Gesellschaft

„Einige Kollegen schmuggeln Hunde“

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Die SPD-Abgeordnete Ute Vogt kämpft gegen das Tierverbot in den Büros des Bundestags. Ein Gespräch über die politische Hundelobby und den Trick, durch den Dackel Willi zu seinem Besitzer fand.

Frau Vogt, wo ist Ihr Hund gerade?

Bei mir. Ich bin gerade bei meinen Eltern zu Besuch, da darf er mit.

An Ihren Arbeitsplatz ja leider nicht. Sie sind Bundestagsabgeordnete, und in deren Berliner Büros sind Hunde verboten. Sie haben deswegen schon mit anderen Parlamentariern einen Beschwerdebrief an Norbert Lammert geschrieben. Ohne Erfolg. Nutzen Sie Ihre Beteiligung an den Koalitionsverhandlungen jetzt, um ein Netzwerk der Hundefreunde aufzubauen und Ihr Anliegen mit noch breiterer Basis zu vertreten?

Das nützt wahrscheinlich nichts. Ich glaube, es liegt im Wesentlichen an Herrn Lammert. Jetzt werden wir erst mal sehen, wie die Koalition ausgeht, aber wenn das alles rum ist, werde ich Herrn Lammert noch mal drauf ansprechen, wo eigentlich seine Bedenken liegen.

Wie stark ist die Hundelobby im Deutschen Bundestag?

Es sind schon einige. Ich weiß, dass es Kollegen gibt, die ganz kleine Hunde haben und die in der Tasche in ihre Büros schmuggeln.

Wer, verraten Sie natürlich nicht.

Nein. Aber ich erinnere mich an Bonn, wo wir als Abgeordnete am Rhein in Containern saßen. Da hatte Annemarie Renger als Altersbundestagspräsidentin noch ein Büro, und die kam immer mit ihrem Boxer. Kein Mensch hat sich je getraut, ihr das zu untersagen. Und mein Kollege Friedhelm Julius Beucher hatte einen kleinen Dackel, Willi, aber der durfte nicht rein, weil’s offiziell ja nicht erlaubt war. Der Dackel wurde immer bei mir – ich hatte das Büro gegenüber von Beucher – zum Fenster reingehoben und dann über den Flur zu ihm gegeben. Bei Willi haben wir das übers Fenster regeln können, aber das geht halt nur bei der Dackelgröße.

Ihrer ist zu groß?

Ja. Hinten sieht Gretel ein bisschen aus wie ein Windhund, vorne, na ja, man weiß es nicht so recht, vielleicht ein Rhodesian Ridgeback. Groß und braun. Außerdem geht es nicht, weil mein Büro im zweiten Stock ist.

Früher war manches besser.

In dieser Hinsicht ja. Ich war mal drei Jahre Abgeordnete im Landtag von Baden-Württemberg, und da war der Hund öfter im Büro dabei, das war überhaupt kein Problem. Es war natürlich auch klar: Der geht nicht in die Plenarräume und auch nicht in die öffentlichen Räume. Der hat quasi ein Durchgangsrecht gehabt vom Eingang in mein Büro.

Quasi?

Es wurde geduldet. Ich hatte das Glück, dass Günther Oettinger seinen schwarzen Labrador auch oft dabeihatte. Und ich bin als SPD-Fraktionsvorsitzende eingezogen – vielleicht hat sich damals auch deshalb niemand getraut, etwas zu sagen.

Hat Ihr Hund mal mit Oettingers Hund gekämpft?

Nein, die konnten sich gut leiden.

Wie hat der Hund damals Ihren Arbeitsalltag verändert?

Gar nicht viel. Die meisten Hunde schlafen ja zwei Drittel vom Tag, meiner damals auch. Der hatte eine Decke in der Ecke, und da lag er drauf.

Insofern muss man den von Ihnen unterstützten Aktionstag „Kollege Hund“ vielleicht kritisch sehen – mit so schläfrigen Kollegen ist ja kein Staat zu machen.

Ja gut, an der Arbeit beteiligt er sich nicht.

Er könnte Dokumente überbringen.

Theoretisch ja! Das müsste aber schon ein sehr gut trainiertes Tier sein. Meiner hatte aber einen positiven Effekt auf meine Besucher. Wenn’s nicht gerade jemand war, der Angst hatte, gab es immer eine sehr gute Gesprächsatmosphäre, man hat sofort einen Anknüpfungspunkt gehabt. Und wenn jemand Angst hatte, kam der Hund zu.

Na gut. Aber was wollen Sie Herrn Lammert antworten, wenn seine Befürchtung ist, dass dann jeder sein Tier mitbringt und die über die Gänge tollen?

Man muss schon aufpassen und die Tür hinter sich zuziehen. Dafür ist der Flur des Bundestags nicht geeignet, dass da Hunde miteinander Wettrennen veranstalten. In den Plenarsaal sollen sie sowieso nicht. Es geht ja auch nicht darum, dass jeder jeden Tag seinen Hund dabeihat. Nur, wenn mal etwas ist mit der Betreuung und man denkt: Jetzt wäre es notwendig, dass man zumindest die Verfügung über sein Büro hat und den Weg dahin erlaubt kriegt. Das wäre angemessen.

Wo verbringt Ihr Hund denn derzeit die Woche?

Bei mir ist es so, dass mein Lebensgefährte den Hund hat, wenn ich in Berlin bin.

Und wenn Sie ihn im Büro mit dabei hätten und dann kurzfristig auf einen Termin müssten?

Ein normaler Hund kann auch mal zwei, drei Stunden allein bleiben. Man darf halt keinen haben, der das Büro zerlegt. Das Tier muss ordentlich erzogen sein. Gretel ist das.