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Der Google-Glaser unserer Gene

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Das Geld kam von seiner Mutter und den Ritterschlag der Queen wollte er sich sparen: Biochemiker Fred Sanger, zweifacher Chemie-Nobelpreisträger, ist mit 95 Jahren gestorben.

Frederick Sanger, der Erfinder der DNA-Sequenzierung und einer der Motoren für die Biorevolution, ist gestern im Alter von 95 Jahren gestorben. Das gab die Universität Cambridge heute bekannt. Fred Sanger hat bis zu seiner Pensionierung am dortigen Medical Research Council gearbeitet. Sanger ist der einzige Wissenschaftler, der zweimal den Nobelpreis für Chemie erhalten hat. 1958 wurde er für die komplette Aminosäure-Sequenz der beiden Insulinketten ausgezeichnet. Seine Arbeit zeigte damals, dass Proteine tatsächlich eine definierte Aminosäure-Sequenz haben, was bis dahin nicht als sicher galt. Zweiundzwanzig Jahre später erhielt er den Chemie-Nobelpreis für die geordnete Bestimmung der DNA-Sequenz. Sein Verfahren erhielt den Namen Sanger-Sequenzierung. Mit einer Variante dieser Methode wurde später das komplette humane Genom sequenziert. Deshalb gilt Sanger auch als der Vater der Genomforschung. Als er mit der Sequenzierung begann, habe niemand geglaubt, dass es in absehbarer Zeit eine komplette Genomsequenz geben werde, schrieb Sanger nach der Veröffentlichung des Rohentwurfs in Nature Medicine. Schon gar nicht innerhalb von dreißig Jahren.

Heute können ganze Genome in kürzester Zeit entschlüsselt werden. Allerdings beruhen die modernen Verfahren nicht mehr auf der Sanger-Technik. Eines der wichtigsten Zentren für Genomforschung – das Sanger Centre in Hinxton südlich von Cambridge -, ist nach ihm benannt worden. Einen Ritterschlag durch die englische Königin lehnte Sanger ab, weil er nicht mit Sir angeredet werden wollte. Sanger galt als sehr bescheiden und zurückhaltend. Er wurde am 13. August 1918 in Rendcombe in Gloucestershire geboren. Er wollte zunächst wie sein Vater Medizin studieren, entschied sich dann aber für die Naturwissenschaften. Er habe sich nur auf eine Sache konzentrieren wollen. Das sei in der Medizin weniger gut möglich gewesen, schrieb er in einer für die Nobelpreis-Organisation verfassten Kurzbiographie. Als Schüler – er besuchte eine Quäkerschule – sei er nicht herausragend, aber besser als der Durchschnitt gewesen, schreibt er weiter. Sanger erhielt auch lange Zeit keine finanzielle Förderung, sondern wurde von seiner Mutter unterstützt, die aus einer wohlhabenden Familie von Baumwollfabrikanten stammte. Sanger hat sich nach seiner Pensionierung mit großem Interesse der Gartenarbeit gewidmet.