Eurokrise

Exportüberschuss der Währungsunion verdoppelt sich

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100 Milliarden Euro Exportüberschuss erreicht der Euroraum. Die Mitgliedsländer unterscheiden sich aber stark: Deutschland weist einen riesigen Überschuss auf, Frankreich ein großes Defizit.

Die Europäische Währungsunion hat ihren Exportüberschuss in den ersten neun Monaten dieses Jahres mehr als verdoppelt. Der Wert der Ausfuhren übertraf den der Importe in der Zeit von Januar bis September um 109,6 Milliarden Euro, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Ein Jahr zuvor betrug der Überschuss lediglich 50,2 Milliarden Euro. Allein im September stieg er überraschend deutlich auf 13,1 Milliarden Euro, weil die Exporte um drei Prozent zulegten, während die Importe stagnierten.

Den mit Abstand größten Exportüberschuss weist Deutschland auf. Er summierte sich Eurostat zufolge bis Ende August auf fast 128 Milliarden Euro. Aber auch Mitgliedsländer der Währungsunion, die mit Finanzproblemen kämpfen, wie etwa Irland (25,3 Milliarden Euro) und Italien (19,3 Milliarden Euro) weisen eine positive Bilanz auf.

Dem stehen zahlreiche Länder mit defizitären Handelsbilanzen gegenüber: Frankreich, die zweitgrößte Euro-Volkswirtschaft weist ein Defizit von rund 50 Milliarden Euro auf, Griechenland eines von 13 Milliarden und Spanien eines von 9 Milliarden.

Deutschlands Überschuss wird geprüft

Deutschland steht wegen seiner enormen Exportüberschüsse derzeit in der Kritik. Die amerikanische Regierung, aber auch der Internationale Währungsfonds und zuletzt auch die EU-Kommission verlautbarten, dass sie den deutschen Überschuss für zu hoch erachten.

Geteilt wird diese Kritik mitunter auch in Deutschland. Der prominente Ökonom Hans-Werner Sinn äußerte beispielsweise gerade erst während einer Investoren-Konferenz in Mainz, dass er die Kritik am hohen deutschen Leistungsbilanzüberschuss berechtigt findet.

Die Kritiker argumentieren dabei mit einer simplen Bilanz-Identität, nach der Handels- beziehungsweise Ersparnis-Überschüsse eines Landes zwangsläufig mit Defiziten andernorts zusammenfallen. Verfestigen sich diese Relationen, häufen Länder mitunter so hohe Schulden (staatlich oder privat oder beides) auf, dass sie in Gefahr geraten können, Pleite zu gehen.