
Die Testsiegerin der Stiftung Warentest und die drittplazierte Kompaktkamera liegen nur 0,1 Notenpunkte auseinander. Die Canon und die Lumix vergleichen zu wollen, ist fast unmöglich. Ein Versuch.
Ein Grund, sich ausgerechnet mit diesen beiden Digitalkameras aus der Heerschar der Kompaktmodelle genauer zu befassen, war ein Missgeschick: Dem zur See fahrenden Kollegen rutschte die Hosentaschenkamera der Redaktion auf Nimmerwiedersehen über Bord. Ersatz musste her. Rasche Entscheidung: Es sollte wieder die jahrelang bewährte gleiche Kamera sein, lediglich in Gestalt des aktuellen – technisch aufgewerteten – Modells. Und dann war da noch das Septemberheft von „test“, worin die Stiftung Warentest der für die Redaktion ausgesuchten Kamera ein „Gut“ gab.
Allerdings wurde eine andere Kamera zum Testsieger erklärt, ebenfalls mit „Gut“, aber einem um 0,1 Notenpunkte besseren. Tauglich für die Hosentasche sind beide, die Canon Ixus 255 HS (rund 190 Euro) und die Lumix DMC-TZ41 von Panasonic (rund 280 Euro, beides Internetpreise). Die Ixus ist mit 140 Gramm rund 50 Gramm leichter als die Lumix und in allen drei Dimensionen etwas kleiner. Wer große Hände hat und keine spitzen Finger, hat seine Mühe mit dem glatten Gehäuse der Ixus und ihren winzigen Bedienelementen.
Die Lumix ist handlicher mit ihrem gummierten Griff. Weil der Unterschied so deutlich ist, braucht man kein Messgerät um festzustellen, dass die Lumix ihr Objektiv (entsprechend 24 bis 480 mm Kleinbildbrennweite) schneller aufnahmebereit ausfährt als die Ixus das ihre (24 bis 240 mm Kleinbildäquivalent). Der Einschaltknopf der Lumix sitzt zu dicht neben der Taste, mit der in den Videomodus geschaltet wird. Ohne dass dies besonders wichtig erschien, sei angemerkt: Beide Kameras nehmen Bewegtbilder in Full-HD auf, die Canon mit 24, die Panasonic mit 50 Bildern in der Sekunde.
Beide Kameras haben klassentypisch einen 1/2,3-Zoll-Sensor- in der Ixus liefert er rund 12 Megapixel große Bilder, in der Lumix sind es rund 18 Megapixel. In beiden Fällen reicht die Empfindlichkeit bis ISO 6400. Auch die kürzeste Verschlusszeit ist gleich: 1/2000 Sekunde. Beide Kameras haben eine Bildstabilisierung an Bord, die Lumix sogar eine um fünf Achsen wirksame. In unterschiedlicher Weise sind beide drahtlos mit dem PC oder einem Smartphone zu verbinden, um Bilder zu übertragen.
Auch nicht so superwichtig für die Entscheidung: Beide Kameras können Panoramabilder schießen, die Canon durch Zusammenfügen mehrerer Aufnahmen, die Lumix mittels Schwenk. Die Lumix kann – nicht besonders überzeugend – HDR-Aufnahmen zusammenrechnen und mit ihrem GPS-Modul den Aufnahmedaten Ortsangaben hinzufügen. Punkte, in denen sich die Kameras so unterscheiden, dass es jeder ohne Messlabor merkt, sind beispielsweise die Auslöseverzögerung und die Zahl der mit einer Akkuladung machbaren Bilder: Die Panasonic ist als die bessere Schnappschusskamera laut der für die Stiftung Warentest gemachten Messungen um mehr als eine Zehntelsekunde schneller.
Sie schafft 80 Bilder mehr mit einer Akkuladung. Stark unterschiedlich sind die Bedienkonzepte der beider Kameras: Will man bei der Canon beispielsweise in ein Motivprogramm wechseln oder die bei beiden Kameras vorhandene Vollautomatik verlassen, muss man sich in eine Menüstruktur begeben. Die Lumix hingegen hat ein kräftig rastendes Drehrad für die Betriebsarten.
Was die Lumix liefert, ist „knackiger“
Da finden sich nicht nur zwei Speicherplätze für benutzerspezifische Einstellungen, sondern auch manuelle Einstellmöglichkeiten sowie Zeit- und Blendenautomatik, während die Ixus neben der Vollautomatik nur eine Programmautomatik bietet. Kommen wir zum entscheidenden Punkt: Bildqualität. „Bestes Bild“ heißt es in „test“ zur Ixus, gestützt unter anderem auf den „Sehtest“ von zwei Fotoamateuren und drei Experten am Bildschirm.
In der Tat zeigen Bilder der Lumix in starker Vergrößerung mehr Artefakte. Diese Bildfehler aber führen dazu, dass die Abbildung auch mehr Plastizität bekommt. Was die Lumix liefert, ist „knackiger“ und generell etwas dunkler. Canon trifft, nicht nur bei dieser Kamera, mit einer weicheren Bildverarbeitung erfolgreich den Geschmack der Kunden – und der Tester.
Kluge Köpfe dürften die Wahl erraten
Diese beiden sehr guten, aber auch sehr verschiedenen Kameras in eine eindeutige Rangfolge bringen zu wollen und dabei die Canon Ixus zur Testsiegerin zu küren, das ist in etwa so, als würde man eine Williams Christ Birne und einen Granny Smith Apfel nebeneinanderstellen und erklären, die Birne sei mit einem Notenunterschied von 2,3 zu 2,4 das bessere Tafelobst.
Aus gutem Grund verleiht Technik und Motor keine „Editor’s Choice“, keinen „Kauftipp der Redaktion“ oder wie auch immer heißende Etiketten. Stattdessen dürfen geneigte Leser dreimal raten, auf welche der beiden Kameras die Wahl der Redaktion gefallen ist. Kluge Köpfe brauchen aber höchstwahrscheinlich nur einen Versuch.
