qualitätsreduktion in nahezu jeder Anwendung. Dann ist der Spaß zu Ende.
