
Die Aussicht auf eine anhaltend starke Geldschwemme aus Amerika hat den internationalen Börsen am Donnerstag Auftrieb gegeben. RWE indes enttäuscht massiv.
Der Donnerstag war ein guter Tag für Aktien. Der Dax verabschiedete sich mit einem Plus von 1 Prozent bei 9149,66 Punkten knapp unter Rekordniveau in den Feierabend. Der marktbreite F.A.Z.-Index gewann ebenfalls 1 Prozent auf 1926 Zähler. Die Wall Street erreichte Höchstkurse.
Die designierte amerikanische Notenbankchefin Janet Yellen hatte bei einer Anhörung im Senat unter anderem gesagt: „Es ist geboten, dass wir alles tun, um einen starken Aufschwung zu fördern. Es liegt noch mehr Arbeit vor uns.“
„Einige hatten befürchtet, dass sich Yellen ’falkenhafter’ präsentieren würde“, sagte Marktanalyst Lars Christensen von der Danske Bank. Aber sie sage offenbar, was sie denke. „Es ist klar, dass uns die Politik des billigen Geldes noch eine Weile erhalten bleibt.“ Im Börsenjargon werden die Befürworter einer straffen Geldpolitik als „Falken“ bezeichnet.
Trauerspiel von RWE
An der deutschen Börse sorgte ein rund zehnprozentiger Kurseinbruch von RWE für das meiste Aufsehen. „Das Zahlenwerk ist enttäuschend und durch den Ausblick wird der Bericht auch nicht besser“, sagte ein Börsianer.
Der Gewinn von RWE wird sich im kommenden Jahr fast halbieren. Das nachhaltige Nettoergebnis, das Grundlage für die Berechnung der Dividende ist, werde auf 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro fallen. Das Ergebnisniveau des laufenden Jahres werde man „auf absehbare Zeit nicht wieder erreichen. Der Ausblick für die Strompreise sei schwach. Das Unternehmen will seine Belegschaft um etwa zehn Prozent zu verkleinern.
Die RWE-Aktie verlor im Tagesverlauf in Frankfurt bis zu 10,3 Prozent und schloss 5,1 Prozent schwächer bei 25,76 Euro. Das Handelsvolumen entsprach mehr als dem Dreifachen des Tagesdurchschnitts der letzten drei Monate.Der Markt müsse den Ausblick für 2014 noch sacken lassen, sagte Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment in Frankfurt, in einem Telefoninterview. Das Unternehmen komme zudem beim Verkauf seiner Öl- und Gas-Produktionstochter Dea nur langsam voran, sagte er. Die Instabilität in Ägypten, wo Dea an einem Gasprojekt beteiligt sei, und die stagnierenden Öl- und Gaspreise machten einen Verkauf schwierig.
RWE verfehlte laut Bloomberg Industries das sechste Mal in sieben Quartalen die Schätzungen von Analysten. Am Mittwoch hatte EON gemeldet, dass der Gewinn 2013 am unteren Ende der Unternehmensprognose liegen werde. Eon verloren 1,7 Prozent.
Bei K+S verpuffte die Freude über das überraschend umfangreiche Sparprogramm. Die Aktien des Düngemittel-Herstellers, der angesichts eines Gewinneinbruchs in den kommenden Jahren eine halbe Milliarden Euro einsparen will, schlossen 4,1 Prozent tiefer bei 19,70 Euro, nachdem sie am Vormittag zeitweise auf ein Zwei-Monats-Hoch von 21,85 Euro gestiegen waren.
Auf europäischer Ebene gehörten EADS zu den Favoriten. Die Titel des Luftfahrt- und Rüstungskonzern legten an der Pariser Börse 1,9 Prozent auf 52,74 Euro zu, nachdem das Unternehmen einen Gewinnanstieg bekanntgegeben und seine Prognose für Auftragseingang und Auslieferungen angehoben hatte.
Rekorde an Wall Street
An der Wall Street herrscht nach der Yellen-Anhörung beste Stimmung. Nach ihrer Anhörung vor dem Bankenausschuss des Senats erklommen sowohl der Dow-Jones-Index als auch der S&-P-500 neue Allzeithochs. Gut kommt bei den Anlegern vor allem an, dass Yellen die Vorteile des Anleihekaufprogramms der Fed in den Vordergrund rückt. So betonte sie, dass der Nutzen des Kaufprogramms bislang höher sei als die Kosten und dass die Erholung auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt noch nicht groß genug sei.
Der S&-P-500 gewinnt 0,3 Prozent und der Dow-Jones-Index legt um 0,2 Prozent auf 15.848 Punkte zu, während der Nasdaq Composite belastet vom Quartalsbericht des Netzwerk-Ausrüsters Cisco unverändert notiert.
Nach dem enttäuschenden Ausblick von Cisco fällt dessen Kurs um mehr als 12 Prozent. Das ist der größte Tagesverlust seit fast drei Jahren. Cisco hatte einen Gewinnrückgang bekanntgegeben. Im Fahrwasser geht es mit dem gesamten Technologiesektor bergab. Hewlett-Packard geben 5,7 Prozent ab.
Wal-Mart notieren nach durchwachsenen Quartalszahlen wenig verändert. Der Reingewinn des Einzelhändlers belief sich auf 1,14 Dollar je Aktie und war damit etwas höher als von Analysten erwartet, während der Umsatz die Analystenschätzungen verfehlte.
